Politik

Militärische ZusammenarbeitGeneralleutnant Freuding: Kontakte ins US-Verteidigungsministerium waren "abgebrochen"

02.12.2025, 17:36 Uhr
17th-Annual-Kyiv-Security-Forum-begins-in-Kyiv-Director-of-the-Joint-Planning-and-Command-Staff-at-the-Federal-Ministry-of-Defence-of-Germany-and-head-of-the-Special-Staff-for-Ukraine-Christian-Freuding-attends-the-17th-Annual-Kyiv-Security-Forum-Kyiv-Ukraine-on-May-8-2025
Generalleutnant Christian Freuding (Foto: IMAGO/Avalon.red)

In einem Gespräch über die militärische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA berichtet der Inspekteur des Heeres von anfänglichen Problemen nach dem US-Regierungswechsel im Januar, im Pentagon überhaupt jemanden erreichen zu können. Warum das so war, ist unklar.

Der deutsche Generalleutnant Christian Freuding hat im Gespräch mit dem Magazin "The Atlantic" von abgebrochenen Kontakten ins US-Verteidigungsministerium berichtet. Er bezog sich auf Vorkommnisse kurz nach dem Regierungswechsel in den USA im Januar. Freuding habe zuvor "Tag und Nacht" amerikanische Verteidigungsbeamte per Textnachricht erreichen können, sagte er. Doch nach dem Amtsantritt von Donald Trump sei die Kommunikation mit seinen Ansprechpartnern in Washington "abgebrochen, wirklich abgebrochen".

Als Beispiel nannte Freuding in dem Gespräch, das bereits im Spätsommer in Berlin stattfand, dass die Regierung von US-Präsident Donald Trump keinerlei Vorwarnung gegeben habe, bevor sie bestimmte Waffenlieferungen an die Ukraine aussetzte. Er habe sich an die deutsche Botschaft in Washington wenden müssen, um Informationen über die amerikanische Politik zu bekommen. Die deutsche Vertretung soll demnach versucht haben, einen Kontakt im Verteidigungsministerium zu finden.

Freuding war als Generalmajor im Bundesverteidigungsministerium 2022 bis 2023 Leiter des Lagezentrums Ukraine, zur Zeit des US-Regierungswechsels der Leiter des Planungs- und Führungsstabs. Seit 1. Oktober ist er Inspekteur des Heeres. Angesichts der Bedrohung durch Russland sagte Freuding über Deutschland: "Sie haben nicht nur einen Feind vor der Tür, sondern Sie sind auch dabei, einen wahren Verbündeten und Freund zu verlieren."

Eklat bei Münchener Sicherheitskonferenz

Das Verhältnis zu den USA hatte bereits kurz nach der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump einen Dämpfer erhalten. Bei der Münchener Sicherheitskonferenz im Februar dieses Jahres ging US-Vizepräsident JD Vance europäische Verbündete scharf an, weil bei ihnen angeblich die Meinungsfreiheit auf dem Rückzug sei. Gemeint war damit ausdrücklich auch Deutschland. Bundesverteidigungsminister Pistorius reagierte deutlich und sagte, die Aussagen seien "nicht akzeptabel".

Auch beim Thema Ukraine und Russland sind Washington und Berlin des Öfteren nicht auf einer Wellenlänge. Während Teile der US-Regierung für ein Abkommen für ein Kriegsende immer wieder stark auf russische Forderungen eingehen, äußern Staaten wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien deutliche Kritik und intervenieren. So geschehen kürzlich in Genf, als die Ukraine gemeinsam mit den Europäern Änderungen in einem von den USA und Russland ausgearbeiteten 28-Punkte-Plan erwirkte.

Ob Freudings Kontaktprobleme ein Einzelfall waren, ist unklar. Die US-Regierung hatte in verschiedenen Ministerien mehr Personal als nach Regierungswechseln üblich gekündigt oder ausgetauscht sowie Verantwortlichkeiten nach oben verschoben. Dies könnte dazu geführt haben, dass auf Arbeitsebene bestimmte Kontakte abbrachen. Von Kommunikationsproblemen auf oberster Ebene, wie sie es in Trumps erster Amtszeit gab, ist nichts bekannt.

Hinweis: In einer ersten Version des Textes fehlte der Zeitbezug von Freudings Aussagen. Wir haben die Stellen entsprechend angepasst.

Quelle: ntv.de, rog/rpe

DeutschlandUS-VerteidigungsministeriumUSADeutsche Verteidigungspolitik