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Linke nennt Schritt "überfällig" Bund streicht Mittel für Moscheeverband

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In den vergangenen Jahren erhielt Ditib aus verschiedenen staatlichen Töpfen Geld.

picture alliance/dpa

Der deutsch-türkische Moscheeverband Ditib ist formal unabhängig. Doch seine Imame werden von einer türkischen Religionsbehörde entsandt. Die Nähe zu Ankara bringt dem Verein immer wieder Kritik ein. Nun muss er sich neue Geldgeber suchen.

Die Bundesregierung will vorerst keine Projekte des deutsch-türkischen Moscheeverbands Ditib mehr fördern. "Es wurde die Ditib betreffende Förderpraxis überprüft", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums auf Anfrage in Berlin. Demnach wurden vom Bund schon seit 2017 keine neuen Anträge auf Förderung von Projekten mehr bewilligt, die in der alleinigen Trägerschaft von Ditib lagen.

Der Dachverband türkischer Moscheegemeinden in Deutschland ist formal ein unabhängiger deutscher Verein. Allerdings werden die Imame in den Ditib-Moscheen in der Regel von der türkischen Religionsbehörde Diyanet entsandt, die direkt der Regierung in Ankara untersteht. Kritiker werfen Ditib daher vor, der verlängerte Arm des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu sein.

Die Zusammenarbeit mit den Moscheegemeinden in Deutschland ist allerdings in erster Linie Sache der Bundesländer. Lediglich etwa bei der Förderung bestimmter Projekte ist auch der Bund beteiligt. Im vergangenen Jahr waren Ditib-Imame in Deutschland beschuldigt worden, im Auftrag von Diyanet Informationen über Regierungsgegner und Anhänger des in den USA lebenden türkischen Predigers Fethullah Gülen an die türkischen Konsulate geliefert zu haben. Der Moscheeverband hatte dies zurückgewiesen. Des Weiteren war der Verband mit Sitz in Köln in die Kritik geraten, weil Kinder in einigen Ditib-Gemeinden in Uniformen und mit türkischen Fahnen Kriegsszenen nachspielen sollten.

"Es ist grotesk und gefährlich"

In den vergangenen Jahren hatte Ditib aus verschiedenen staatlichen Töpfen Geld erhalten, vor allem über die Förderung im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes und das beim Familienministerium angesiedelte Programm "Demokratie leben!". Ein Ziel dieser Projekte war es, einer Radikalisierung muslimischer Jugendlicher vorzubeugen.

Die stellvertretende Fraktionschefin der Linken, Sevim Dagdelen, bezeichnete den von ihrer Partei seit langem geforderten Schritt als überfällig. "Es ist grotesk und gefährlich, dass der von Ankara gesteuerte Moscheeverband selbst nach Bekanntwerden der Imam-Spitzelaffäre weiter mit deutschen Steuermitteln gesponsert wurde. Die Länder sind jetzt aufgefordert, hier nachzuziehen."

Der CDU-Innenexperte Christoph de Vries sagte der "Bild"-Zeitung: "Wer Nationalismus verbreitet, Hass gegen Christen, Juden oder Menschen ohne Glaubensbekenntnis verbreitet und hier im Auftrag der türkischen Regierung spioniert, kann kein Partner im Kampf gegen religiösen Extremismus in Deutschland sein."

Unterdessen traf der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, mit Innenminister Horst Seehofer zu einem Meinungsaustausch zusammen. Dabei ging es nach ZMD-Angaben unter anderem um die "Institutionalisierung des Islam in Deutschland", eine nachhaltige Bekämpfung des Extremismus und um eine Kultur des Zusammenhaltes und der Toleranz in Deutschland.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

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