Politik

Gefährliche Konfrontation Drohnen-Absturz befeuert Angst vor Eskalation mit Kreml

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Hier zeigen sie nur, was sie können: Zwei russische Su-27 in der Nähe von Moskau im Jahr 2015.

(Foto: REUTERS)

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Die erste direkte militärische Konfrontation zwischen den USA und Russland seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine weckt die Sorgen vor einer weiteren Eskalation. Eine unbemannte US-Militärdrohne war nach Angaben des US-Militärs am Dienstag in internationalem Luftraum über dem Schwarzen Meer mit einem russischen Kampfjet zusammengestoßen. Moskau und Washington machten danach gegensätzliche Angaben, wie es zu dem Zwischenfall kam. Strittig ist dabei unter anderem, ob der Zusammenstoß in internationalem Luftraum geschah. Washington unterstützt die Ukraine unter anderem mit Waffen und Aufklärung.

Was sagt die US-Regierung zu dem Zwischenfall?

Vom US-Militär hieß es, zwei russische Kampfjets hätten 75 nautische Meilen (rund 139 Kilometer) südwestlich der von Russland besetzten Krim-Halbinsel ein Abfangmanöver mit einer Drohne vom Typ MQ-9 ausgeführt. Diese sei im internationalen Luftraum über dem Schwarzen Meer geflogen. Einer der Kampfjets habe dabei den Propeller der US-Drohne getroffen. Diese sei danach nicht mehr manövrierfähig gewesen. US-Kräfte hätten sie deshalb vom Himmel holen und ins Meer stürzen lassen müssen. Durch den Crash habe man die Drohne komplett verloren.

Was sagt Russland?

Moskau widerspricht den US-Darstellungen. Russlands Verteidigungsministerium wies jede Verantwortung für den Absturz von sich. "Die russischen Kampfflugzeuge haben keine Bordwaffen eingesetzt, sind nicht in Kontakt mit dem unbemannten Flugapparat geraten und kehrten sicher zu ihrem Heimatflughafen zurück", hieß es in einer von der Staatsagentur TASS verbreiteten Mitteilung. Jets vom Typ Su-27 der Luftwaffe seien aufgestiegen, um einen unbekannten Eindringling über dem Schwarzen Meer zu identifizieren. Der Bordfunk sei ausgeschaltet gewesen und die Drohne habe Kurs auf die russische Grenze genommen, hieß es. Bei einem scharfen Ausweichmanöver habe sie rapide an Höhe verloren und sei abgestürzt.

Der russische Botschafter in Washington, Anatoli Antonow, warf den USA vor, Geheimdienstinformationen zu sammeln, "die später vom Kiewer Regime genutzt werden, um unsere Streitkräfte und unser Territorium anzugreifen". Russland hatte zu Beginn des Kriegs im Schwarzen Meer einseitig neue Sperrzonen festgelegt und nach eigenen Angaben auch die internationale Gemeinschaft darüber informiert.

Warum sticht dieses russische Abfangmanöver heraus?

Abfangmanöver haben nicht unbedingt zum Ziel, ein Flugzeug abzudrängen oder zur Landung zu zwingen, sondern dienen oft dazu, etwa durch Sichtkontakt festzustellen, ob von einem verdächtigen Fluggerät eine Gefahr ausgeht. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby, sagte, solche Abfangmanöver seien nicht ungewöhnlich. Dieser Fall steche allerdings heraus durch das unsichere und unprofessionelle Vorgehen der russischen Seite.

Es sei das erste Mal, dass russische und US-Militärflugzeuge in direkten physischen Kontakt geraten seien, seit Russland vor etwas mehr als einem Jahr die Invasion der Ukraine begonnen habe, so der Sender CNN und andere US-Medien. Der Zwischenfall werde wahrscheinlich die Spannungen zwischen den beiden Nationen verschärfen.

Wie geht es weiter?

Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby, sagte, die US-Regierung erwäge, Bildmaterial zu veröffentlichen, um für Aufklärung zu sorgen. Kirby warnte, ein derart unangemessenes Vorgehen russischer Piloten könnte zu "Fehleinschätzungen" zwischen den Streitkräften beider Länder führen. Mit Blick auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine sagte er: "Wir wollen nicht, dass dieser Krieg über das hinaus eskaliert, was er dem ukrainischen Volk bereits angetan hat."

Was wissen wir über die Drohne?

Die MQ-9-Drohne wird in erster Linie zur Aufklärung genutzt, kann aber auch Präzisionsangriffe durchführen. Sie wird aus der Ferne gesteuert. Das Pentagon wollte keine genaueren Angaben dazu machen, was genau die Mission der Drohne in diesem Fall gewesen und ob sie bewaffnet gewesen sei oder nicht. Zu einer möglichen Bergung des Fluggeräts äußerte sich das Pentagon nicht. Kirby sagte lediglich, die USA hätten Vorkehrungen getroffen, damit die Drohne nicht in fremde Hände gerate. Die USA haben nach Angaben von US-Medien seit Kriegsbeginn keine Kriegsschiffe mehr im Schwarzen Meer.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa

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