Politik

"Können nicht auf EMA warten" Auch Tschechien will Sputnik V verimpfen

Kürzlich lässt Tschechiens Ministerpräsident Babis noch verlauten, man wolle die Entscheidung der EU zum russischen Impfstoff Sputnik V abwarten. Jetzt kündigt er an, das Mittel auch ohne Freigabe der EMA einsetzen zu wollen. Das Land verzeichnet zuletzt stark steigende Infektionszahlen mit dem Coronavirus.

Das von der Corona-Pandemie besonders schwer getroffene EU-Land Tschechien will auch ohne eine europäische Zulassung den russischen Impfstoff Sputnik V nutzen. Denkbar sei dies auch beim Vakzin des chinesischen Herstellers Sinopharm, sagte Ministerpräsident Andrej Babis dem Sender CNN Prima News und verwies auf das Beispiel Ungarn. Die dortige Regierung setzt Impfstoffe aus Russland und China ein, obwohl die Europäische Arzneibehörde (EMA) sie bislang nicht zugelassen hat.

Am Sonntag ließ sich Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban mit dem Vakzin von Sinopharm impfen, wie er per Facebook mitteilte. Babis sagte, der russische Impfstoff könne auch ohne eine europäische Genehmigung verwendet werden. "Wir können nicht auf die EMA warten, wenn Russland keinen Genehmigungsantrag gestellt hat." Eine Zulassung der tschechischen Arzneibehörde SUKL sei ausreichend, sagte Babis. Vor gut zwei Wochen hat er noch erklärt, sein Land werde die Entscheidung der EMA abwarten.

Tschechien hat bezogen auf die Bevölkerungszahl eine der höchsten Infektionsraten weltweit. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei 730,8. In dem Land mit 10,7 Millionen Einwohnern sind mehr als 1,2 Millionen Infektionsfälle nachgewiesen. Mehr als 20.000 Menschen starben mit oder an dem Virus. Angesichts der hohen Infektionszahlen in Tschechien hat Deutschland unlängst die Grenzkontrollen verschärft und das Land als Virusvariantengebiet eingestuft. Bis Samstagabend wurden in Tschechien knapp 650.000 Menschen geimpft. In den meisten Fällen wurde das Mittel von BioNTech und Pfizer eingesetzt. Auch Vakzine der Hersteller Moderna und AstraZeneca werden verabreicht.

Quelle: ntv.de, jhe/rts