Politik

Nur drei Überlebende Boot mit 86 Flüchtlingen sinkt vor Tunesien

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Vor der nordafrikanischen Küste kentern immer wieder Boote mit Flüchtlingen an Bord - so wie hier im April 2015.

(Foto: Opielok Offshore Carriers/dpa)

Mitten in der Diskussion um Seenotrettung auf dem Mittelmeer kommt von dort eine erneute Schreckensnachricht: Mehr als 80 Migranten kommen dort vermutlich bei einem Schiffsunglück ums Leben. Derweil rettet eine Hilfsorganisation 54 andere Schiffbrüchige vor dem Ertrinken.

Nach einem Bootsunglück vor der Küste Tunesiens befürchten Helfer den Tod von mehr als 80 Menschen. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) teilte unter Berufung auf einen Überlebenden mit, das Schlauchboot der Flüchtlinge sei am Mittwoch nur wenige Stunden nach dem Start in Libyen gesunken. Vor der nordafrikanischen Küste spielen sich immer wieder Tragödien mit dutzenden Toten ab. Erst im Mai waren vor der tunesischen Küste 60 Migranten ertrunken.

Die Hilfskräfte gingen davon aus, dass vermutlich nur drei Menschen das Unglück überlebten. Wajdi Ben Mhamed, bei der IOM für Südtunesien zuständig, sagte, er habe einen der drei Überlebenden des Unglücks in einem Krankenhaus in der südtunesischen Stadt Zarzis gesprochen. Der junge Mann aus Mali stehe "noch immer unter Schock". Er wisse nicht, was mit den anderen Menschen an Bord des Boots geschehen sei. "Sie sind verschwunden; es ist wahrscheinlich, dass sie ertrunken sind", sagte Mhamed.

"Es steht zu befürchten, dass rund 80 Migranten tot sind", schrieb IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo auf Twitter. Weitere Informationen seien jedoch nötig, um zu klären, wie es zu dem Unglück gekommen und wie hoch die tatsächliche Zahl der Opfer sei. Nach Angaben des Überlebenden war das Boot mit 86 Menschen am frühen Mittwochmorgen von der östlich von Tripolis gelegenen libyschen Stadt Zouara aufgebrochen und einige Stunden später gesunken. Ziel der Migranten sei Italien gewesen. Fischer hatten die tunesische Küstenwache alarmiert, als sie das in Seenot geratene Boot sichteten. Drei Malier und ein Ivorer wurden laut der Hilfsorganisation Roter Halbmond und der Marine vor Zarzis im Meer aufgegriffen. Der Ivorer starb später im Krankenhaus.

54 Schiffbrüchige eines anderen gekenterten Schiffs hatten mehr Glück: Sie wurden von einer italienischen Hilfsorganisation an Bord der "Alex Mediterranea" genommen. "Wir sind enorm glücklich, 54 Menschen aus der Hölle Libyen entrissen zu haben", hieß es - denn erst kürzlich starben viele Migranten bei einem Luftangriff auf ein Internierungslager in Libyen. Nun sei ein sicherer Hafen notwendig. Italiens Innenminister Matteo Salvini wehrte ab. Das schiff solle nach Tunesien fahren, erklärte er.

Tunesien fühlt sich nicht verantwortlich

Tunesiens Ministerpräsident Youssef Chahed erklärte jedoch nach dem jüngsten Schiffsunglück mit zahlreichen Toten, "die Flüchtlingsfrage" liege nicht in der Verantwortung Tunesiens. Vielmehr müssten "alle Länder Verantwortung übernehmen". Erst im Mai waren 60 Menschen bei der Überfahrt über das Mittelmeer vor der tunesischen Küste ums Leben gekommen. Das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR hatte damals von einem der "schlimmsten Vorfälle im Mittelmeer in den vergangenen Monaten" gesprochen.

Immer wieder ertrinken zahlreiche Flüchtlinge im Mittelmeer beim Untergang ihrer oft nicht seetüchtigen Boote, die meisten beim Versuch der Überfahrt von Libyen in einen EU-Staat. Das UNHCR spricht von "der tödlichsten Meeresüberquerung der Welt". Trotz anhaltender Konflikte ist Libyen nach wie vor eines der wichtigsten Transitländer für Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Staaten oder dem Nahen Osten, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen.

Die EU hat die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer vorerst eingestellt. Auch die meisten Hilfsorganisationen können ihre Rettungsmissionen wegen politisch gewollter Hürden nicht mehr aufrecht erhalten.

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa/AFP