Mobilisierung wird schwierigerBrechen Russland die Freiwilligen für den Krieg weg?

Mittlerweile berichtet die ukrainische Seite immer öfter, dass Russland weniger Soldaten für den Krieg mobilisieren würde. Im vergangenen Monat soll die Zahl deutlich zurückgegangen sein. Auf eine unmittelbare Personalkrise dürfte das aber nicht hindeuten.
Dem Kommandeur der ukrainischen Drohneneinheiten zufolge haben die russischen Streitkräfte im Januar nur rund 22.000 Soldaten für den Krieg gegen die Ukraine rekrutiert. Die Zahl der verifizierten eliminierten russischen Kämpfer habe bei circa 30.600 gelegen, teilte Robert "Magyar" Brovdi in sozialen Netzwerken mit. Das würde einen negativen Saldo von 8600 Soldaten bedeuten. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Viele Experten waren lange Zeit davon ausgegangen, dass Russland seine Verluste von monatlich etwa 30.000 getöteten oder schwer verwundeten Soldaten in der Ukraine größtenteils mit der Rekrutierung von freiwilligen Vertragssoldaten ausgleichen kann. Diese werden mit enorm hohen Prämien gelockt. Seit Ende letzten Jahres soll die Mobilisierung von Freiwilligen jedoch weniger gut laufen.
Schon im Dezember lag die Zahl der rekrutierten Soldaten in Russland laut ukrainischen Angaben niedriger als die Zahl der im Krieg verlorenen. Der ukrainische Armeechef Syrskyj schrieb in einem Beitrag, Moskau sei schon "seit Langem" nicht mehr in der Lage, seine Truppen zu verstärken. Jeden Monat seien die Verluste höher als die Mobilisierungsrate.
Vor einer Personalkrise soll die russische Armee dennoch nicht stehen. Das Medium Kyiv Independent berichtete unter Berufung auf Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes, dass der Kreml die Zahl der Rekrutierung von Vertragssoldaten bei Bedarf jederzeit erhöhen könnte. Es wird davon ausgegangen, dass die Mobilisierungsrate in diesem Jahr mindestens 400.000 betragen wird.
Einzug der aktiven Reserve möglich
Zudem wurden im Herbst des vergangenen Jahres laut dem Institut für Kriegsstudien (ISW) die rechtlichen Bedingungen geschaffen, um Reservisten im Kampf einzusetzen. "Der Kreml bereitet sich darauf vor, Reservisten schrittweise zu mobilisieren, um erstmals in der Ukraine zu kämpfen", hieß es von der US-Denkfabrik.
Das ISW gab unter Berufung auf russische Quellen an, dass die aktive russische Reserve zwei Millionen Mitglieder hat. Es handelt sich demnach um Soldaten, die ihren Grunddienst abgeleistet haben, und Bürger, die freiwillig einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium geschlossen haben. Sie bleiben bis zu ihrer Einberufung Zivilisten und erhalten eine finanzielle Entschädigung für ihre Tätigkeit in der Reserve.
Um eine großangelegte Mobilisierung, die in der Bevölkerung unbeliebt ist, drückt sich der Kreml seit Jahren. 2022 hatte eine Teilmobilisierung von 300.000 Reservisten dazu geführt, dass Hunderttausende Männer - zumindest zeitweise - ins Ausland flohen.
Um eine Personalkrise auf russischer Seite herbeizuführen, hat die Ukraine sich zum Ziel gesetzt, dauerhaft 50.000 Soldaten pro Monat zu eliminieren. Dies soll vorrangig durch den Einsatz von Drohnen erreicht werden und könnte dazu führen, dass Moskau immer mehr zu empfindlichen Personalentscheidungen gezwungen ist, um die Verluste auszugleichen.