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Rechter Terror in Neuseeland Analyse: Christchurch-Video ist authentisch

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Von einem Streifenwagen gerammt und zum Stehen gebracht: Der Wagen des mutmaßlichen Attentäters von Christchurch.

(Foto: REUTERS)

Bei Angriffen auf zwei Moscheen in Neuseeland töten ein oder mehrere rechtsextreme Terroristen mindestens 49 Menschen. Einer der Täter filmt sich dabei selbst und stellt die Videos live ins Internet. Analysen ergeben nun: Die brutalen Aufnahmen sind echt.

Ein aus Australien stammender Angreifer auf die Masjid-al-Noor-Moschee im Stadtzentrum der neuseeländischen Stadt Christchurch hat seine Tat selbst gefilmt und live ins Internet gestellt. Ob er allein handelte oder Mittäter hatte, ist noch unklar. Kurz zuvor veröffentlichte der mutmaßliche Haupttäter im Internet ein 73-seitiges Hass-Manifest, aus dem deutlich wird, dass der Angriff Muslimen galt.

Nach einer ersten inhaltlichen Analyse durch das RTL Verifizierungsnetzwerk ist das Live-Video des Angriffs tatsächlich authentisch. Auch das rassistische Manifest stammt demnach aus der Hand des Schützen. Dem Verifizierungsteam zufolge stimmen die Bilder aus dem Inneren der Moschee, das auf dem Video zu sehen ist, mit älteren Fotos aus der Masjid-al-Noor-Moschee überein. Deutlich erkennbar zum Beispiel sind die Eingangstür, die Fenster und der charakteristisch gemusterte grüne Teppichboden aus dem Inneren der Moschee.

Das auf Facebook live übertragene Video zeigt einen kurzhaarigen weißen Mann, der zur al-Noor-Moschee fährt, aus dem Auto steigt und dann das Feuer eröffnet, während er das Gotteshaus betritt. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Nachrichtenagentur AFP, die die Inhalte ebenfalls analysiert hat. Die Aufnahmen davon, wie er aus nächster Nähe seine Opfer erschießt, sind von schwer zu ertragender Grausamkeit. Die Polizei rief alle Internetnutzer auf, das Video nicht weiterzuverbreiten. Die Aufnahmen wurden - so weit möglich - von den Social-Media-Plattformen entfernt, das Twitter-Konto mit dem Manifest wurde gesperrt.

Die auf dem Video hörbaren Navi-Anweisungen aus dem Wagen des Angreifers ermöglichten es AFP, mithilfe von Google StreetView die Fahrt des Mannes über zwei Kilometer bis zur Moschee nachzuverfolgen. Gelegentlich spricht der Mann während der Fahrt, sein Akzent klingt Australisch.

Hass-Manifest beruht auf Verschwörungstheorie

Das Profilbild und der Name des Facebook-Kontos, auf dem das Video übertragen wurde, tauchen auch auf dem Twitter-Konto mit dem Manifest auf. Darin beschreibt sich der Täter als 28-jähriger gebürtiger Australier aus einer einkommensschwachen Arbeiterfamilie.

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Wirre Gedankenwelt eines gemeingefährlichen Täters: Der mutmaßliche Haupttäter veröffentlichte vor dem Anschlag Bilder seiner Ausrüstung.

(Foto: Twitter/via REUTERS)

Als Gründe für seine Radikalisierung nennt er die Niederlage der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl 2017 sowie den Tod der elfjährigen Ebba Akerlund bei einem islamistischen Lastwagenanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone im selben Jahr.

Überschrieben ist das Hass-Manifest mit "The Great Replacement" (Der große Austausch). Der Titel geht auf eine aus Frankreich stammende rechtsextreme Verschwörungstheorie zurück, wonach die Bevölkerung in Europa durch Zuwanderer ersetzt werden soll, deren Geburtenrate deutlich höher sei.

Auf dem Twitter-Konto tauchen unter dem Datum 13. März auch Bilder der Waffen des mutmaßlichen Angreifers auf, die in dem Live-Video zu sehen sind. Sie tragen auf Englisch und in osteuropäischen Sprachen handgeschriebene Namen von rechtsextremen Attentätern wie etwa Luca Traini, der im Februar 2018 in Italien aus einem Auto heraus gezielt auf Passanten schoss und dabei fünf Männer und eine Frau verletzte.

Namentlich erwähnt wird auch Alexander Bissonette, der im Januar 2017 im kanadischen Quebec sechs Menschen erschoss. In weißer Schrift notiert sind auf den Waffen auch Hinweise auf mehrere historische Militärs - darunter Europäer, die sich im 15. und 16. Jahrhundert an den Kämpfen gegen die Osmanen oder - noch früher - an den christlichen Kreuzzügen beteiligt hatten.

Quelle: n-tv.de, lri/AFP

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