Politik

"Willkommen in Preußen"AfD-Jugend zelebriert in Magdeburg Pläne für "schönes" Deutschland

29.08.2026, 17:45 Uhr
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Jean-Pascal Hohm (l.) und Ulrich Siegmund sind siegesgewiss. (Foto: picture alliance/dpa)

Zwei gekreuzte Eichenblätter - unter diesem Logo kam die AfD-Nachwuchsorganisation Generation Deutschland (GD) zu ihrem ersten Bundeskongress seit der Gründung im vergangenen November zusammen. Natürlich war die Wahl des Tagungsortes kein Zufall: In Sachsen-Anhalt wird in einer Woche gewählt, und die AfD von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hofft auf eine Regierungsübernahme mit absoluter Mehrheit. Der Kongress erlaubte einen Einblick in die aktuelle Stimmungslage der AfD und den Stand ihrer Radikalisierung. Einige zentrale Erkenntnisse:

Erst Magdeburg - und dann die Macht im Bund?

Die guten Umfragewerte in Sachsen-Anhalt beflügeln die AfD. "Wir werden hier Geschichte schreiben", sagte Spitzenkandidat Siegmund in einer bejubelten Rede. Siegmund beschwor einen historischen Umbruch. Die Wahl in Sachsen-Anhalt sei "nur der erste Schritt" - das Ziel sei die Macht "in ganz Deutschland". Siegmund war der unbestrittene Star beim AfD-Nachwuchskongress: Sein Erfolg soll die Blaupause liefern für eine Zukunft, in der die in Teilen rechtsextreme AfD Regierungsverantwortung übernimmt und das Land nach ihren Vorstellungen umbaut.

Unter einer AfD-Landesregierung werde Magdeburg die "Stadt des Widerstands" in Deutschland werden - so drückte es GD-Bundesvorstandsmitglied Florian Ruß aus. Nach der Wahl werde "die Ideologie der Beliebigkeit an den Wällen dieser Stadt zerschellen." Ruß hatte die Eröffnungsrede beim GD-Kongress gehalten - und die Delegierten erst einmal mit einer geografischen Klarstellung begrüßt: "Willkommen im Osten, willkommen in Preußen."

Von Mäßigung keine Spur

Je derber die Rhetorik, desto größer der Jubel: Die fast ausnahmslos männlichen Redner in Magdeburg schimpften über "verkommene linke Zustände" in Deutschland, sie beschworen den Kampf gegen "Verfassungsfeinde", die nicht wüssten, "was gut ist und was deutsch ist", sie beklagten "LGBT-Propaganda" - und die Delegierten quittierten das mit starkem Beifall. Fast schon besonnen wirkte GD-Chef Jean-Pascal Hohm, der die Delegierten vor körperlichen Auseinandersetzungen im Wahlkampf warnte, um das "historische Projekt" der AfD-Machtübernahme nicht "für eine Prügelei mit der Antifa aufs Spiel zu setzen".

Für Kritik an der AfD-Bundesspitze sorgte auf dem Kongress der Umgang mit dem früheren GD-Vorstandsmitglied Kevin Dorow. Dieser war im Frühjahr von der Parteiführung mit einem zweijährigen Ämterverbot belegt worden, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen ihn eingeleitet hatte - wegen des Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen: Dorow hatte eine Parole der Hitlerjugend zitiert.

Der in Magdeburg zum Nachfolger gewählte Tim Demuth stellte sich ausdrücklich hinter Dorow und bekam dafür lang anhaltenden Applaus. Den Umgang mit Dorow kritisierte Demuth als "Unterdrückung jugendlicher Opposition".

Auf Begeisterung stieß die mit Schmähungen durchsetzte Rede von Sachsen-Anhalts AfD-Chef Martin Reichardt. Dieser bezeichnete den deutschen Staat als "stinkenden, faulen Assi, der sein Geld fürs Nichtstun von der Friedrich-Ebert-Stiftung bekommt, um regelmäßig mit seinen Freunden vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu saufen und die Internationale zu lallen". Reichardt befand zudem, Deutsch sei keine "Muttersprache" mehr, sondern zu einem "aufgedunsenen, intersektional-feministischen Flittchen" verkommen. Spitzenkandidat Siegmund dankte ihm für "die klaren, notwendigen Worte".

Kampfbegriff "Remigration"

Die Rhetorik in Magdeburg war klar völkisch geprägt. GD-Chef Hohm forderte die millionenfache Rückführung von zugewanderten Menschen. "Deutschland muss das Land der Deutschen bleiben, dieser Grundsatz ist nicht verhandelbar", sagte er. "Millionen sind gegen unseren Willen, gegen Recht und Gesetz, gegen jede Vernunft in dieses Land gekommen. Millionen müssen dieses Land wieder verlassen."

Der Begriff "Remigration" steht bei Rechtsextremisten für die massenhafte Ausweisung von Menschen mit Migrationshintergrund. Das Bundesamt für Verfassungsschutz wertet Remigration als Konzept, das "auf die Schaffung ethnisch definierter Gesellschaften und damit die Ausweisung aller 'Volksfremden' abstellt". Der AfD-Europaabgeordnete René Aust ging in Magdeburg so weit, "Remigration" auf gesamteuropäischer Ebene zu fordern: Nötig sei nicht nur "Remigration, sondern europaweite Remigration".

"Unser schönes Deutschland": Die AfD im Kampf gegen Hässlichkeit

Die AfD will ihrem Selbstverständnis nach in vielen Dingen anders sein und dabei hübscher aussehen als die politische Konkurrenz - auch das ist eine Erkenntnis des Magdeburger Kongresses. Die GD-Führung hatte die Delegierten angehalten, in "festlicher beziehungsweise Business-Kleidung" zu erscheinen - und viele hielten sich daran. Jeans? Fehlanzeige.

Der AfD-Politiker René Aust freute sich in seiner Rede über "so viele wunderschöne, gut gekleidete Menschen". Bei diesem Anblick wisse er "sofort, wie unser schönes Deutschland in der Zukunft aussehen soll: Deutschland soll ästhetisch sein, es soll schön sein". Die "schönsten Menschen", resümierte er, finde man "nicht im linken politischen Spektrum".

Im Visier des Verfassungsschutzes

Die Generation Deutschland war im vergangenen November gegründet worden - als Nachfolgerin der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA). Diese war im März 2025 aufgelöst worden, nachdem sie vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden war. Die Sicherheitsbehörden haben auch die neue Nachwuchsorganisation im Blick - das BfV geht nach eigenen Angaben von einer "programmatischen und personellen Kontinuität" zwischen der aufgelösten JA und der neuen Organisation aus.

Quelle: ntv.de, Peter Wütherich, AFP

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