Politik

"Werde mit den Folgen arbeiten"Bericht: Venezuelas Präsidentin Rodriguez kooperierte vor Maduro-Sturz mit den USA

22.01.2026, 17:07 Uhr
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"Maduro muss weg", soll Delcy Rodríguez der US-Regierung mitgeteilt haben. (Foto: REUTERS)

Bei einem der außergewöhnlichsten Einsätze in der US-Geschichte wird der venezolanische Machthaber Maduro Anfang Januar gefangengenommen. Übergangspräsidentin Rodríguez soll bereits Monate vorher mit den USA zusammengearbeitet und seinen Abgang begrüßt haben.

Bevor das US-Militär Anfang dieses Monats Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro gewaltsam absetzte, soll seine frühere Stellvertreterin Delcy Rodríguez laut einem Medienbericht den USA die Zusammenarbeit zugesichert haben. Das berichtet die britische Zeitung "The Guardian" unter Berufung auf vier Insider, die auf hoher Ebene in die Gespräche involviert gewesen sein sollen.

Demnach versprachen Rodríguez und ihr einflussreicher Bruder Jorge, der Vorsitzende der Nationalversammlung ist, mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump zusammenzuarbeiten, sobald der venezolanische Machthaber weg sei. Zudem sollen sie den Quellen zufolge US-amerikanischen und katarischen Beamten im Vorfeld im Geheimen über Mittelsmänner zugesichert haben, dass sie Maduros Abgang begrüßen würden.

Die USA hatten Anfang Januar bei einem Militärangriff gegen Venezuela Machthaber Maduro und dessen Frau Cilia Flores gefangen genommen. Ihnen soll in den USA wegen "Drogenterrorismus" der Prozess gemacht werden. Rodríguez wurde am 5. Januar als Interimspräsidentin anstelle von Maduro vereidigt.

Die Kommunikation zwischen US-Beamten und der damaligen Vizepräsidentin Maduros habe bereits im Herbst begonnen und setzte sich fort, nachdem Trump und Maduro Ende November ein entscheidendes Telefongespräch geführt hatten, berichtet der "Guardian" weiter. In diesem Gespräch forderte Trump Maduro zum Rücktritt auf und Venezuela zu verlassen. Maduro wies die Forderung jedoch zurück.

Im Dezember berichtete ein beteiligter Amerikaner dem "Guardian", dass Delcy Rodríguez der US-Regierung mitgeteilt habe, sie sei bereit: "Delcy sagte: 'Maduro muss weg'", wird der Insider zitiert. Zudem soll sie einem anderen Insider zufolge gesagt haben: "Ich werde mit den Folgen arbeiten." Auch soll laut einem Bericht von Reuters der mächtige venezolanische Innenminister Diosdado Cabello bereits Monate vor der Maduro-Operation Gespräche mit den USA geführt haben. Cabello kontrolliert die Polizei und die Sicherheitskräfte.

Laut den Quellen war Marco Rubio, Trumps Außenminister und nationaler Sicherheitsberater, anfangs skeptisch gegenüber einer Zusammenarbeit mit Mitgliedern des Regimes. Er sei aber zu der Überzeugung gekommen, dass die Versprechen von Delcy Rodríguez der beste Weg seien, Chaos zu verhindern, sobald Maduro weg sei.

Insider: Kein Putsch gegen Maduro

Die von Delcy und Jorge Rodríguez vor der Absetzung Maduros zugesagte Kooperation wurde bisher nicht erwähnt. Alle Quellen sollen laut dem "Guardian" nun bestätigen, dass die Vereinbarung mit Delcy Rodríguez einen wichtigen Unterschied enthielt: Die Familie Rodríguez habe zwar versprochen, die USA nach Maduros Sturz zu unterstützen, habe aber nicht zugestimmt, aktiv an seinem Sturz mitzuwirken. Die Quellen betonen demnach, dass es sich nicht um einen von den Geschwistern Rodríguez inszenierten Putsch gegen Maduro handelte.

Als Stellvertreterin und enge Verbündete Maduros war die Kooperation mit den USA ein heikler Balanceakt. Obwohl ihr das Angebot unterbreitet wurde, weigerte sie sich laut Quellen, Maduro aktiv zu verraten. "Sie hatte Angst vor ihm", sagte ein mit den Vorgängen vertrauter Beamter laut "Guardian". Als Anfang Januar US-Kampfhubschrauber in Caracas einflogen, um Maduro gefangenzunehmen, war Delcy Rodríguez spurlos verschwunden. Gerüchte machten die Runde, sie sei nach Moskau geflohen, doch zwei Quellen berichten, sie befinde sich auf der Isla Margarita, einem venezolanischen Urlaubsort.

Quelle: ntv.de, gut

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