Politik

Tornado-Standort in Türkei Bundeswehr prüft Alternative zu Incirlik

9cced70f70a4c09a1b11c7a3886e2cc5.jpg

Tornados der Bundeswehr landen auf der Air Base von Incirlik.

(Foto: dpa)

Von Incirlik starten deutsche Tornado-Flugzeuge, um IS-Stellungen auszukundschaften. Das Verhältnis zur Türkei wird aber immer schwieriger. Für alle Fälle sieht sich die Bundeswehr daher laut einem Bericht nach einem anderen Stützpunkt um.

Angesichts der innenpolitischen Lage in der Türkei bereitet die Bundeswehr einem Zeitungsbericht zufolge eine mögliche Verlegung der auf dem türkischen Nato-Stützpunkt Incirlik stationierten "Tornado"-Aufklärungsjets vor. Am Samstag starte deshalb ein Erkundungsteam aus Deutschland in die jordanische Hauptstadt Amman. Konkrete Pläne für eine Verlegung gebe es aber noch nicht, zitiert die "Bild"-Zeitung einen Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die Erkundung diene dazu, Alternativen für den Notfall zu entwickeln.

"Ob ein Abzug von Bundeswehrkräften aus Incirlik notwendig werden sollte, ist derzeit noch nicht absehbar", sagte der Sprecher. Falls doch, wäre eine Verlegung aber "in jedem Fall mit einer mehrere Wochen dauernden Pause der 'Tornado'-Einsatzflüge verbunden". Nach Informationen der Zeitung sollen als Ausweichstandorte auch Kuwait und Zypern im Gespräch sein.

Der Bundestag hatte am 10. November eine Verlängerung und Ausweitung des deutschen Anti-IS-Einsatzes beschlossen. Demnach sollen neben den "Tornado"-Aufklärungsjets, einem Tankflugzeug und einem Kriegsschiff künftig auch deutsche Soldaten in "Awacs"-Aufklärungsmaschinen die Luftangriffe gegen Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak unterstützen. Wie bisher dürfen maximal 1200 Bundeswehr-Soldaten zum Einsatz kommen.

Missbrauch von Militärdaten?

Gegen den Standort Incirlik gibt es wegen des zunehmend schwierigen Verhältnisses zur Türkei Bedenken. So hatte die Regierung in Ankara im Sommer monatelang Bundestagsabgeordneten Besuche der deutschen Soldaten verweigert. Überdies werden immer wieder Vorwürfe laut, die Aufklärungsdaten würden von türkischer Seite auch für Militäraktionen gegen syrische Kurden genutzt - die ihrerseits mit Unterstützung der USA den IS bekämpfen.

Für Spannungen sorgen auch die Massenverhaftungen in der Türkei – unter anderem waren Journalisten, Oppositionelle und andere Regierungskritiker sowie Zehntausende Beamte festgenommen oder suspendiert worden.Wegen des Unmuts vor allem unter SPD-Abgeordneten über das Vorgehen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen die Opposition im Land hatte die Bundesregierung im Verteidigungsausschuss eine Erklärung zu Protokoll gegeben, wonach auch Alternativstandorte zu Incirlik geprüft würden.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/AFP