Bosbach nennt es "peinlich"Audi-Chef Döllner verteidigt umstrittenen Auftritt mit Trump

Mit seinem Auftritt bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Trump verstößt Audi-Chef Döllner offenbar gegen interne Regeln - und löst im eigenen Konzern Empörung aus. Er habe im Interesse des Unternehmens gehandelt, erklärt Döllner sich nun.
Audi-Chef Gernot Döllner rechtfertigt sich für seinen Auftritt zusammen mit US-Präsident Donald Trump, der ihm massive Kritik und die Forderung nach seinem Rücktritt eingebracht hat. Man habe im Interesse des Unternehmens gehandelt, betont er in einem internen Schreiben an die Mitarbeiter. Eine Stellungnahme auf der Audi-Website geht in eine ähnliche Richtung. In beiden räumt Döllner aber auch ein, dass der Auftritt "Fragen und auch Unverständnis" ausgelöst habe.
Produktionsvorstand Gerd Walker und er seien in Georgia gewesen, um die Gespräche und Verhandlungen über das geplante Werk voranzubringen. "Im Rahmen unserer Gespräche wurden wir gebeten, unsere Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika öffentlich vorzustellen", schreibt Döllner. "Die Entscheidung, dieser Einladung zu folgen, haben wir ausschließlich im Interesse des Unternehmens getroffen." Da die Gespräche vertraulich waren, habe man zudem nicht vorab darüber informieren können.
"Gleichzeitig sehen wir, dass der Rahmen der Ankündigung als politisches Signal wahrgenommen wurde", schreibt Döllner. "Das nehmen wir sehr ernst." Man stehe zu den Werte des Unternehmen, trage aber ebenso Verantwortung für die wirtschaftliche Zukunft von Audi.
Bosbach: "Peinlicher" Auftritt
Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach nannte den Auftritt Döllners "peinlich". "Ich würde gerne die Investitionsentscheidung trennen von dem Auftritt. Den habe ich auch als peinlich empfunden", sagte Bosbach in der ntv-Sendung "Blome & Pfeffer". Insbesondere der Zeitpunkt kurz vor den Zwischenwahlen in den USA habe ihn irritiert. Das habe ihn "so ein bisschen an den Friedenspreis der Fifa für Donald Trump erinnert".
Die Investitionsentscheidung in den USA ist für Bosbach dagegen nachvollziehbar. "Es kann die Entscheidung sein, näher an einen Markt zu kommen. Die USA sind ein großer Markt gerade für SUVs." Auch "bessere Investitionsbedingungen, niedrige Energiekosten, niedrigere Personalkosten" könnten eine Rolle spielen. "Ich glaube, im Kern ging es darum, den Sanktionen bei der Zollpolitik auszuweichen", so Bosbach. Denn anders als beispielsweise BMW produziere Audi bislang nicht in den USA.
Die ntv Sendung "Blome & Pfeffer" wird am Montag, den 26. Oktober 2026 um 20.15 Uhr und 23.30 Uhr auf ntv ausgestrahlt.
VW-Konzernbetriebsrat: Vor "Scham im Boden versinken"
Döllner verteidigte auch die Entscheidung für den Bau eines Werks. "Eine lokale Produktion in den USA ist für Audi von großer strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung." Die USA seien der zweitgrößte Premiummarkt der Welt, das Geschäft von Audi dort aber "heute nicht profitabel". Viele Konkurrenten hätten bereits seit Jahren eine lokale Produktion. Eine eigene Fertigung ermögliche es Audi wettbewerbsfähiger zu werden, Handels- und Währungsrisiken zu reduzieren und unser Wachstumspotenzial besser zu nutzen. "Ein stärkeres US-Geschäft ist daher keine Entscheidung gegen Deutschland, sondern ein wichtiger Beitrag zur globalen Wettbewerbsfähigkeit von Audi und zur langfristigen Sicherung des Unternehmenserfolges", betont der Chef des Autobauers.
Der gemeinsame Auftritt mit Trump hatte für große Überraschung aber auch scharfe Kritik bis hin zur Rücktrittsforderung gesorgt. Ein Aspekt dabei ist, dass Audi in internen Regeln in den drei letzten Monaten vor Wahlen öffentlich wirksame Termine mit zur Wahl stehenden Parteien oder Politikern ausschließt. In den USA sind am 3. November aber Zwischenwahlen.
"Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie - und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe", sagte VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo in einem internen Interview. Wer die Rede von Trump gehört habe und dann habe wahrnehmen müssen, dass Döllner zum aktiven Teil dieser Veranstaltung geworden sei, müsse vor "Scham im Boden versinken".
Audi erklärte, dass bei der Entscheidung "die Möglichkeit, die Voraussetzungen für eine langfristige Investition von Audi in den USA voranzubringen" im Mittelpunkt gestanden habe. "Ein solches Investment ist auf Jahrzehnte und damit weit über einzelne Wahlperioden hinaus angelegt. In dieser besonderen Situation galt es, das Unternehmensinteresse und ein konkretes Zeitfenster für das Vorhaben angemessen zu berücksichtigen." Die internen Grundsätze stelle man damit nicht infrage. "Die Teilnahme diente ausschließlich der Wahrnehmung konkreter Unternehmensinteressen im Zusammenhang mit dem geplanten Investitionsvorhaben und war nicht Ausdruck einer parteipolitischen Positionierung."
