Politik

Mord im Kleinen Tiergarten Bundesanwalt verdächtigt offenbar Moskau

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Der Schütze saß auf einem Fahrrad, als er das Opfer erschoss. Polizeitaucher fanden später in der Nähe ein Fahrrad und eine Waffe in der Spree.

(Foto: imago images/Olaf Wagner)

Vor drei Monaten wird in einem kleinen Berliner Park ein Georgier erschossen. Hat Russland einen Auftragsmord in Deutschland angeordnet? Diesen Verdacht hat offenbar die oberste deutsche Ermittlungsbehörde und will die Ermittlungen einem Bericht zufolge an sich ziehen.

Die Generalbundesanwaltschaft steht anscheinend kurz davor, die Ermittlungen zum Mord an einem Georgier im Kleinen Tiergarten in Berlin zu übernehmen. Der "Spiegel" berichtet, die Entscheidung dazu dürfte in den kommenden Tagen fallen. Deutschlands oberste Strafverfolgungsbehörde verdächtigt demnach staatliche russische Organe als Drahtzieher der Tat, bei der Ende August der 40-jährige Zelimkahn Kangoshvili im Kleinen Tiergarten erschossen wurde. Ein Sprecher der Generalbundesanwaltschaft sagte dazu nur, dass das Verfahren bislang nicht übernommen wurde.

Sollte Chefankläger Peter Frank die Ermittlungen an sich ziehen, dürfte das für neue diplomatische Spannungen mit Russland sorgen. Schließlich würde seine Behörde somit Moskau eines Auftragsmordes in Deutschland beschuldigen. Am helllichten Tag hatte ein Fahrradfahrer auf den Tschetschenen mit georgischer Staatsangehörigkeit gefeuert. Die Polizei nahm kurz darauf einen Verdächtigen fest - laut seinem Pass ein russischer Staatsbürger namens Vadim Sokolov. Er sitzt in Untersuchungshaft. Das Opfer soll im zweiten Tschetschenien-Krieg gegen Russen gekämpft haben.

Nun spricht der "Spiegel" von einem Durchbruch bei den Ermittlungen. Der Verdächtige habe als mutmaßlicher Mörder eines russischen Geschäftsmannes 2013 identifiziert werden können, heißt es. In dem Fall habe Russland die internationale Fahndung nach dem Tatverdächtigen 2015 eingestellt. Dies sei ausschlaggebend für die Übernahme der Ermittlungen zum Mordfall im Kleinen Tiergarten durch die Bundesanwaltschaft.

"Vom Gesetz geschützte Person"

Mehrere Medien hatten bereits über Indizien berichtet, die auf eine russische Beteiligung deuten würden. Unter anderem war bekannt geworden, dass der Name des Verdächtigen, Vadim Sokolow, nicht im nationalen russischen Reisepasssystem auftaucht. Auch gebe es Hinweise, dass der Verdächtige nicht wirklich "Sokolow" heiße, sondern eine falsche Identität benutze, schrieb der "Spiegel". In der Datenbank finde sich ein Sperrvermerk, wonach es sich um eine "vom Gesetz geschützte Person" handle. Der Kreml bestreitet jede Verwicklung in den Mord im Kleinen Tiergarten.

Wegen einer möglichen Verstrickung Russlands hatte es früh Forderungen nach einer Übernahme durch die Bundesanwaltschaft gegeben. Diese ist aber nur dann zuständig, wenn der Verdacht besteht, dass der Geheimdienst einer fremden Macht involviert ist.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa/AFP