Politik

Material ist sicher gelagert Atomruine Tschernobyl hat keinen Strom mehr

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Ein riesiger Sarkophag soll die Umwelt vor der Atomruine schützen.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Die russische Armee erobert am ersten Tag ihres Einmarsches in der Ukraine die Atomruine Tschernobyl. Seitdem sicher 210 Techniker und lokale Sicherheitsmitarbeiter das Gelände. Bei neuen Gefechten reißt nun anscheinend die Stromversorgung ab. Die internationale Atomenergiebehörde gibt aber Entwarnung.

Das ehemalige ukrainische Atomkraftwerk Tschernobyl ist rund zwei Wochen nach der Einnahme durch russische Einheiten von der Stromversorgung abgeschnitten. Durch Beschuss seien Stromleitungen beschädigt worden, teilt der ukrainische Netzbetreiber Ukrenerho mit. Kampfhandlungen nördlich von Kiew verhinderten aktuell alle Reparaturarbeiten.

Tschernobyl habe keinerlei Strom mehr, schreibt der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba auf Twitter. "Die Reservedieselgeneratoren können das Kraftwerk für 48 Stunden mit Energie versorgen. Anschließend schalten sich die Kühlsysteme für den nuklearen Abfall ab, dann drohen Strahlungslecks." Er drängt die Internationale Gemeinschaft dazu, Russland umgehend aufzufordern, das Feuer einzustellen und Reparaturarbeiten zu ermöglichen.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) gibt trotz des Stromausfalls vorsichtig Entwarnung. Die Stromversorgung sei zwar grundsätzlich ein wesentlicher Sicherheitsfaktor, schrieb die Organisation am Mittwoch auf Twitter. In Tschernobyl seien die abgebrannten Brennelemente jedoch in ausreichend großen Kühlbecken, die auch ohne Elektrizität genug Wärme ableiten würden, hieß es. "In diesem Fall sieht die IAEA keine kritische Auswirkung auf die Sicherheit."

Überwachungssysteme ausgefallen

Die russische Armee hatte das Gelände im Norden der Ukraine am ersten Tag ihres Einmarschs erobert. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte bereits am Dienstag beklagt, dass "die Datenfernübertragung der im Kernkraftwerk Tschernobyl installierten Überwachungssysteme ausgefallen ist". Die Überwachungssysteme sollen feststellen, ob in der Atomruine radioaktives Material entweicht.

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Der IAEA zufolge sind 210 Techniker und lokale Sicherheitsmitarbeiter seit fast zwei Wochen ununterbrochen im Dienst, weil es unter russischer Kontrolle keinen Schichtwechsel mehr gegeben habe. Sie hätten zwar Wasser und Nahrung, aber ihre Lage verschlechtere sich immer mehr. Normalerweise arbeiten mehr als 2000 Menschen in rotierenden Schichten in dem Sperrgebiet.

In Tschernobyl war es 1986 zu einem verheerenden Unfall gekommen, bei dem Hunderte Menschen starben und radioaktives Material sich über ganz Europa ausbreitete. Das Kraftwerk ist seitdem stillgelegt, ein riesiger Schutzmantel soll den Austritt von Radioaktivität verhindern. Noch heute werden dort radioaktive Abfälle gelagert.

Quelle: ntv.de, chr/AFP/dpa

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