Panorama

Missbrauch in Bergisch Gladbach Zwei Angeklagte müssen lange ins Gefängnis

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Mit dem Rollstuhl zur Urteilsverkündung: Das Gericht verhängt hohe Haftstrafen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach vier Monaten Verhandlung fällt ein Urteil gegen zwei Angeklagte im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach. Die Richter verhängen hohe Haftstrafen und bleiben nur knapp unter der Höchststrafe von 15 Jahren.

Im bislang längsten Prozess um den Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach hat das Mönchengladbacher Landgericht zwei Männer zu hohen Haftstrafen verurteilt. Nach mehr als viermonatiger Verhandlungsdauer verhängte die Strafkammer gegen die Angeklagten Freiheitsstrafen von dreizehneinhalb und vierzehneinhalb Jahren, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Das Gericht sprach die vom Niederrhein stammenden Männer - aus Krefeld und aus Viersen - unter anderem schuldig wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und der Verbreitung von Kinderpornografie.

Die Kammer blieb damit nur knapp unter Höchststrafe für solche Delikte, die 15 Jahre beträgt. Die beiden Angeklagten sollen die Taten teils gemeinschaftlich begangen haben. Bei den Opfern soll es sich um die Tochter eines der Angeklagten und die Nichte des Mitangeklagten gehandelt haben.

Der Krefelder hatte in dem Verfahren gestanden, zunächst seine heute elfjährige Tochter schwer sexuell missbraucht zu haben. Nach eigenen Angaben missbrauchte er zudem vom Frühjahr 2017 gemeinsam mit dem Viersener dessen mittlerweile zwölfjährige Nichte. Der 39-Jährige aus Viersen gestand, seit 2015 seine Nichte missbraucht zu haben. Er räumte aber nur ein Drittel der angeklagten Fälle ein. Zum Vorwurf des gemeinschaftlichen Missbrauchs schwieg er.

Die Verteidiger der beiden, die deutlich geringere Strafen gefordert hatten, kündigten an, das Urteil anfechten zu wollen.

Mädchen mussten nicht vor Gericht aussagen

Insgesamt waren mehr als 100 Missbrauchsfälle angeklagt worden. Einige wurden eingestellt, weil sie nur mithilfe der Opfer hätten aufgeklärt werden können. Das aber, so Richter Lothar Beckers, "wollten wir den Mädchen ersparen". Der Angeklagte aus Krefeld hatte durch sein umfassendes Geständnis schon dafür gesorgt, dass die beiden Opfer nicht vor Gericht aussagen mussten. "Es tut mir leid, was ich getan habe", hatte der Vater erklärt.

Die beiden Männer hatten ihre Taten aufgezeichnet und fotografiert. In beiden Fällen ahnten die Mütter nichts vom Martyrium ihrer Töchter. Der Krefelder lebte getrennt von der Kindsmutter und missbrauchte das Mädchen, wenn es zu Besuch kam. Dem Viersener hatte die Schwester die kleine Tochter regelmäßig anvertraut. Die Ermittlungen zu dem Missbrauchskomplex waren mit einer Durchsuchung bei einem Familienvater in Bergisch Gladbach ins Rollen gekommen. Ermittler fanden damals viele digitale Kontakte zu anderen Verdächtigen, denen sie Missbrauch von Kindern vorwerfen.

Netzwerk mit inzwischen 200 Tatverdächtigen

Beim Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach geht es inzwischen um ein bundesweit verzweigtes Netzwerk von Pädokriminellen, die Kinder missbrauchten beziehungsweise untereinander kinderpornografisches Material tauschten. Das Netzwerk wurde vor knapp einem Jahr bei Ermittlungen gegen einen Mann aus Bergisch Gladbach bei Köln entdeckt, der sich derzeit vor dem Kölner Landgericht verantworten muss. Nach Angaben der Ermittler sind inzwischen bundesweit mehr als 200 Tatverdächtige namentlich identifiziert.

Die seit dem 29. April in Mönchengladbach verhandelten Missbrauchstaten waren seinerzeit die ersten aus dem Komplex Bergisch Gladbach, die ein Gericht beschäftigten. Kurz darauf begann ein zweiter Prozess vor dem Landgericht Kleve gegen einen Bundeswehrsoldaten, der bereits Ende Mai zu zehn Jahren Haft verurteilt und in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Weitere Prozesse und Anklagen in dem Ermittlungskomplex folgten. Vor dem Kölner Landgericht soll bereits in der kommenden Woche das nächste Verfahren beginnen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa