Politik

Neue Erkenntnisse zu Terror-Zelle Brüssel-Attentäter hatten Paris im Visier

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Belgische Polizisten während einer Anti-Terror-Razzia in Anderlecht.

(Foto: dpa)

Die französische Hauptstadt ist offenbar nur knapp einem dritten schweren Anschlag entgangen: Die Hintermänner des Attentats vom 13. November wollten Ermittlern zufolge erneut in Paris zuschlagen. Aus Zeitgründen seien sie aber auf Brüssel ausgewichen.

Die Brüsseler Dschihadisten-Zelle wollte nach Angaben belgischer Ermittler ursprünglich ein weiteres Mal in Frankreich zuschlagen und nicht in Brüssel. Das gab die Staatsanwaltschaft in Brüssel bekannt. Die Extremisten aus dem Brüsseler Brennpunktviertel Molenbeek gehörten zu den Attentätern der Paris-Anschläge mit 130 Toten am 13. November.

Für einen weiteren Anschlag in Paris habe den Extremisten aber die Zeit gefehlt, teilten die Ermittler mit. Deshalb seien sie auf die belgische Hauptstadt ausgewichen. Bei den Selbstmordanschlägen am 22. März wurden 32 Menschen getötet. Bei beiden Attentaten bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu den Anschlägen, die in Syrien, im Irak und in Libyen große Gebiete beherrscht.

"Viele Elemente in den Ermittlungen haben gezeigt, dass die Terrorgruppe ursprünglich die Absicht hatte, ein zweites Mal Frankreich zu treffen", erklärte die Generalstaatsanwaltschaft. "Von der Geschwindigkeit der Fortschritte der laufenden Ermittlungen überrascht, trafen sie eilig die Entscheidung, in Brüssel zuzuschlagen."

Die Erkenntnisse stehen offenbar in Zusammenhang zu den zahlreichen Festnahmen vom Freitag, darunter der als "Mann mit dem Hut" gesuchte dritte Terrorverdächtige vom Brüsseler Flughafen, Mohamed Abrini. Dem 31-jährigen Belgier werden Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in leitender Funktion sowie terroristische Morde vorgeworfen - allerdings bisher im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen.

Zwei Anschläge, eine Terror-Zelle

Mit der Identifizierung Abrinis wurde deutlich, dass die Täter der Brüsseler und Pariser Terroranschläge in äußerst enger Verbindung standen. Denn Abrini war auch in die Mordserie von Paris verwickelt, obwohl seine genaue Rolle unklar ist. Er war zwei Tage vor den Attentaten gemeinsam mit dem inzwischen festgenommenen Salah Abdeslam an einer Tankstelle an der Autobahn nach Paris gefilmt worden. Mit Abdeslam, einem Hauptverdächtigen der Paris-Ermittlungen, soll Abrini auch eine Unterkunft für die Terroristen nahe Paris gemietet haben.

Mit Osama K. ist zudem der zweite überlebende Terrorverdächtige, der an einem der Tatorte beobachtet wurde, verhaftet worden. Er konnte als Begleiter des Brüsseler Attentäters, der sich in der Metro in die Luft sprengte, identifiziert werden. Auch beim Einkauf der Taschen, die die Terroristen bei den Anschlägen nutzen, sei er dabei gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ihm wird die Beteiligung an terroristischen Morden zur Last gelegt. Gegen ihn, Abrini und zwei weitere Männer wurde Haftbefehl erlassen, allen wird die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Quelle: ntv.de, shu/dpa/AFP