"Zeit, um Trauer zu verarbeiten"Bärbel Bas tritt als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück

Die Co-SPD-Chefin Bärbel Bas zieht sich aus der ersten Reihe der Bundespolitik nach dem Tod ihrer Stieftochter zurück. Die Sozialdemokratin macht dafür auch die Angriffe durch den Koalitionspartner verantwortlich.
SPD-Chefin Bärbel Bas tritt mit sofortiger Wirkung von allen ihren Ämtern zurück. "Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten. Diese möchte ich mir ausreichend nehmen", erklärte Bas. "Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden. Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben."
Sie habe ihren Co-Vorsitzenden und Vizekanzler Lars Klingbeil darüber informiert, dass sie Amt als Parteivorsitzende mit dem heutigen Tag niederlege. "Gleichzeitig habe ich den Bundeskanzler gebeten, mich aus dem Amt der Bundesministerin für Arbeit und Soziales zu entlassen", so Bas.
Bas Stieftochter verstarb Ende September im Alter von 53-Jahren. Dabei handelt es sich um die Tochter ihres 2020 im Alter von 79 Jahren verstorbenen Mannes Siegfried Ambrosius. Bas selbst ist kinderlos.
Die Nachfolge von Bas als Ministerin ist offenbar bereits geklärt. Wie ntv aus Parteikreisen erfuhr, soll der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer neuer Arbeitsminister werden.
Im Bundestag will sie jedoch weiterhin als Abgeordnete vertreten bleiben. Sie hoffe, "sehr, bald wieder mit voller Kraft meine Arbeit erfüllen zu können". Ihr Co-Vorsitzender Lars Klingbeil erklärte, den Schritt nachvollziehen zu können. "Ich bin über die Entscheidung von Bärbel Bas sehr traurig. Hinter den Ämtern sind wir alle nur Menschen. Deshalb kann ich ihren Schritt persönlich nachvollziehen. Die Angriffe gegen sie in den letzten Tagen ihrer Trauer waren unanständig. Sowas gehört sich nicht", erklärte Klingbeil.
Fraktionschef bedauert Rückzug
Ihr sei der Schritt zum Rückzug nicht leicht gefallen, erklärte Bas weiter. "Ich bin aber davon überzeugt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesministeriums jetzt eine starke Hausleitung verdient haben, die mit voller Kraft die anstehenden Gesetze und Reformvorhaben vorantreibt. Am Ende meiner Zeit als Ministerin möchte ich vor allem eines sagen: Danke für die Unterstützung, die ich im gesamten Haus erfahren habe."
Politiker aus der Union hatten Bas zuletzt scharf dafür kritisiert, dass sie Gesetzentwürfe zu geplanten Reformvorhaben zum Beispiel in der Rente nicht schnell genug vorlege. Sie hatten ihr vorgeworfen, die Reformen zu verschleppen und zu blockieren. Allerdings befinden sich Gesetzentwürfe zum Arbeitsmarkt mittlerweile in der Frühkoordinierung beim Kanzleramt.
Auch der SPD-Fraktionschef Matthias Miersch brachte sein Bedauern zum Ausdruck. "Ich habe großen Respekt vor ihrer Entscheidung. Sie trifft sie aus persönlichen Gründen, die ich zutiefst respektiere. Als Ministerin und Vorsitzende hat sie für die Werte der SPD gestritten. Sie hat Haltung gezeigt, auch wenn es unbequem wurde. Aber die Kraft ist endlich", erklärte der Fraktionsvorsitzende.
Politische Konkurrenz meldet sich zu Wort
Die politische Konkurrenz im Bundestag äußerte sich ebenfalls bereits zum Rückzug der SPD-Chefin. "Unser aufrichtiges Beileid gilt Bärbel Bas und ihrer Familie und größter Respekt vor dieser Entscheidung", erklärte die Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner auf Bluesky. "Ich habe sie als eine der wenigen in dieser Regierung für standhaft gehalten, bei aller Kritik. Der Druck auch aus der CDU auf sie in dieser Situation ist beschämend."
"Ich wünsche Bärbel Bas für die Bewältigung ihrer schwierigen persönlichen Situation von Herzen alles Gute und viel Kraft", erklärte die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann.
Bas ist seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 2021 bis 2025 hatte sie den Vorsitz als Parlamentspräsidentin inne. Nach der Bundestagswahl 2025 übernahm sie in der schwarz-roten Koalition den Posten als Bundesministerin für Arbeit und Soziales im Kabinett von Friedrich Merz. Im Juni 2025 wurde sie gemeinsam mit Lars Klingbeil Vorsitzende der SPD.