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"Dreist und verlogen" AfD-Chefin Petry empört deutsche Juden

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AfD-Parteichefin Frauke Petry distanziert sich einmal mehr von Björn Höcke.

(Foto: REUTERS)

Mit ihrer Äußerung, die AfD sei ein "politischer Garant jüdischen Lebens" in Deutschland bringt Parteichefin Frauke Petry die jüdische Gemeinde gegen sich auf. Holocaust-Zeitzeugin Charlotte Knobloch wirft ihr vor, die Angst vor Antisemitismus zu missbrauchen.

AfD-Chefin Frauke Petry hat heftige Kritik mit der Aussage hervorgerufen, ihre Partei sei ein "Garant jüdischen Lebens" in Deutschland. Die AfD stehe vielmehr für "Holocaustrelativierung oder gar -leugnung sowie offene Nähe zur Neonaziszene", erklärte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch. Der Vorsitzende der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, Volker Beck (Grüne), warf Petry "politische Scharlatanerie" vor.

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Charlotte Knobloch war von 2006 bis 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden.

(Foto: picture alliance / Sven Hoppe/dp)

Die AfD sei für jüdische Menschen in Deutschland "nicht wählbar", wies Knobloch die Avancen der AfD zurück. "Es ist an Dreistigkeit und Verlogenheit kaum zu übertreffen, wie die AfD die berechtigten Sorgen jüdischer Menschen vor Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland für ihre Zwecke missbraucht." Diese Sorgen seien zwar berechtigt, doch sei dieser Antisemitismus nicht erst durch die aktuelle Zuwanderung importiert worden, sondern "wuchert bereits seit langem in der muslimischen Gemeinschaft hierzulande".

Petry hatte sich zuvor gegen Kritik des Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses verwahrt, der ihre Partei als "Schande für Deutschland" bezeichnet hatte. Die AfD sei "einer der wenigen politischen Garanten jüdischen Lebens auch in Zeiten illegaler antisemitischer Migration nach Deutschland", sagte Petry der "Welt" in Anspielung auf die Zuwanderung von Muslimen. "Die AfD weist immer wieder auf die Gefahren solcher Entwicklungen hin, die sich durch den massenhaften illegalen Zuzug in den vergangenen Jahren noch verstärkt haben."

Petry verweist auf Ausschlussverfahren

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WJC-Chef Ronald Lauder hält nichts von der AfD.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald Lauder, hatte die AfD vor einigen Tagen scharf kritisiert: "Diese Partei hat keinen Platz in Deutschland. Ich hoffe, dass sie bald von der politischen Bühne verschwindet", erklärte er unter anderem mit Blick auf den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke. Dieser hatte in einem Interview des "Wall Street Journal" die Aussage infrage gestellt, Adolf Hitler sei das "absolute Böse" gewesen. Mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin hatte Höcke von einem "Denkmal der Schande" gesprochen.

Petry wies darauf hin, dass gegen Höcke ein Parteiausschlussverfahren angestrengt werde. Bereits in der Vergangenheit hatte sie ich mehrfach von Höcke wegen umstrittener Äußerungen distanziert. "Es gehört für die AfD zum politischen Selbstverständnis, an die Grauen des Holocaust zu erinnern", sagte sie. "Dies allein an dem gesellschaftlich umstrittenen Berliner Holocaust-Denkmal festzumachen, greift jedoch zu kurz."

Ringen um AfD-Spitzenkandidatur

Die Parteichefin hatte nach internen Diskussionen um die Spitzenkandidatur für den Bundestag in den vergangenen Wochen mehrfach betont, sie wolle mit einer geschlossenen Partei in den Wahlkampf ziehen. Vor wenigen Tagen löste Petry jedoch mit einem Interview Spekulationen über einen Rückzug aus der Politik aus. Seit Monaten tobt bei den Rechtspopulisten ein interner Machtkampf zwischen dem rechten Flügel der Partei, zu dem auch Höcke zählt, und dem gemäßigter auftretenden Petry-Lager.

Weil sich innerhalb der AfD bisher kein Konsens über einen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl erzielen ließ, soll nun beim Bundesparteitag am 22. und 23. April über die Frage entschieden werden. Im Gespräch war zuletzt auch, statt der Kandidatur eines einzelnen Kandidaten ein Spitzenteam aufzustellen. Ein entsprechendes Angebot von Parteivize Alexander Gauland hatte Petry nach dessen Angaben aber abgelehnt.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/AFP

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