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Nächtlicher Luftalarm in Syrien Assads Armee rechnet mit US-Angriff

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Akutes Risiko einer direkten Konfrontation zwischen Russland und den USA: Auf syrischen Militärbasen sind auch russische Einheiten stationiert.

(Foto: AP)

Wie werden die USA auf den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Syrien reagieren? Nach dem Raketenangriff auf einen Flugplatz östlich von Homs rechnen die Militärs in Syrien mit weiteren Luftschlägen. Mehrere Stützpunkte werden vorsorglich geräumt.

Die syrischen Streitkräfte und ihre Verbündeten im Land sind in der Nacht nach Angaben von Beobachtern in volle Alarmbereitschaft versetzt worden. Mehrere Stützpunkte in verschiedenen Landesteilen seien im Hinblick auf mögliche Luftschläge vorsorglich geräumt worden, berichtete die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

"Die syrische Armee ist in voller Bereitschaft an allen Militärflughäfen, großen Stützpunkten in Damaskus und Außenbezirken, in Homs sowie in den Küstenregionen von Latakia und Tartus, aus Angst vor möglichen Angriffen der USA und anderer Staaten", sagte Rami Abdel Rahman, Leiter der Beobachtungsstelle. In den genannten Regionen befinden sich auch wichtige Stützpunkte des russischen Militärkontingents in Syrien.

Die Sorgen der Syrer vor einem symbolischen Vergeltungsschlag sind berechtigt: Vor einem Jahr hatte das US-Militär in Reaktion auf einen Giftgasangriff auf die Stadt Chan Scheichun die syrische Luftwaffenbasis Schairat mit Dutzenden Marschflugkörpern bombardiert. Zu Wochenbeginn wurde ein Militärflugplatz der syrischen Streitkräfte östlich der Stadt Homs von einem schweren Raketenangriff getroffen, für den Syrien, Russland und der Iran Israel verantwortlich machen. Bei der Bombardierung wurden mindestens 14 Angehörige der syrischen Armee und verbündeter Milizen getötet. Die israelische Regierung wollte sich zu dem Vorfall nicht äußern.

Trump droht weiter mit Militärschlag

In den ersten Stunden nach der Attacke blieb unklar, ob der Angriff auf den Stützpunkt T-4 östlich von Homs von den USA ausging. Nach einer mutmaßlichen Giftgasattacke syrischer Truppen auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Duma in Ost-Ghuta, bei der über 150 Menschen ums Leben gekommen sein sollen, hatte US-Präsident Donald Trump eine harte Reaktion angekündigt und dabei auch militärische Schritte ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Washington macht das syrische Regime und seine Verbündeten, darunter auch Russland, für den Angriff verantwortlich. Um über mögliche Reaktionen zu beraten, kam US-Präsident Donald Trump am Montagabend mit seinen militärischen Beratern zusammen, wollte sich anschließend aber nicht zu etwaigen Plänen äußern. "Wir werden heute Abend entscheiden, oder sehr bald danach. Sie werden unsere Entscheidung erfahren", sagte Trump vor laufenden Kameras. "Wir können solche Gräueltaten nicht zulassen."

Moskau: Giftgasangriff ist "fake news"

Russland stuft die mutmaßliche Giftgasattacke in Syrien dagegen als einen von Rebellen inszenierten Vorfall ein und lud unabhängige Experten dazu ein, sich vor Ort selbst ein Bild von der Lage zu machen. Duma liegt nur wenige Kilometer östlich der syrischen Hauptstadt Damaskus - allerdings ist das Gebiet umkämpft. Berichte über den Angriff seien "fake news", sagte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja. In einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats griffen er und seine US-Kollegin Nikki Haley sich in scharfen Tönen an.

Haley warf Moskau vor, "Blut syrischer Kinder an den Händen" zu haben. Nebensja entgegnete: "Sie irren, wenn Sie glauben, dass Sie Freunde haben. Ihre angeblichen Freunde sind nur diejenigen, die nicht Nein zu Ihnen sagen können." Er drohte, künftige Ratssitzungen zu unterbrechen, wenn Haley Russland noch einmal als "Regime" bezeichne. Diese Formulierung hatte Haley mehrfach verwendet.

Die fast dreistündige Sitzung des Weltsicherheitsrats endete zunächst ergebnislos. In Umlauf war aber ein Resolutionsentwurf der USA, mit dem eine Untersuchungskommission namens UNIMI geschaffen werden soll. Diese unabhängige Gruppe würde zunächst ein Jahr lang den Einsatz von Chlorgas und anderen toxischen Chemikalien in Syrien untersuchen. Unklar blieb, ob und wann es zu einer Abstimmung über die Resolution kommen könnte.

"Um Gottes Willen"

Russlands UN-Botschafter Nebensja rief Vertreter der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) dazu auf, in die von Rebellen kontrollierte Stadt Duma in Ost-Ghuta zu reisen, wo der Vorfall stattfand. Russische Ermittler hätten keine Belege für einen solchen Angriff gefunden, auch Bewohner hätten keinen chemischen Angriff bestätigt. "Wir begrüßen diesen Besuch so bald wie möglich", sagte Syriens UN-Botschafter Baschar al-Dschafari.

Der UN-Sonderbeauftragte für Syrien, Staffan de Mistura, wählte angesichts der Ereignisse in Duma ungewöhnlich deutliche Worte: "Ich habe einen Punkt erreicht, wo ich zum ersten Mal seit vier Jahren Sorge über die internationale Sicherheit ausdrücke", sagte er. Mehr als jemals zuvor im Syrien-Konflikt drohten die Interessen regionaler und globaler Mächte zu "absolut verheerenden Konsequenzen" zu führen. Der Sicherheitsrat müsse die internationale Ordnung aufrechterhalten und den Vorfall "um Gottes Willen" untersuchen lassen.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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