Politik
Nach-Amtsinhaber Barack Obama - zunächst allein auf der Bühne.
Nach-Amtsinhaber Barack Obama - zunächst allein auf der Bühne.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 28. Juli 2016

Demokraten verhöhnen Trump: Aber wo ist eigentlich Hillary?

Von Christoph Herwartz, Philadelphia

Wie kein anderer schafft es US-Präsident Obama, seine Partei zu einen. Seine Demokraten schütteln ihre Probleme für einen Abend lang ab. Hillary Clinton ist lange nicht zu sehen. Für ihren Rivalen Trump gibt es Spott.

Zu den absurdesten Eigenheiten der Parteitage in den USA gehört, dass die eine Person, um die sich alles dreht, nicht anwesend ist. Oder besser gesagt: Man weiß nicht, ob sie anwesend ist. Bill Clinton sitzt umrahmt von Freunden auf der Empore der Halle in Philadelphia, in der am Dienstag seine Frau zur Präsidentschaftskandidatin der Demokraten gekürt worden war und wo sie dieses Votum in der Nacht zu Freitag offiziell annehmen wird. Schaut sie hinter den Kulissen zu? Ist sie im Hotel?

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Oder verfolgt sie gar von zu Hause aus, wie Leon Panetta mit ernster Miene vor die Delegierten tritt? Panetta war CIA-Chef und Verteidigungsminister. "Wir können uns keinen sprunghaften Finger an unseren Atomwaffen leisten", sagt er. "Die Männer und Frauen, die für Amerika kämpfen und bereit sind, für das Land zu sterben, brauchen einen Oberbefehlshaber, dem sie vertrauen können. Es gibt nur eine Wahl: Hillary Clinton."

Nach der Convention der Republikaner vergangene Woche in Cleveland sind die Umfragewerte für Donald Trump nach oben geschnellt. Clintons Gegenkandidat liegt nun vor Clinton. Nicht nur Panetta macht sich deswegen Sorgen. Michael Bloomberg, der einst auf einem Republikaner-Ticket Bürgermeister von New York wurde, wirbt mit Verve für Clinton.

Vor allem aber geht es darum, ein positives Bild des Landes zu zeichnen und so der pessimistischen Vision der Trump-Kampagne etwas entgegen zu setzen. Der Wahlkampf ist scharf und persönlich. Bislang hat sich die positive Bilanz der amtierenden Regierung kaum auf die demokratische Kandidatin übertragen.

Johlende Trump-Gegner

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Joe Biden sagt, dass er optimistischer auf das Land blickt als zu der Zeit, als er mit 24 Jahren Politiker wurde. Trump habe schlicht keine Ahnung, "not a clue", wovon er rede. "Not a clue" nimmt das Publikum freudig als Sprechchor auf. Biden redet sich in Rage. Trump kümmere sich um die Mittelschicht? Dies sei völliger Unsinn, ein "bunch of malarkey". Das Publikum johlt, Kommentatoren schreiben von dem "M-Wort".

Vizepräsidentschaftskandidat Tim Kaine liefert eine treffsichere, gut gelaunte Rede ab. Seine Schwiegereltern seien Republikaner, wählten nun aber Demokraten, weil sich ihre Partei durch die Nominierung Trumps zu sehr von der Abraham Lincolns entfernt habe. Diesen äfft Kain genüsslich nach. Bei allem, was Trump verspreche, sage er nicht, wie er es umsetzen wolle. "Believe me", sage der Republikaner dann immer. Er werde den IS besiegen: "Believe me." Und Mexiko für eine Grenzmauer bezahlen lassen: "Believe me." Und seine Steuererklärung zeige keine Auffälligkeiten: "Believe me."

Kam ganz am Ende dazu: Hillary Clinton
Kam ganz am Ende dazu: Hillary Clinton(Foto: REUTERS)

Immer wieder kommt Bernie Sanders zur Sprache, der gegen alle Vorhersagen eine aussichtsreiche Bewerbungskampagne geführt hatte, um selbst Präsident zu werden und jetzt Clinton unterstützt. Dann fangen ihn die Kameras ein und Sanders winkt freundlich. Die Störungen des Parteitags sind verklungen, auch wenn draußen in der Stadt noch einige Sanders-Fans protestieren und ankündigen, gar nicht zu wählen. Umfragen haben ergeben, dass sie eine Minderheit sind. "We should all feel the bern", ruft Kain. "Feel the bern" war ein Slogan der Sanders-Kampagne.

Obama umwirbt Sanders' Anhänger

Am weitesten breitet Barack Obama seine Arme aus, um die Sanders-Anhänger zu vereinnahmen. Obamas Rede bildet den Abschluss des dritten Abends der Convention, bei dem die Probleme, die geleakten E-Mails und die schlechten Umfragewerte, keine große Rolle spielen. Die Stimmung ist schon ausgelassen, als Obama auf die Bühne kommt und dann mit frenetischem Jubel empfangen wird.

Obama ist wahrscheinlich der einzige Politiker, der auf der Bühne über seine eigenen Witze lachen und dabei noch cool wirken kann. Er muss nur mit einem Schmunzeln die Position seiner Gegner wiedergeben, um sie vollends absurd erscheinen zu lassen. "Wir wollen niemanden, der über uns bestimmt", sagt er mit Blick auf Trump. "Wir glauben daran, dass wir alle gleich sind." Als Amerikaner schaue man nicht darauf, was ein anderer für einen tun könne, sondern "was wir gemeinsam erreichen können".

Die Sanders-Anhänger lädt Obama nicht nur ein, sich weiter in der Partei zu engagieren. Er bezeichnet ihr Engagement und ihr Durchhaltevermögen als vorbildlich. Und er stellt in Aussicht, dass er die Bewegung unterstützen würde, wenn sie sich in den kommenden Jahren um andere politische Ämter wie Parlamentssitze oder Bürgermeisterposten bemühen sollte. Der Jubel in der Halle ist lauter als bei allen Rednern zuvor.

Dann wird Obama persönlich. Es geht auf das Ende seiner Präsidentschaft zu. Was ihm in schwierigen Situationen Halt gegeben habe, sei immer die Unterstützung durch das amerikanische Volk gewesen. "Nun bitte ich euch, das gleiche für Hillary Clinton zu tun."

Applaus brandet auf, Obama geht auf der Bühne hin und her, bedankt sich. Dann kommt, überraschend für alle, Hillary Clinton aus dem Hintergrund. Obama nimmt sie lange in die Arme.

Quelle: n-tv.de