Panorama

"Alptraum aller Eltern" Zug überrollt Kinder-Transporter

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Der Unglückszug an der Unfallstelle: Die Unfallursache ist noch vollkommen unklar.

(Foto: REUTERS)

Ein tödlicher Unfall mit einem elektrisch angetriebenen Lastenrad löst in den Niederlanden Trauer und Entsetzen aus: An einem Bahnübergang bei Nimwegen kann die Fahrerin eines sogenannten "Stint" nicht mehr rechtzeitig anhalten. Mehrere Kinder sterben.

Vier Kinder sind in den Niederlanden beim Zusammenstoß ihres Lastentransporters mit einem Regionalzug ums Leben gekommen. Ein weiteres Kind und ein Erwachsener seien lebensgefährlich verletzt worden, teilte die Polizei in Oss mit. Die Gemeinde liegt rund 30 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt bei Nijmegen (Nimwegen) in der Provinz Nordbrabant. Bei den minderjährigen Unfallopfern handelt es sich um Kinder im Grundschulalter.

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Beschrankter Bahnübergang: Die Ermittlungen dauern an.

(Foto: REUTERS)

Das elektrisch angetriebene Transportgefährt war unter bislang ungeklärten Umständen am Morgen gegen 8.30 Uhr durch die geschlossene Schranke an einem Bahnübergang gefahren. Dabei wurde das Fahrzeug von dem Regionalzug erfasst. Der genaue Unfallhergang liegt noch im Dunkeln. Ermittler der niederländischen Polizei nahmen die Arbeit auf.

Die Kinder befanden sich ersten Erkenntnissen zufolge auf dem Weg zur Schule, wie ein Polizeisprecher erklärte. Die Mitarbeiterin einer Kindertagesstätte sollte sie mit dem Elektro-Gefährt dorthin bringen. Es gibt Hinweise, dass bei dem Fahrzeug die Bremsen versagt haben könnten. Augenzeugen des Unglücks berichteten im niederländischen Radio, die Fahrerin habe kurz vor dem Zusammenstoß noch gerufen, dass sie nicht mehr anhalten könne.

Ministerpräsident Mark Rutte reagierte schockiert. Auch das niederländische Königspaar zeigte sich tief betroffen und entsetzt. "Unsere Gedanken sind bei allen Familien, die ihre Kinder durch ein schreckliches Unglück in Oss verloren haben", sagte Königin Máxima.

"Ein unglaublich schwerer Schlag"

Der Lastentransporter vom Typ "Stint" wird von vielen niederländischen Kindertagesstätten genutzt. Bei dem Fahrzeug, das eher einem Segway mit Ladefläche als einem klassischen "Bakfiets"-Lastenrad gleicht, handelt es sich um eine Eigenentwicklung des niederländischen Herstellers Stintum. Der Fahrer steht dabei während der Fahrt hinter einer Art großer Kiste, in der bis zu zehn Kinder sitzen können.

"Das ist der schlimmste Alptraum aller Eltern", zitierte "Omroep Brabant" den Gründer des Unternehmens, Edwin Renzen, in einer ersten Reaktion. "Das ist ein unglaublich schwerer Schlag, es ist schrecklich." Die leichten E-Transporter sind in den Niederlanden offiziell für den Straßenverkehr zugelassen. Nach niederländischem Recht gelten sie als "Spezialmoped".

Die Modelle wurden ursprünglich speziell für den Einsatz in Kindertagesstätten entwickelt. Mittlerweile gibt es auch Versionen für Kommunalbetriebe und die Stadtlogistik. "Stints" sind in den Niederlanden weit verbreitet. Seit der Markteinführung vor gut sieben Jahren wurden nach Unternehmensangaben bereits mehr als 3000 "Stints" ausgeliefert. Fahrerlaubnisse gibt es nach einer kurzen Einführung ab 16 Jahren. Helme, Führerschein oder Nummernschild sind nicht erforderlich.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa