Richtungsentscheidung im OstenAlle Daten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Lange Wahlnacht in Sachsen-Anhalt: Die AfD liegt in den Hochrechnungen mit großem Vorsprung vorn. Wird eine vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Partei künftig den Ministerpräsidenten stellen? Alle Daten zum Wahlausgang im Überblick.
Sachsen-Anhalt hat gewählt, die Auszählung der Stimmen dauert in der Nacht noch an: Rund 1,7 Millionen Stimmberechtigte waren am Sonntag, 6. September dazu aufgerufen, die Macht- und Mehrheitsverhältnisse im Landesparlament des ostdeutschen Flächenlands neu zu bestimmen. Klarer Gewinner der Wahl ist die AfD.
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund kann sich auf kräftige Stimmenzuwächse stützen: Die Rechten steigen in Sachsen-Anhalt zur neuen stärksten Kraft auf. Die CDU muss dagegen herbe Einbußen hinnehmen. Wie sehen die letzten Hochrechnungen zum Wahlausgang im Detail aus?
Hinweis: Die Daten und Infografiken zur Landtagswahl 2026 werden am Wahlabend laufend aktualisiert.
Die SPD, die Grünen und die Linkspartei sind neben AfD und CDU sicher im künftigen Landesparlament vertreten. Die FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) musste am Wahlabend lange um den Einzug in den Landtag bangen.
Sachsen-Anhalts amtierender Ministerpräsident Sven Schulze, Spitzenkandidat der CDU, räumte die Niederlage am frühen Sonntagabend ein. Die hohen Zugewinne der AfD wertete er als Ergebnis einer demokratischen Entscheidung. "Weil ich heute hier schon gehört habe, 'Es wäre jetzt ein schwarzer Tag für Sachsen-Anhalt': Das ist Demokratie", sagte Schulze am Wahlabend.
Sachsen-Anhalts CDU-Vorsitzender Schulze büßte bei der Landtagswahl nicht nur mit seiner Partei Stimmen ein. Der CDU-Politiker unterlag der AfD auch im eigenen Wahlkreis. Schulze, der erstmals bei einer Landtagswahl als Direktkandidat antrat, verlor im Wahlkreis Magdeburg III gegen den AfD-Kandidaten Christian Mertens.
In Interviews äußerte sich Schulze am Wahlabend selbstkritisch. "Wir werden uns morgen, wenn wir das endgültige Ergebnis haben, mit diesem Wahlergebnis auseinandersetzen", sagte Schulze. Auf die Frage, ob die "Brandmauer" der CDU im Umgang mit der AfD weiterhin bestehe, wollte er sich zunächst nicht festlegen. In Sachsen-Anhalt wird die AfD vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. "Wir haben Beschlüsse auf Bundesebene, aber wir haben eine Hochrechnung, die uns hart trifft. Deswegen müssen wir damit erst einmal umgehen."
AfD-Spitzenkandidat Siegmund versteht den Wahlausgang als klares Signal für seine Partei. Mit Blick auf das gute Abschneiden der AfD sagte er bei ntv: "Natürlich ist es ein Regierungsauftrag." Zugleich räumte er allerdings ein, dass er aktuell keine Partner für eine Koalition sehe. Laut Hochrechnungen reicht es nicht für eine Alleinregierung der AfD.
Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt
Die Linken stehen laut ihrer Fraktionschefin im Bundestag, Heidi Reichinnek, in Sachsen-Anhalt für Gespräche über eine Koalition jenseits der AfD zur Verfügung. "Wir haben immer ganz klar gesagt, dass wir bereit sind, mit allen demokratischen Kräften darüber zu sprechen, wie wir das Leben der Menschen verbessern und diese Demokratie verteidigen", sagte sie in der ARD.
Zugleich machte Reichinnek aber deutlich: "Wir werden keine AfD-Light-Politik mittragen." Der Ball liege bei der Union, die die Lage mit ihrer Politik mit verursacht habe. "Aber natürlich werden wir alles dafür tun, um die AfD von der Macht fernzuhalten. Da müssen aber noch ein paar mehr mitmachen."
Ergebnisse aus den Wahlkreisen
Hinweis: Der Auszählungsstand in den Wahlkreisen wird im Laufe des Wahlabends laufend aktualisiert.
Insbesondere der Bundesregierung und Kanzler Friedrich Merz ) machte Reichinnek Vorwürfe. "Die AfD wird ja nicht gewählt, weil sie so tolle Konzepte hätte. Die AfD wird vor allem gewählt, weil die Menschen frustriert und wütend sind", sagte sie. Daran habe die regierende Politik einen großen Anteil, sie sehe das auf Bundesebene. "Das Einzige, was von Kanzler Merz kommt, ist, dass die Menschen beschimpft werden."
Daten zur Wahlanalyse
In Sachsen-Anhalt hätten jetzt viele Menschen Angst, sagte Reichinnek. "Menschen mit Migrationshintergrund, queere Menschen, Menschen, die sich als eher links verstehen, Menschen mit Behinderung, Menschen, die Arbeit suchen. Und ich finde, es ist jetzt wichtig, den Menschen zu sagen: Egal, wie schwer das ist, ihr seid nicht allein, habt keine Angst."
Sachsen-Anhalt regional: So schneiden die Parteien ab
Im Zusammenhang mit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist es in der Landeshauptstadt zunächst weitgehend ruhig geblieben. Es habe das ganze Wochenende über in Magdeburg keine besonderen Vorkommnisse gegeben, die mit der Wahl in Verbindung stünden, sagte ein Polizeisprecher am Abend.
Bei Versammlungen und Demonstrationen hätten insgesamt rund 450 Menschen teilgenommen. Die größte Kundgebung mit rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war demnach von der Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) angemeldet worden.
Detailergebnisse aus den Wahlkreisen
Die Ergebnisse früherer Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt
Die Wahlbeteiligung fiel bereits im Tagesverlauf deutlich höher aus als bei der vorangegangenen Landtagswahl. Gegen 16.00 Uhr hatte die Beteiligungsquote bereits das Niveau von 2021 übertroffen. Die zuvor höchste Wahlbeteiligung hatte die Landeswahlleitung in Sachsen-Anhalt Ende der Neunziger verzeichnet. Bei der Landtagswahl 1998 stimmten 71,5 Prozent der Wahlberechtigten ab.
Direktwahlfrage: Schulze vor AfD-Kandidat Siegmund
Rückblick: So das Wahlergebnis 2021 aus
Die Wahllokale waren am Sonntag, 6. September von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Zur Stimmabgabe benötigen Wahlberechtigte lediglich ihre Wahlbenachrichtigung und einen Ausweis in Form eines "amtliches Lichtbilddokuments", also Personalausweis, Reisepass oder Führerschein.
Der Wahlakt selbst folgt dem üblichen Verfahren. Auf dem Stimmzettel konnten zwei Kreuze gesetzt werden: Mit der Erststimme konnten sich die Wahlberechtigten für einen Direktkandidat entscheiden, mit der Zweitstimme für eine Partei. Das Parlament wird später wiederum den Ministerpräsidenten wählen. Im Laufe des Abends werden sich das Gesamtbild vom Wahlausgang mit weiteren Hochrechnungen schärfen. Mit dem vorläufigen Endergebnis ist laut Landeswahlleiterin Christa Dieckmann voraussichtlich erst am frühen Montagmorgen zu rechnen.