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Das "Märtyrervideo" war schon fertig Attentat in Kanada stand unmittelbar bevor

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Nach Darstellung der Polizei konnte ein Terroranschlag verhindert werden, da das FBI das Märtyrervideo abgefangen hatte.

(Foto: AP)

Die kanadische Polizei gibt dramatische Einzelheiten zu dem am Mittwoch getöteten IS-Terrorverdächtigen bekannt. Demzufolge zündete der Konvertit bei dem Festnahmeversuch einen Sprengsatz.

Der von der Polizei in Kanada getötete Terrorverdächtige war offenbar kurz davor, an einem belebten Ort einen Bombenanschlag zu begehen. Er hatte sich offenbar schon in einem "Märtyervideo" zu der Tat bekannt. Der 24-jährige kanadische Konvertit sei am Mittwochabend in einem Taxi vor seinem Wohnhaus erschossen worden, nachdem er einen Sprengsatz gezündet hatte, wie die teilte die Polizei mit.

Die US-Bundespolizei FBI habe am Mittwoch ein "Märtyrervideo" abgefangen, in dem sich ein junger Mann zur IS-Miliz bekannt habe, erklärte die kanadische Polizei. Er sei offenkundig in den letzten Schritten der Vorbereitung eines Angriffs gewesen. Das FBI habe die kanadischen Behörden umgehend informiert. Die Polizei und Anti-Terror-Experten hätten den Mann rasch als den 24-jährigen Aaron D. identifiziert.

Die Polizei habe befürchtet, dass ein Angriff binnen 72 Stunden in einem städtischen Zentrum geplant sei, sagte Cabana. Demnach traf die Polizei D. gegen 16.30 Uhr vor seinem Haus in der Ortschaft Strathroy an, als er gerade in ein Taxi gestiegen war. Als sich die Polizisten näherten, habe der junge Mann auf dem Rücksitz einen Sprengsatz gezündet, der den Fahrer verletzt habe. Daraufhin sei D. von der Polizei erschossen worden.

Vater: Polizei "tat, was sie tun musste"

Am Mittwoch hatten die Behörden zudem das Nahverkehrsunternehmen in Toronto über eine "glaubwürdige terroristische Bedrohung" informiert und die Polizeipräsenz in Bussen und Bahnen verstärkt. Weitere Informationen gab es bis zu dem Polizeieinsatz aber nicht. Der Minister für öffentliche Sicherheit, Ralph Goodale, lobte später den Einsatz. Die terroristische Bedrohung bleibe auf "mittlerem" Stand, erklärte er.

Die Polizei habe "getan, was sie tun musste. Er wollte sich nicht ergeben", sagte der Vater der Zeitung "National Post", nachdem er über den Tod seines Sohnes informiert worden war. Seinen Sohn beschrieb der frühere Soldat als zurückgezogenen Einzelgänger und als "einsamen Wolf". "Aaron war ein guter Junge, der einen dunklen Weg hinab gegangen ist und das Licht nicht mehr finden konnte", so der Vater.

Medienberichten zufolge war D. bereits im Juni 2015 festgenommen worden, weil er im Internet Sympathien für die IS-Miliz bekundet hatte. Im Februar war er wieder freigelassen worden, stand aber unter Beobachtung und durfte seinen Wohnort nicht verlassen. Laut der Polizei hatte er Kontakte mit verschiedenen Dschihadisten in der Welt. Zudem deutete er 2014 in einem Fernsehinterview Verständnis für einen Angriff auf das Parlament an.

Im Herbst 2014 hatten zwei Einzeltäter in Kanada zwei Soldaten getötet. Bei dem einen Angriff hatte ein Bewaffneter einen Soldaten vor dem Ehrenmal für die Gefallenen in Ottawa erschossen, bevor er ins nahegelegene Parlament eindrang, wo er erschossen wurde. Die Regierung erweiterte daraufhin die Kompetenzen der Bundespolizei und der Geheimdienste bei der Terrorabwehr deutlich.

Quelle: n-tv.de, mbo/AFP

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