Politik

Medizinische Notfälle an Bord "Alan Kurdi" darf nicht in Malta anlegen

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Die "Alan Kurdi" darf nicht in maltesische Hoheitsgewässer fahren (Archivbild).

(Foto: dpa)

Die italienischen Behörden wollten sie nicht haben, nun macht auch Malta dicht: Die unter deutscher Flagge fahrende "Alan Kurdi" darf nicht in die Hoheitsgewässer des EU-Staates fahren. An Bord gibt es Hoffnung auf eine Lösung. Drei Migranten dürfen an Land.

Maltesische Behörden haben dem Rettungsschiff "Alan Kurdi" mit Dutzenden Migranten an Bord untersagt, im Hafen der Insel anzulegen. "Sie haben keine Erlaubnis, in maltesische Hoheitsgewässer einzudringen", sagte ein Armeesprecher. Das Schiff der Organisation Sea-Eye hatte nach eigenen Angaben 65 Migranten in internationalen Gewässern vor Libyen von einem Schlauchboot gerettet. Darunter sind viele Minderjährige.

Am Sonntagmittag gab es mehrere medizinische Notfälle an Bord. Drei Personen befänden sich in akuter medizinischer Behandlung, twitterte Sea-Eye. "Alle drei sind in der Hitze kollabiert." Man benötige dringend medizinische Unterstützung und einen sicheren Hafen, hieß es weiter. Malta hat sich kurze Zeit später bereit erklärt, die drei Migranten an Land zu lassen. Das bestätigte ein Sprecher der Behörde. Zwei von ihnen seien Minderjährige.

Die maltesische Armee hatte am Vormittag mitgeteilt, das Schiff habe noch keine Notfallversorgung angefordert. "Wir haben derzeit ausreichend Trinkwasser und Nahrungsmittel an Bord", sagte Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler am Samstag n-tv.de. "In den nächsten zwei, drei Tagen besteht noch keine unmittelbare Notsituation. Danach wären wir aber auf externe Hilfe angewiesen", so Isler.

Die Organisation hat die Hoffnung auf eine schnelle Lösung nicht verloren: "Wir sind sicher, dass Malta uns einen sicheren Hafen bieten wird, sobald Deutschland und andere EU-Staaten anbieten, die Menschen aufzunehmen. Wir erwarten, dass Malta damit nicht allein gelassen wird", sagte Sea-Eye-Sprecherin Carlotta Weibl. Bereits am Freitag hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer angeboten, dass Deutschland einen Teil der Flüchtlinge aufnehmen könne. Einsatzleiter Isler sagte, er wünsche sich, dass die Bundesregierung "die vollständige Verantwortung übernimmt und uns schnell entlastet".

Die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley, kritisierte derweil die italienische Regierung scharf. Das Vorgehen von Italiens Innenminister Matteo Salvini sei "unmenschlich, unverantwortlich und beschämend", sagte die SPD-Politikerin der Funke Mediengruppe. Seenotrettung sei eine humanitäre Verpflichtung und nichts Kriminelles, so Barley. "Europa muss dringend legale Wege zur Einwanderung und Arbeitsmigration schaffen. Anders wird sich die Lage im Mittelmeer nicht unter Kontrolle bringen lassen", sagte sie weiter.

"Alex" fährt in Lampedusa ein

Wenn die Todesfälle im Mittelmeer aufhören sollen, dann dürfen Rettungsschiffe nicht wochenlang vor den Inseln liegen bleiben, sagte Weibl weiter. Es gebe keine medizinischen Notfälle an Bord. Die Menschen seien aber geschwächt, fügte sie hinzu.

Die "Alan Kurdi" - benannt nach dem dreijährigen syrischen Flüchtlingsjungen, dessen Leiche im Spätsommer 2015 an einem Strand in der Türkei angespült wurde - wollte zunächst im Hafen der italienischen Insel Lampedusa einlaufen. Es hatte aber stundenlang vergeblich auf die Erlaubnis der dortigen Behörden gewartet. Italiens Innenminister Salvini hatte dem Schiff verboten, dort in den Hafen einzulaufen.

Ein zweites Rettungsschiff, der Segler "Alex" der italienischen Organisation Mediterranea Saving Humans, fuhr am Samstag trotz Verbots in den Hafen von Lampedusa ein. An Bord waren 41 aus Seenot gerettete Menschen. Als Grund nannte der Kapitän laut Medienberichten die "unerträglichen hygienischen Bedingungen" auf dem Schiff.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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