Politik

Wahl im Saarland Auch Linke hoffen auf den Schulz-Effekt

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Im Saarland zeigt sich: Der Schulz-Hype beeinflusst auch die Linken.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Für Linken-Spitzenkandidat Lafontaine ist ein Wahlkampfauftritt im Saarland ein Heimspiel. Aber auch SPD-Kanzlerkandidat Schulz kann an der Saar punkten. Schließlich könnte er ihnen in die Regierung helfen.

Ihren "Oskar" lieben die Linken im Saarland. "Oskar ist schon ein linker Vogel", sagt Linken-Mitglied Ernest Zapp über Oskar Lafontaine, den Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl an diesem Sonntag. Er meint das anerkennend.

Geteilt sind die Meinungen über den neuen SPD-Chef Martin Schulz. Der "hat's auch voll drauf", sagt Zapp beim Wahlkampfabschluss seiner Partei in Saarbrücken. Geht es nach dem 58-Jährigen, sollte Schulz das Kanzleramt übernehmen, denn "Merkel tanzt nach jedem Rock". Weniger ergriffen vom Schulz-Hype zeigt sich Peter Ruppel, bei der Veranstaltung für die Gesangseinlagen zuständig. "Ich kann Schulz nichts abgewinnen." Für ihn habe sich gezeigt, dass der "Gottkanzler" doch nicht Wasser in Wein verwandeln könne.

"Bei Schulz knirscht es", so Ruppel. Ohnehin sei es kein gutes Zeichen, wenn ein Kanzlerkandidat Brille und Bart trage. "Das hat man schon bei Rudolf Scharping gesehen", verkündet der 64-Jährige, schnappt sich seine Gitarre und schreitet wie ein Troubadour durch den Saal.

Einen Tag vor der Landtagswahl im Saarland ist deren Ausgang völlig offen. Jüngsten Umfragen zufolge könnte es für eine rot-rote Koalition knapp reichen – es wäre die erste in einem westdeutschen Bundesland. Wie im Bund erfreut sich die SPD auch an der Saar an einem Schulz-Effekt. Und wie im Bund könnte das auch den Linken nutzen.

Schulz, das Gespenst

Gespräche am Rande der Veranstaltung zeigen, dass viele Anhänger und Mitglieder der Linkspartei überzeugt sind, dass Lafontaine in dem Bundesland für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen könnte. Soziale Gerechtigkeit ist auch das zentrale Thema von Martin Schulz. Auch ihn mag man im Saarland, schließlich stammt sein Vater von hier. Wie ein Gespenst ist er an diesem Abend im Saal der Volkshochschule am Schlossplatz zwar nicht zu sehen, aber merkbar anwesend.

Wahlkampfhelfer Dieter Hoffmann ist ein glühender Lafontaine-Anhänger, sieht aber auch positive Aspekte im momentanen Hype um den SPD-Kanzlerkandidaten. "Der Schulz-Effekt hilft, dass die SPD überhaupt an die CDU rankommt", sagt er. Hoffmann wünscht sich eine Regierung unter SPD und Linken im Saarland. "Mit Rot-Rot gibt es ein ganz anderes Potenzial und einen kompletten Politikwechsel", sagt der 63-Jährige, dreht sich um und hält Ausschau nach seinem Oskar. Der war an diesem Abend "in absoluter Höchstform", wie Hoffmann – noch ganz beglückt von Lafontaines Abschlussrede – kommentiert.

Aber auch für Bundeskanzlerin Angela Merkel lassen sich an diesem Abend einige wohlwollende Stimmen finden. "Merkel hat einen Job toll gemacht. Sie hat richtige Entscheidungen getroffen – besonders in der Flüchtlingskrise", sagt eine Frau namens Helga, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte.

Seniorin Hannelore Porschk steht Merkel kritischer gegenüber: "Ich fand es immer gut, dass mit Merkel eine Frau Politik macht." Aber Merkel sei "nicht mehr das Wahre", so die 77-Jährige. Über Schulz sagt sie, dass sie ihn "nicht richtig einordnen" könne. Trotzdem freut sie sich, dass die SPD dank Schulz-Effekt wieder Aufschwung bekommt. Einer der ersten, die davon profitieren, könnte schließlich Lafontaine sein.

 

Quelle: ntv.de