Bombe in fernöstlicher GarnisonAnschlag auf den "Schlächter von Butscha" trifft den Falschen

Während der Besatzung von Butscha befehligt General Omurbekow dort die russischen Truppen - und steckt hinter dem Massaker an Hunderten Ukrainern. Nun explodiert mehr als 6000 Kilometer entfernt von Butscha in einer hochgesicherten Militärsiedlung eine Bombe. Sie gilt offenbar dem "Schlächter von Butscha".
In einer abgeriegelten Militärsiedlung im russischen Fernen Osten ist eine Bombe explodiert. Wie der britische "Guardian" unter Berufung auf drei mit dem Vorfall vertraute Quellen berichtet, galt der Anschlag im Dorf Knjase-Wolkonskoje nahe Chabarowsk dem General Asatbek Omurbekow. Omurbekow befehligte im Jahr 2022 die russischen Truppen während der Besatzung der ukrainischen Stadt Butscha. Wegen seiner Rolle beim Massaker an Zivilisten im Vorort von Kiew ist er als "Schlächter von Butscha" bekannt und mit EU- und US-Sanktionen belegt.
Der Sprengsatz war laut "Guardian" in einem Briefkasten zwischen dem ersten und zweiten Stockwerk eines Wohnblocks angebracht worden, in dem Omurbekow lebt. Der Attentäter habe zusätzlich eine Kamera installiert, heißt es im Bericht. Offenbar verwechselte der Täter jedoch den Eingang: Omurbekow blieb unverletzt. Stattdessen kam ein Oberstleutnant ums Leben, der dem General untergeordnet war.
Der Telegram-Kanal WTschK-OGPU, dem Verbindungen zum russischen Inlandsgeheimdienst FSB nachgesagt werden, bestätigte, dass der Anschlag Omurbekow gegolten habe. Weder Russland noch die Ukraine haben sich offiziell zu dem Vorfall geäußert. Ein russisches Gericht hat aber die Verhaftung von zwei Verdächtigen bestätigt - und damit die Explosion indirekt offiziell gemacht. Das Gericht in Chabarowsk ordnete Untersuchungshaft für einen Mann und eine Frau an, denen ein "Sprengstoffanschlag, die Tötung einer anderen Person sowie die Destabilisierung der Behörden" vorgeworfen wird, wie die Gerichtspressestelle mitteilte. Ein dritter Verdächtiger wurde in Abwesenheit angeklagt - er soll sich ins Ausland abgesetzt haben. Ob der Anschlag tatsächlich auf Omurbekow abzielte, geht aus dem Gerichtsbeschluss nicht hervor.
Omurbekow kommandierte die 64. Motorschützenbrigade während der Butscha-Besatzung 2022. Die EU, Großbritannien und die USA haben Sanktionen gegen ihn verhängt, weil seine Truppen für die Tötung von mehr als 400 Zivilisten mitverantwortlich gemacht werden. In einem Interview mit dem russischen Exil-Portal "iStories" sagte einer von Omurbekows Untergebenen in Butscha, der Kommandant habe befohlen, "jeden zu töten, bei dem man ein Handy findet". Auch soll er den Beschuss von Fahrzeugen mit Zivilisten angeordnet haben. Trotz erdrückender Beweise bestreitet Moskau jegliche Beteiligung russischer Soldaten an Kriegsverbrechen in Butscha. Kremlchef Wladimir Putin verlieh Omurbekow gar den höchsten Ehrentitel "Held der Russischen Föderation".
Knjase-Wolkonskoje ist eine kleine Militärsiedlung unweit von Chabarowsk im abgelegenen Fernen Osten Russlands, nahe der chinesischen Grenze und mehr als 6000 Kilometer von der Ukraine entfernt. Anders als eine gewöhnliche Zivilstadt handelt es sich um eine Garnisonsgemeinde, die um einen nahegelegenen Militärstützpunkt errichtet wurde - der Zugang wird an Kontrollpunkten überwacht, wer nicht dort wohnt, benötigt eine Zugangsgenehmigung.