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2018 über 200.000 Inlandsflüge Behörden und Ministerien sind Vielflieger

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Viele Angestellte von Behörden und Ministerien pendeln häufig per Flugzeug zwischen Bonn und Berlin.

(Foto: picture alliance / Oliver Berg/d)

Fliegen ist die klimaschädlichste Artsich fortzubewegen. Das gilt besonders für vermeidbare Kurzflüge, wie auf der Strecke zwischen Berlin und Bonn. Genau diese wird von Angestellten deutscher Ministerien und Behörden aber sehr häufig beflogen. Das muss sich ändern, findet nicht nur die Opposition.

Die Mitarbeiter der Bundesministerien und ihrer nachgeordneten Behörden haben im vergangenen Jahr 229.116 Flüge im Inland absolviert. Das berichtet die Zeitung "Welt" und beruft sich auf das Innenministerium, das diese Dienstreisen erfasst. Eine Abfrage bei den Ministerien ergab zudem, dass bei mehreren von ihnen die Zahl dieser Flugreisen in den ersten Monaten 2019 gestiegen ist. Auch in angegliederten Institutionen wie dem Bundesamt für Migration, der Bundesbank oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau gehören demnach Reisen per Flugzeug zum Arbeitsalltag.

Fliegen ist die klimaschädlichste Art sich fortzubewegen. Und angesichts der Erderwärmung sind gerade Inlandsflüge umstritten, weil es oftmals umweltfreundliche Alternativen gibt, etwa die Bahn. 2018 flogen laut Statistischem Bundesamt 23,5 Millionen Passagiere im Inland. Bei den Ministerien gehört das Verteidigungsressort dem Bericht zufolge zu den größten Vielfliegern. Seine Mitarbeiter flogen 2018 insgesamt 13.437 Mal inländisch, also 1119 Mal pro Monat.

Die Strecke von Berlin nach Bonn spielt für die Ministerien eine besondere Rolle, weil alle Ministerien zwei Dienstsitze haben, einen in Berlin und einen in Bonn. Allein die Mitarbeiter des Ressorts für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung flogen im vergangenen Jahr dem Bericht zufolge 4490 Mal diese Strecke.

Nicht alle Ressorts antworteten laut "Welt" vollständig auf die Fragen nach ihren Flugreisen. Fünf Ministerien verweigerten die Antwort komplett. Das Bildungsministerium etwa begründete dies damit, die Zahlen laut rechtlicher Lage nicht mitteilen zu müssen. Erst am Mittwoch hatte Grünen-Chef Robert Habeck vorgeschlagen, dass Beamte künftig in geringerem Umfang als bisher Dienstflüge bezahlt bekommen und auf andere Verkehrsmittel umsteigen sollten.

Vorschlag: Videokonferenz statt Dienstreise

Um die Zahl der Flugreisen zwischen Bonn und Berlin zu senken, soll der Umweltausschuss im Bundestag künftig mehr auf Videokonferenzen setzen. Das haben Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth und die Vorsitzende des Ausschusses, Sylvia Kotting-Uhl, vereinbart, wie eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums sagte. Sie wollen den Fraktionen demnach vorschlagen, dass bei den Sitzungen des Ausschusses die Bonner Kollegen künftig standardmäßig per Videokonferenz zugeschaltet werden können.

"Damit lassen sich viele bislang nötige Dienstreisen zwischen Bonn und Berlin vermeiden", sagte die Sprecherin. Seit dem Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin haben viele Ministerien sowohl in Berlin als auch in Bonn Fachleute - das gilt auch für das Umweltministerium. Diese reisen üblicherweise zu Ausschusssitzungen an, wenn ihre Expertise benötigt wird.

"Eine künftige Zuschaltung per Videokonferenz statt einer Dienstreise wäre eine klimafreundliche und wirtschaftlich sinnvolle Alternative", sagte die Sprecherin. Dass die Fachleute persönlich anwesend sind, wäre dann nur noch ausnahmsweise bei ausgewählten Themen und Tagesordnungspunkten erforderlich. Das Bundesumweltministerium wolle Dienstreisen "wo immer es geht" vermeiden. In den letzten Jahren seien für Besprechungen daher sehr viel häufiger Telefon- und Videokonferenzen genutzt worden, sagte sie.

Nach einem Vorstoß von SPD-Umweltministerin Svenja Schulze, Flugtickets für mehr Klimaschutz teurer zu machen, hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, dass Mitarbeiter des Ministeriums allein von Januar bis Juli 1740 Mal zwischen den Dienststätten hin und her geflogen seien. Seit Jahren gibt es die Forderung, die Regierung komplett nach Berlin zu verlegen.

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Quelle: n-tv.de, agr/dpa/AFP

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