Politik

Präsident leugnet Corona-Gefahr Belarus hält trotz Krise Militärparade ab

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Lukaschenko während der Parade. Die Angst vor dem Coronavirus hält er für eine "Psychose".

(Foto: picture alliance/dpa)

Auf der ganzen Welt sind Feierlichkeiten anlässlich des "Tags der Befreiung" wegen der Corona-Krise stark eingeschränkt. Nicht so in Belarus: Das Land feiert die einzige Militärparade weltweit, die Menschen stehen dicht an dicht. Präsident Lukaschenko sieht in Covid-19 kein Problem.

Die Ex-Sowjetrepublik Belarus (Weißrussland) hat trotz der Corona-Pandemie als einziges Land weltweit eine riesige Militärparade zum 75. Jahrestag des Sieges über den Hitlerfaschismus gefeiert. "Der Feiertag ist uns heilig", sagte Präsident Alexander Lukaschenko in Minsk. Der 9. Mai ist der wichtigste Feiertag des Landes.

Er wandte sich in seiner Rede auch an Kritiker der Parade in Zeiten des lebensgefährlichen Coronavirus. "Wir können nicht anders", betonte er. Belarus sei das den Opfern des Zweiten Weltkrieges schuldig. "Sie alle wollten leben, aber starben, damit wir leben", sagte Lukaschenko. "Das ist keine Demonstration der Stärke, sondern ein Gedenken an die heroische Geschichte", betonte der autoritär regierende Staatschef in Paradeuniform.

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Dicht gedrängt stehen die Menschen in Minsk.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Belarus gehörte zu jenen Ländern, die am meisten unter der Nazi-Herrschaft zu leiden hatten. In der Hauptstadt Minsk marschierten Tausende Soldaten ohne Virenschutz dicht an dicht durch das Zentrum, wie das Staatsfernsehen Belarus24.ru im Internet zeigte. Auch der berühmte sowjetische Weltkriegs-Panzer T-34 fuhr durch die Stadt - neben anderem schweren Kriegsgerät, darunter moderne Raketen. Am Himmel flogen Hubschrauber und Kampfflugzeuge.

Menschenmassen auf den Straßen

Auf einer festlich geschmückten Tribüne saßen auch die mit Weltkriegsorden dekorierten Veteranen und ihre Angehörigen. Die wenigsten trugen Mund- und Nasenschutz gegen das auch in Belarus grassierende Virus. Tausende Zuschauer, darunter Kinder und ältere Menschen, verfolgten bei sonnigem Wetter und Orchestermusik die Parade vom Straßenrand aus. Neben Freude über den historischen Sieg gab es auch Tränen der Trauer um die Opfer.

Den ganzen Tag waren in dem Land festliche Massenveranstaltungen geplant - trotz Warnungen auch von der Weltgesundheitsorganisation vor einer Ausbreitung des Virus. Insgesamt geht das Leben in dem Land zwischen dem EU-Mitglied Polen und Russland im Grunde weiter wie gewohnt.

Lukaschenko hatte die Einschränkungen in anderen Ländern immer wieder als Panikmache bezeichnet. Sein Land komme gut zurecht mit der Versorgung von Kranken. Belarus lasse sich nicht unterkriegen, hatte er betont. Weißrussland hat keine Ausgangssperre oder Abstandsregeln zur Eindämmung der Pandemie verhängt und anders als andere Länder weltweit seine Grenzen offengelassen. Lukaschenko hat die Angst vor dem Coronavirus als "Psychose" abgetan und stattdessen Wodka-Trinken, Saunabesuche oder Eishockey-Spiele zur Bekämpfung des Virus empfohlen.

Putin appelliert in Rede an Einigkeit Russlands

Nachbar Russland kritisierte die Veranstaltung als unvernünftig. Präsident Wladimir Putin hatte die größte Militärparade in seinem Land wegen der Gefahr durch das Virus auf einen späteren Zeitpunkt verlegt. In einer Rede zum 75. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland hat er sein Land zur Einigkeit aufgerufen. Russland sei "unbesiegbar", wenn alle Russen zusammenstünden, sagte Putin in der im Fernsehen übertragenen Ansprache am Grabmal des unbekannten Soldaten in Moskau. In der Parkanlage beim Kreml legte Putin einen Kranz ab.

Den Sieg über Nazi-Deutschland bezeichnete Putin als "heiligen" Tag für Russland. 27 Millionen sowjetische Soldaten hätten im Zweiten Weltkrieg "das Heimatland und das Leben der folgenden Generationen gerettet, Europa befreit und die Welt verteidigt". Die im Krieg gefallenen Soldaten würdigte er mit einer Schweigeminute. Nach Putins Rede flogen Kampfjets über das menschenleere Zentrum der russischen Hauptstadt und zogen die Farben der russischen Flagge in den Himmel.

Zum 75. Jahrestag des Kriegsendes war ursprünglich eine große Gedenkveranstaltung mit 15.000 Soldaten geplant, zahlreiche Staats- und Regierungschefs waren eingeladen. In seiner Rede versprach Putin, das Gedenken an den Sieg über Nazi-Deutschland werde zu einem späteren Zeitpunkt "angemessen" nachgeholt.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/rts/AFP