Politik

Brutaler Überfall in Afghanistan Attentäter greifen "Save the Children" an

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Hektik in Dschalalabad: Schwer bewaffnete Einheiten des afghanischen Militärs treffen vor dem Büro von "Save the Children" ein.

(Foto: REUTERS)

Der Angriff beginnt mit einer heftigen Explosion: Im Osten Afghanistans stürmen Attentäter ein Büro der Hilfsorganisation "Save the Children". Erst nach stundenlangen Gefechten geben Sicherheitskräfte Entwarnung. Der IS reklamiert den Anschlag für sich.

Bei dem Anschlag auf die Hilfsorganisation "Save the Children" in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad ist mindestens ein Menschen getötet worden. Mindestens vier Menschen wurden bei dem Anschlag am Mittwoch in Dschalalabad getötet, unter ihnen zwei mutmaßliche Angreifer. Weitere 20 Menschen wurden nach Angaben der Provinzregierung verletzt. Außerdem sollen 40 Mitarbeiter der Hilfsorganisation in dem weiterhin umkämpften Haus in einem Schutzraum gefangen sein.

Ein Selbstmordattentäter hatte am Morgen vor dem Eingang des Gebäudes der Organisation eine Autobombe gezündet. Anschließend stürmten bewaffnete Angreifer den Komplex und feuerten um sich. Chogjani zufolge trugen die Attentäter offenbar Armeeuniformen. Sicherheitskräfte sei es schließlich gelungen, auf das Gelände der Organisation vorzudringen und den Angriff nach mehr als drei Stunden zu beenden. Berichte über Festnahmen liegen nicht vor.

Augenzeugen zufolge gingen die Angreifer mit großer Brutalität vor. Aus dem Inneren des Gebäudes sollen immer wieder Schüsse zu hören gewesen sein. Der afghanische Journalist Bilal Sarwary berichtete, die Attentäter hätten Handgranaten in Richtung der Sicherheitskräfte geworfen.

Der Angriff begann gegen 9.00 Uhr (Ortszeit, 5.30 Uhr MEZ) mit einer heftigen Explosion vor dem Gebäude. Dabei seien auch mehrere im Umfeld geparkte Fahrzeuge in Flammen aufgegangen, hieß es. In der Nähe des Tatorts liegen auch die Büros von weiteren internationalen Organisationen sowie mehrere Regierungseinrichtungen. "Save the Children" zeigte sich in einer Erklärung "erschüttert" über den Anschlag, wollte zunächst aber keine näheren Angaben machen, da der Angriff zu diesem Zeitpunkt noch im Gange war.

IS bekennt sich zur Tat

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Angriff mit Sprengsatz und Schusswaffen: Brennende Fahrzeuge vor dem Büro von "Save the Children".

(Foto: REUTERS)

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Angriff auf ein Büro der Kinderhilfsorganisation Save the Children in Ostafghanistan für sich reklamiert. Das IS-Sprachrohr Amak verbreitete eine Mitteilung, in der von einer Selbstmordoperation, unter anderem mit einer Autobombe, die Rede war. Ziel seien britische und schwedische Institutionen und afghanische Regierungseinrichtungen gewesen. Save-the-Children-Büros in Afghanistan werden auch von den Büros der Organisation in Großbritannien und Schweden unterstützt. Der IS hat in Ostafghanistan seine einzige territoriale Basis und verübt dort und auch in der Hauptstadt Kabul zunehmend blutigere Anschläge.

Der Überfall auf die Kinderhilfsorganisation in Dschalalabad folgt dem Muster des Kabuler Angriffs auf das Hotel Interkontinental. Dort waren Attentäter der radikalislamischen Taliban ebenfalls nach einer Bombendetonation in das Gebäude eingedrungen, um gezielt nach Ausländern zu suchen.

Gezielte Angriffe auf Ausländer

Bei dem Anschlag in Kabul kamen jüngsten Angaben zufolge mindestens 20 Menschen ums Leben, darunter eine deutsche Entwicklungshelferin und ein US-Staatsbürger. Die Angreifer wurden nach einer mehr als 17-stündigen Belagerung durch Spezialeinsatzkräfte getötet. Afghanischen Behörden zufolge handelte es sich um sechs Attentäter.

Dschalalabad ist die Hauptstadt der Provinz Nangarhar an der Grenze zu Pakistan. Die Region gilt als Hochburg der Extremistenmiliz Islamischer Staat. Aus Deutschland war erst wenige Stunden vor dem Überfall in Dschalalabad ein Abschiebeflug mit abgelehnten Asylbewerbern Richtung Kabul gestartet - trotz der verschärften Sicherheitslage in dem kriegsverwüsteten Land.

Quelle: n-tv.de, mmo/bdk/dpa/rts