Krisen in Gaza und SudanBericht: 266 Millionen Menschen litten 2025 unter Hunger

Weltweite Kriege und Konflikte führen zu akuter Ernährungsunsicherheit. Mehr als 250 Millionen Menschen sind im vergangenen Jahr von Hunger betroffen. Eine Verbesserung ist nicht absehbar – im Gegenteil, die Lage droht sich zu verschärfen.
Die Zahl hungernder Menschen bleibt nach einem Bericht des Globalen Netzwerks gegen Hungerkrisen (GNAFC) auf einem dramatisch hohen Niveau. Im vergangenen Jahr waren 266 Millionen Menschen in 47 Ländern von akuter Ernährungsunsicherheit bedroht, wie es in dem aktuellen "Global Report on Food Crises" heißt. 1,4 Millionen Menschen mussten demnach unter katastrophalen Bedingungen ausharren - in Teilen von Haiti, Mali, dem Gazastreifen, dem Südsudan, dem Sudan und dem Jemen. Zudem waren im vergangenen Jahr 35,5 Millionen Kinder akut unterernährt.
Besonders konzentriert ist die Krise in wenigen Ländern: Die meisten Betroffenen leben in nur zehn Ländern, etwa Afghanistan, dem Sudan und dem Jemen. Insgesamt hat sich akute Ernährungsunsicherheit dem Bericht zufolge in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Das Ausmaß von Hunger bleibe alarmierend hoch. In dem Bericht wird hervorgehoben, dass vergangenes Jahr erstmals in der Geschichte des Berichts zwei Hungersnöte ausgerufen wurden - in einem Regierungsbezirk des Gazastreifens sowie in Teilen des Sudans.
Mit Blick auf das laufende Jahr zeichnet das Netzwerk ein düsteres Bild: Anhaltende Konflikte, klimatische Bedingungen sowie globale wirtschaftliche Unsicherheit dürften die Lage in vielen Ländern auf kritischem Niveau halten oder sogar verschlechtern, heißt es.
Mögliche Krisen durch Iran-Krieg
Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran habe die Besorgnis noch verstärkt, erklärt der Leiter des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) der Vereinten Nationen, Alvaro Lario. Seine Organisation ist an der Erstellung des Berichts beteiligt. Er warnt, dass eine anhaltende Störung des Energie- und Düngemittelhandels auf die globalen Lebensmittelmärkte übergreifen und Hungersnöte in importabhängigen, krisengeschüttelten Ländern verschärfen könnte. "Selbst wenn der Konflikt im Nahen Osten sofort enden würde, wissen wir, dass viele der Preisschocks bei Lebensmitteln und die Inflation in den nächsten sechs Monaten eintreten werden". Der GNAFC-Bericht äußert eine ähnliche Sorge, hält eine genaue Bewertung allerdings für zu früh.
Man beobachte keine vorübergehenden Schocks mehr, sondern dauerhafte Krisen, sagt Lario. "Die Hauptbotschaft ist, dass Ernährungsunsicherheit kein isoliertes Problem mehr ist, sondern die globale Stabilität unter Druck setzt."
Weniger Finanzierung für Maßnahmen
Das Bundesentwicklungsministerium war dem Globalen Netzwerk gegen Hungerkrisen Anfang des Jahres beigetreten. Niels Annen, Staatssekretär im Entwicklungsministerium, mahnt laut Mitteilung mit Blick auf den Bericht ein "starkes, gemeinsames und koordiniertes Handeln" an, das "humanitäre Hilfe und langfristige Entwicklungszusammenarbeit miteinander verbinden".
Die Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger kritisiert angesichts der Ergebnisse des Berichts einen Rückgang der Finanzierung humanitärer Maßnahmen. Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger, forderte "mehr internationale Solidarität, verlässliche finanzielle Zusagen und entschlossenes politisches Handeln". Es geht darum, weitere Hungerkatastrophen zu verhindern und Millionen Menschen den Zugang zu Nahrung zu sichern.