"Terrorismus"-Akt in BerlinBund setzt Millionen-Belohnung nach Anschlag auf Stromnetz aus

Nach einem mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag auf die Berliner Stromversorgung haben Zehntausende Haushalte tagelang keinen Strom. Um die Täter zu schnappen, ist der Bund bereit, tief in die Tasche zu greifen. Berlins Innensenatorin spricht von einem "einmaligen Vorgang".
Für Hinweise zu den Tätern beim vermutlich linksextremen Brandanschlag auf die Stromversorgung in Berlin ist nach Angaben von Innensenatorin Iris Spranger eine Million Euro Belohnung ausgesetzt worden. Diese Summe habe "der Bund" ausgelobt, sagte Spranger im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Das sei ein "einmaliger Vorgang" in Bezug auf die Größenordnung der Summe und auch auf die Situation, sagte Spranger weiter. Sie betonte: "Wir sprechen hier über Terrorismus." Das Bundesinnenministerium verwies bei dem Thema Belohnung auf die zuständige Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die die Ermittlungen zu dem Brandanschlag vom 3. Januar an sich gezogen hatte und sie zusammen mit dem Bundeskriminalamt (BKA) führt.
Bei dem Anschlag war Anfang Januar eine Kabelbrücke in Brand gesetzt worden. In der Folge waren zeitweise rund 45.000 Haushalte sowie etwa 2200 Gewerbeeinheiten ohne Strom. Zu der Tat bekannte sich eine linksextremistische Gruppierung, die sich selbst "Vulkangruppe" nennt. Das Landes- und das Bundeskriminalamt sowie der Verfassungsschutz stuften das Bekennerschreiben als glaubwürdig ein. Darin erklärte die Gruppe, Stromausfälle seien "nicht Ziel der Aktion", sondern richteten sich gegen die fossile Energiewirtschaft.
Nach Angaben des Verfassungsschutzes existieren sogenannte Vulkangruppen seit 2011. Ihnen werden seitdem zahlreiche Brandanschläge in Berlin und Brandenburg zugeschrieben. Die Ziele reichen von Kabelschächten an Bahntrassen über Funkmasten und Datenleitungen bis hin zu Firmenfahrzeugen. Im Verfassungsschutzbericht 2024 werden die Gruppen im Zusammenhang mit "Militanz gegen kritische Infrastruktur und neue Technologien" genannt. Es handele sich um eine oder mehrere Kleinstgruppen, die sich aus Frustration über eine aus ihrer Sicht stagnierende Szene zunehmend radikalisiert hätten.
In der Vergangenheit bekannten sich Vulkangruppen unter anderem zu zwei Anschlägen auf die Tesla-Fabrik im brandenburgischen Grünheide. Im Mai 2021 wurde dort die Stromversorgung des Werks durch Brandstiftung beschädigt, im März 2024 ein Hochspannungsmast in unmittelbarer Nähe zerstört. In beiden Fällen waren das Werk und umliegende Orte zeitweise ohne Strom. Die Täter bezeichneten Tesla dabei als Symbol eines "grünen Kapitalismus". Bereits 2020 bekannte sich eine Vulkangruppe zudem zu einem Brandanschlag auf das Berliner Heinrich-Hertz-Institut, das an der Entwicklung der Corona-Warn-App beteiligt war.