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Mord an 90er-Jahre-Star Zeuge bringt Wendung in Reeves-Prozess

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Jim Reeves trat 2004 mit Squeezer im ZDF-Fernsehgarten auf.

(Foto: imago/Hoffmann)

Eine Zeugenaussage liefert neue Erkenntnisse im Prozess um den getöteten Sqeezer-Sänger Jim Reeves. Ein Mithäftling legt nahe, dass nur einer der beiden Angeklagten der Täter sein könnte. Und er bringt ein weiteres Motiv ins Spiel.

Geld, Sex und Homophobie könnten die Motive sein, die zum Mord an Jim Reeves führten. Drei Verhandlungstage bleiben noch, um zu klären, warum und durch wen der 47-jährige Sänger der Eurodance-Band Sqeezer (zeitweise auch Squeezer geschrieben) in der Nacht zum 1. Februar 2016 gewaltsam ums Leben kam. Er soll zwei polnischen Bauarbeitern Geld für Sex angeboten haben. Diese stehen nun als mutmaßliche Mörder des 90er-Jahre-Stars vor Gericht.

Adam K. und Pawel A. sollen sich mit Reeves ein Sechsbettzimmer im "Happy Go Lucky Hostel" in Berlin-Charlottenburg geteilt haben und für seinen Tod verantwortlich sein. Ihnen wird vorgeworfen, aus "niederen Beweggründen" gehandelt zu haben, wie es in der Anklageschrift heißt. Der Musiker starb an inneren Verletzungen. Der 23-jährige K. und der 30-jährige A. sollen den Sänger erst mit einem Stuhl geschlagen und die abgebrochenen Beine anschließend in seinen Darm eingeführt haben. Dann hätten sie ihn bestohlen. Reeves sei bei der "Pfählung", wie es die Staatsanwältin nennt, bei vollem Bewusstsein gewesen. Der gebürtige Kölner, dessen Eltern aus Kenia und Tansania stammen, erlitt einen qualvollen Tod.

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Adam K. und Pawel A. am ersten Verhandlungstag Mitte September.

(Foto: picture alliance / Soeren Stache)

Mitten im Prozess könnte der Fall nun eine Wendung nehmen. Ein Mithäftling der beiden Angeklagten in der Justizvollzugsanstalt Moabit sagt aus, dass Pawel A. womöglich die alleinige Schuld am Tod von Reeves tragen könnte. Demnach habe Pawel A. ihn gebeten, einen Brief an Adam K. zu überbringen. In dem Brief soll er Adam K. dazu angestiftet haben, die Schuld auf sich zu nehmen und auszusagen, dass Pawel A. zur Tatzeit geschlafen habe. "Man könnte mehr oder weniger sagen, dass Pawel A. alles gemacht hat", sagt der 42 Jahre alte Mitgefangene vor Gericht aus.

"Er hat das nicht gewollt"

Gleichzeitig entlastet der Zeuge Adam K. in einigen Punkten und gibt an, dass dieser ihm in der Haft "emotional angeschlagen und mitgenommen" erschien. "Ich glaube, er hat das nicht gewollt", so der Mithäftling. Die Frage eines Richters, ob sich der Zeuge von seiner Aussage Straferleichterungen erhoffe, verneint er. Stattdessen habe er es als moralische Pflicht angesehen, aus seiner Sicht über die Geschehnisse zu berichten.

Während seiner Aussage ist immer wieder ein Schnaufen von der Anklagebank zu hören. Pawel A. schaut den Zeugen verächtlich an und schüttelt den Kopf, als dieser von Moral spricht. Er trägt an diesem Verhandlungstag eine olivgrüne Bomberjacke und starrt mit aggressivem Blick in Richtung des Zeugen. Sein Mitangeklagter guckt mit gerötetem Gesicht ins Leere.

Dass allein Pawel A. am Tod von Reeves schuld sein soll, bezweifelt Johannes Daners allerdings. Der Jurist vertritt im Prozess die Interessen von Reeves drei Geschwistern, die als Nebenkläger auftreten. "Ein Einzeltäter ist laut Spurenlage höchst unwahrscheinlich", sagt er n-tv.de. Zudem sieht er das vom Zeugen angegebene Motiv "Habgier" nicht als einzigen Beweggrund für die mutmaßliche Tat. "Habgier ist nur ein weiteres mögliches Motiv." Vor allem sei aber Homophobie der Anlass für die mutmaßlichen Täter gewesen, Reeves zu töten.

Adam K. und Pawel A. sollen zur Tatzeit unter Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden haben. Möglicherweise waren sie vor der mutmaßlichen Tat mit Reeves feiern. Der Drogenkonsum könnte sich auf ein Urteil auswirken. In drei Wochen soll ein Sachverständiger anhand eines Videos klären, ob die Angeklagten zur Tatzeit unzurechnungsfähig waren. Die Richter entscheiden den Fall voraussichtlich am 1. Dezember.

Quelle: n-tv.de

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