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Abschiebung nach Kabul 31 Afghanen müssen Deutschland verlassen

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Mehr als die Hälfte der nach Kabul abgeschobenen Asylbewerber waren Straftäter.

(Foto: picture alliance/dpa)

Trotz der unsicheren Lage in Afghanistan werden abgelehnte Asylbewerber aus Deutschland nach Kabul abgeschoben. Nun wird wieder eine solche Sammelabschiebung durchgeführt. Gegen die Maßnahme formiert sich im Vorfeld Widerstand.

Ungeachtet anhaltender Gewalt in Afghanistan ist ein weiterer Abschiebeflug aus Deutschland in Kabul eingetroffen. 31 Männer waren laut Behörden an Bord des Fluges aus Frankfurt am Main. Es war die 27. Sammelabschiebung aus Deutschland seit dem ersten Flug im Dezember 2016. Damit sind insgesamt 676 Männer nach Afghanistan zurückgeführt worden.

Die Abgeschobenen kamen aus neun Bundesländern. Wie schon in der Vergangenheit war Bayern mit 15 Abgeschobenen besonders stark vertreten. 17 der Abgeschobenen waren Straftäter, darunter ein Gefährder. Gegen die Sammelabschiebung hatten zuvor am Terminal 1 des Flughafens Frankfurt etwa 50 Menschen friedlich demonstriert. Zu dem Protest hatte eine afghanische Flüchtlingsinitiative aufgerufen. Abschiebungen nach Afghanistan sind umstritten. Kritiker weisen darauf hin, dass die Sicherheitslage weiter angespannt ist. Der Krieg gegen die radikalislamischen Taliban und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fordert täglich Opfer.

In der Nacht zu Mittwoch kamen in der westlichen Provinz Herat mindestens 14 Sicherheitskräfte ums Leben. Mindestens neun seien verwundet worden, als Taliban-Kämpfer einen Kontrollposten überfielen, sagten lokale Behördenvertreter. Die Gefechte hätten mehr als sechs Stunden angedauert.

Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan stark gestiegen

Am Mittwochmorgen wurden zudem zwei Polizistinnen in der südlichen Provinzhauptstadt Kandahar getötet. Unbekannte hätten das Feuer auf die Frauen eröffnet, als diese auf dem Weg zur Arbeit waren, sagte der Sprecher des Provinzgouverneurs, Bahir Ahmadi. Zuletzt war die Zahl der zivilen Opfer wieder signifikant gestiegen. Im Juli wurden nach UN-Angaben mehr als 1500 Zivilisten verwundet oder getötet. Dies sei die höchste Monatszahl seit Mai 2017. Somit wurden allein im Juli fast halb so viele zivile Opfer verzeichnet wie im gesamten ersten Halbjahr 2019.

Die USA verhandeln mit den Taliban über eine politische Lösung des fast 18 Jahre andauernden Konfliktes und über einen Abzug von US-Truppen. "Wir stehen kurz vor einer Einigung", schrieb der Sprecher des politischen Büros der Taliban, Sohail Schahin, auf Twitter. Die mittlerweile neunte Gesprächsrunde im Golfemirat Katar, wo die Taliban ein halboffizielles politisches Büro betreiben, hatte vergangenen Donnerstag begonnen. Eine Einigung soll innerafghanische Friedensgespräche in die Wege leiten.

Quelle: n-tv.de, tro/dpa

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