Politik

Groß-Demo in Berlin geplant 6000 Migranten in neuem Lesbos-Lager

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Das neue Übergangslager auf Lesbos aus der Luft gesehen.

(Foto: AP)

Der Brand des Flüchtlingslagers Moria auf Lesbos macht Tausende Migranten obdachlos. Noch immer zögern viele, die neue, eilig errichtete Ersatzeinrichtung zu betreten. In Deutschland erleiden derweil jene Bundesländer eine Schlappe, die mehr Flüchtlinge aufnehmen wollen.

Knapp die Hälfte der rund 13.000 Bewohner des abgebrannten Flüchtlingslagers Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist inzwischen in dem eilig errichteten Übergangslager untergebracht worden. 6000 Menschen hätten das Lager mittlerweile betreten, sagte ein Sprecher des griechischen Migrationsministeriums. Laut Gesundheitsbehörde wurden 187 von ihnen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet.

Nach den Bränden im Lager Moria in der vergangenen Woche schliefen Tausende Flüchtlinge auf Lesbos am Straßenrand und auf Supermarktplätzen unter notdürftig errichteten Schutzdächern aus Zweigen oder in Campingzelten. Die griechischen Behörden begannen am Samstag mit UN-Unterstützung mit der Errichtung eines neuen Lagers. Dort sollen nach Behördenangaben auch die Asylverfahren für die Migranten wieder aufgenommen werden.

Tausende zelten auf neuem Gelände

Viele Flüchtlinge weigerten sich aber, in das Camp zu gehen, weil sie fürchten, dort erneut monatelang festzusitzen. Polizisten waren ab Donnerstagmorgen von Schlafplatz zu Schlafplatz gegangen, um die campierenden, obdachlosen Menschen zu wecken und sie in das Notcamp zu bringen. Auf dem neuen Gelände wurden tausend Zelte errichtet, die jeweils Platz für acht bis zehn Menschen bieten. Medizinische Versorgungsstationen sollen noch hinzukommen, zudem sind zwei Quarantänezonen geplant. Alle Ankömmlinge werden nach Behördenangaben einem Corona-Test unterzogen.

Viele Einwohner von Lesbos wehren sich gegen das neue Lager und fordern, dass die Flüchtlinge nach den jahrelangen, katastrophalen Zuständen im Lager Moria nun andernorts untergebracht werden müssten. Die Überreste von Moria wurden am Freitag von Baggern abgerissen, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Pro Asyl plant große Demo in Berlin

Die Hilfsorganisation Pro Asyl rief angesichts der Brände in Moria für Sonntag zu Demonstrationen in mehreren Städten auf. "Es darf kein Moria 2.0, keine Hotspots unter europäischer Flagge geben", erklärte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt. Er bezog sich auf Pläne, auf der Insel Lesbos ein neues, von der EU mitverwaltetes Lager aufzubauen.

Neben einer Großdemonstration in Berlin soll es auch Versammlungen etwa in München und Köln geben. Zu den Demonstrationen ruft Pro Asyl als Teil eines breiten Bündnisses auf, zu dem auch die Organisation Seebrücke sowie Fridays for Future gehören. Die Initiativen fordern die Bundesregierung zur Aufnahme aller Flüchtlinge aus dem Lager Moria auf. Alle Flüchtlingslager in Griechenland sollen ihrer Auffassung nach sofort geräumt werden. Die Asylpolitik der Bundesregierung und der Europäischen Union kritisierten sie scharf.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP