Politik

"Das ist meine Antwort"Selenskyj rechnet trotz Trump-Spannungen mit baldigem US-Treffen

16.10.2026, 17:43 Uhr
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In Brüssel wehrt sich Wolodymyr Selenskyj gegen Trumps Kritik. (Foto: picture alliance/dpa)

Am Rande des EU-Gipfels wehrt sich der ukrainische Präsident gegen Vorwürfe aus dem Weißen Haus. Sein Volk werde getötet, die Luftabwehr aber bleibe aus. Eine Frage zu den US-Midterms beantwortet er nur mit einem Lächeln.

Ungeachtet des aktuellen Streits mit Donald Trump geht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in den nächsten Tagen von einem Treffen beider Länder aus. "Wir führen Gespräche mit dem amerikanischen Verhandlungsteam. Ich weiß, dass unser Team in ständigem Kontakt mit ihnen steht", sagte Selenskyj am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Auf welcher Ebene das Treffen stattfinde und ob er auf Trump treffen werde, verriet er nicht.

"Ist es schwieriger, mit mir umzugehen als mit Putin? Nun, mir fällt es leichter, mit ihm umzugehen als mit Putin", konterte Selenskyj mit Blick auf Trumps Kritik. Der ukrainische Präsident habe mehrere Treffen mit Trump gehabt "und immer Themen gefunden, über die man diskutieren und entscheiden" könne. Aber er stehe alleine für die ukrainischen Interessen. "Wir werden angegriffen, wir werden besetzt, unsere Menschen werden umgebracht", sagte Selenskyj.

Ob Trump ihn vor den Midterm-Wahlen zum Sündenbock für den US-Krieg gegen Iran und die hohen Spritpreise machen wolle, beantwortete Selenskyj lediglich mit einem Lächeln und dem Satz: "Das ist meine Antwort". Selenskyj und Trump sind in den vergangenen Jahren immer wieder - auch öffentlich - aneinandergeraten. In Brüssel betonte der ukrainische Präsident, dass er nicht vorab über Trumps Diesel-Deal mit Wladimir Putin sowie die Aussetzung von Sanktionen informiert worden sei.

Von den europäischen Staats- und Regierungschefs, an deren Beratungen Selenskyj zuvor in Brüssel teilgenommen hatte, habe er "Unterstützung und nur Unterstützung" erhalten. Sie verstünden die ukrainische Position, sagte Selenskyj. Das sei eine "klare, eindeutige und vollkommen berechtigte Haltung". Bei dem EU-Gipfel in Brüssel steht unter anderem die finanzielle Unterstützung der Ukraine für die Jahre 2026 und 2027 auf der Agenda.

Lücke von 70 Milliarden Euro

In einer Rede vor den Staats- und Regierungschefs, die Selenskyj bei X postete, forderte er 70 Milliarden Euro mehr von der EU für das nächste Jahr "für die Verteidigung, für Waffen und für unsere Widerstandsfähigkeit". Der ukrainische Finanzminister Serhij Martschenko hatte den zusätzlichen Finanzbedarf der Ukraine bereits im September bei einem Besuch in Brüssel erläutert. Er erklärte, im regulären Haushalt seines Landes fehlten für nächstes Jahr 32,6 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 29,1 Milliarden Euro). Die Lücke für die Verteidigungsausgaben bezifferte er auf 45 Milliarden US-Dollar.

Mit Blick auf die vorübergehende Drosselung des militärisch genutzten Satelliteninternets in der Ukraine zeigte sich Selenskyj optimistisch, dass diese wieder aufgehoben werde. Sein Verteidigungsministerium stehe in Kontakt mit der US-Seite. "Meine Partner haben mir mitgeteilt, dass es Anzeichen aus dem Weißen Haus gibt, dass diese Kapazitäten wiederhergestellt werden sollen", sagte der Präsident.

Quelle: ntv.de, bho/dpa/AFP

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