Politik

"Ein kleines Arschloch" Belgien überstellt Abdeslam nach Frankreich

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Salah Abdeslam sieht sich nicht als einer der Drahtzieher von Paris. In seinen Verhören bezeichnete er den inzwischen getöteten Abdelhamid Abaaoud Verantwortlichen.

(Foto: AP)

Mitte März nimmt die Polizei in Brüssel Salah Abdeslam fest. Er gilt als einer der Drahtzieher der Anschläge von Paris. Weil ihm der Prozess in Frankreich gemacht werden soll, liefern die Behörden den 26-Jährigen jetzt aus. Für Aufsehen sorgt derweil sein Anwalt.

Belgien hat den Terrorverdächtigen Salah Abdeslam an Frankreich ausgeliefert. Er sei am Mittwochmorgen an die französischen Behörden übergeben worden, teilte die Brüsseler Staatsanwaltschaft mit. Die Pariser Ermittlungsbehörden bestätigten die Auslieferung ebenfalls. Der 26-Jährige sei nach seiner Ankunft über die Haftgründe informiert worden, teilte sie mit. Er werde noch im Laufe des Tages einem Richter vorgeführt, um ihn in Untersuchungshaft zu nehmen.

Abdeslam gilt als einer der Hauptverantwortlichen der Pariser Anschläge und als einziger überlebender Attentäter. Die belgische Polizei hatte ihn Mitte März im Brüsseler Stadtteil Molenbeek festgenommen.

Wenig zurückhaltend äußerte sich derweil sein Anwalt. In der französischen Zeitung "Libération" sagte Sven Mary: "Das ist ein kleines Arschloch aus (dem Brüssler Stadtteil) Molenbeek, hervorgegangen aus der Kleinkriminalität, eher ein Mitläufer als ein Anführer. Er hat die Intelligenz eines leeren Aschenbechers, er ist von einer abgrundtiefen Leere."

In seinen Verhören relativierte der 26-Jährige seine Rolle im Zusammenhang mit den Attentaten. Er bezeichnete den inzwischen getöteten Abdelhamid Abaaoud als Drahtzieher der Anschläge, bei denen im vergangenen November 130 Menschen von drei Terrorkommandos getötet wurden. Abdeslam will dagegen nur für Infrastruktur gesorgt haben.

Bei den Anschlägen war Abdeslam nach seinen Angaben Teil des Kommandos, das sich am Stade de France in Saint-Denis in die Luft sprengen sollte. Dort spielte gerade die französische Nationalmannschaft gegen das deutsche Team. Statt sich in die Luft zu sprengen, warf Abdeslam seinen Sprengstoff allerdings weg und flüchtete nach Belgien.

Abdeslam war am 18. März festgenommen worden - vier Tage vor den Anschlägen vor Brüssel. Auch an der Planung dieser Anschläge soll er beteiligt gewesen sein.

Quelle: ntv.de, chr/AFP/dpa