Politik

"Das war Mist" Baerbock äußert sich erstmals zu Lebenslauf

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"Diese Lektion habe ich jetzt, haben wir jetzt gelernt", sagt Annalena Baerbock.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wollte die grüne Kanzlerkandidatin ihren Werdegang ein wenig aufhübschen? Erstmals erklärt sich Baerbock selbst zu den Unstimmigkeiten und wählt dafür einen bezeichnenden Ausdruck: Mist. Die grünen Spitzenpolitiker Habeck und Hofreiter sprechen dagegen von Popanzen und verqueren Debatten.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat sich für irreführende Angaben im eigenen Lebenslauf entschuldigt. "Meinen Lebenslauf habe ich knapp und komprimiert veröffentlicht und dabei unwillentlich einen missverständlichen Eindruck erweckt, den ich nicht erwecken wollte", sagte die designierte Kanzlerkandidatin ihrer Partei in Berlin. "Das war Mist."

Baerbock bezog sich insbesondere auf unpräzise Angaben zu Mitgliedschaften in Organisationen. Sie hatte dort noch am Donnerstag unter anderem die Transatlantik-Stiftung German Marshall Fund und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR aufgeführt. Später wurde die Seite geändert, die Überschrift lautet statt "Mitgliedschaften" nun "Beiräte, (Förder-)Mitgliedschaften, regelmäßige Unterstützung". "Das tut mir leid und es war alles andere als beabsichtigt", sagte Baerbock. "Es hätte unbedingt einer gründlichen Kontrolle der Angaben bedurft. Das ist meine Verantwortung und diese Lektion habe ich jetzt, haben wir jetzt gelernt."

Brüssel versus Potsdam

Zur jüngsten Korrektur in ihrem Lebenslauf sagte Baerbock nichts. Wegen ihrer mehrjährigen Tätigkeit als Büroleiterin der grünen Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter hatte es Nachfragen unter anderem auch von ntv.de gegeben. Baerbock schrieb in ihrem Lebenslauf, von 2005 bis 2008 in Brüssel für Schroedter gearbeitet zu haben. Auf einer archivierten Website Schroedters, die aus dem Jahr 2006 stammt, steht jedoch eine andere Darstellung. Danach habe Baerbock bis August 2007 lediglich die Büros in Berlin und Potsdam geleitet. Erst später war sie dann in Brüssel und Straßburg beschäftigt. Auch diesen Eindruck einer langjährigen internationalen Tätigkeit änderten die Grünen erst nach kritischen Hinweisen auf der Website ihrer Kanzlerkandidatin.

Am Morgen hatte der Co-Parteichef der Grünen, Robert Habeck, im "ntv Frühstart" gesagt, dass die Debatte um die wiederholten Anpassungen nun wohl beendet sei. Dabei seien Kleinigkeiten zu Popanzen aufgebauscht worden. Statt von "Korrekturen" im Lebenslauf sprach er lieber von "Präzisierungen". "Ich gehe davon aus: nun ist auch gut", sagte Habeck weiter.

"Kein Verbot von Kurzstreckenflügen"

Bei einem inhaltlichen Streit sprang der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Anton Hofreiter, Baerbock zur Seite. Hofreiter stellte klar, dass seine Partei keine Kurzstreckenflüge verbieten will. Die Aussagen Baerbocks seien in einer "verqueren Debatte" zu einem Verbot gemacht worden, für das sie sich nie ausgesprochen habe, sagte Hofreiter in einer Online-Fragerunde bei der 20. Jahreskonferenz des Rates für nachhaltige Entwicklung.

Gemeint gewesen sei vielmehr die Forderung, den Verkehr mit der Bahn so zu ertüchtigen, dass Kurzstreckenflüge überflüssig würden, erklärte Hofreiter. "Wir wollen Mobilität ermöglichen - allerdings CO2-frei." Leider sei es in den vergangenen Jahren versäumt worden, den Bahnverkehr entsprechend attraktiv zu machen. Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock hatte im Mai in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" erklärt, dass es Kurzstreckenflüge "perspektivisch nicht mehr geben" sollte. An dem Vorschlag gab es - unter anderem von Union und FDP - heftige Kritik.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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