Militärübung "Red Storm Charlie"Bundeswehr trainiert in Hamburg die Bekämpfung von Drohnen

Drei Tage lang trainieren Bundeswehr und zivile Kräfte in Hamburg den Ernstfall. Zum Auftakt steht das Bekämpfen feindlicher Drohnen auf dem Programm. Gegen die Übung regt sich allerdings auch Widerstand.
Die Bundeswehr, zivile Behörden, Organisationen und Unternehmen sind in Hamburg in ihre dreitägige Militärübung "Red Storm Charlie" gestartet. Als ersten größeren Test mussten Bundeswehr und Polizei zwei feindliche Drohnen vom Himmel holen, entschärfen und den Drohnenpiloten auf dem Terminalgelände O'Swaldkai des Hafenlogistikers HHLA unschädlich machen.
"Wir haben gerade gemeinsam erlebt den erfolgreichen Einstieg für die mehrtägige Gemeinschaftsübung 'Red Storm Charlie'", sagte Innensenator Andy Grote. Im Ernstfall werde es sehr darauf ankommen, dass das Zusammenspiel zwischen Bundeswehr und den zivilen Dienststellen, gerade den Sicherheitsbehörden gut funktioniere. "Deswegen haben wir ein Szenario jetzt geübt, einen Drohnenangriff auf einen Militärkonvoi, der dann gemeinschaftlich von Bundeswehr und Polizei bekämpft wird."
Das Thema Drohnenangriff auf den Hamburger Hafen als kritische Infrastruktur beschäftige die Sicherheitsbehörden schon lange, sagte Grote. So habe die Polizei das bei der Übung genutzte Abfangsystem ebenfalls beschafft. "Die kleine Drohne, (...) die bekämpft wurde, war quasi ein Originalnachbau der Leipzig-Drohne." Es sei genau eine solche Drohne mit einem Sprengsatz gewesen, wie sie am Flughafen Leipzig entdeckt worden war.
Für die Übung wird angenommen, dass Entwicklungen im östlichen Nato-Bündnisgebiet eine vorsorgliche Verlegung militärischer Kräfte erforderlich machen, um zur Abschreckung beizutragen, wie der Kommandeur des Landeskommandos Hamburg, Kapitän zur See Kurt Leonards, sagte. Im Mittelpunkt der Übung stünden Kommunikation, Koordination und das gemeinsame Handeln in komplexen Lagen wie ein Chemieunfall, ein Sabotageakt auf einen Zug mit militärischen Gütern, ein Massenanfall von verletzten Soldatinnen und Soldaten sowie die Einrichtung eines Ersatzkrankenhauses in einer Tiefgarage. Geplant ist auch ein Konvoi durch die Stadt mit bis zu 70 Militärfahrzeugen.
Gesamtverteidigung beginne nicht erst im Verteidigungsfall, sie müsse im Frieden vorbereitet werden, sagte Leonards. "'Red Storm Charlie' hat uns insofern selbst überrascht, weil wir wirklich von sehr vielen Organisationen, aber auch von Firmen angefragt worden sind, dass sie unbedingt mitmachen wollten." Insgesamt gebe es mehr als 1.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, davon rund 500 Soldatinnen und Soldaten. "Das Besondere bei dieser Übung ist, dass uns die zivilen Teilnehmer in der Anzahl mittlerweile überholt haben."
Protestmarsch gegen Übung
Basis der Übung ist der Operationsplan Deutschland. Er beschreibt laut Bundeswehr, wie militärische Maßnahmen der Landes- und Bündnisverteidigung mit zivilen Unterstützungsleistungen koordiniert werden. Ziel des Plans sei es, Zuständigkeiten, Abläufe und Verfahren frühzeitig festzulegen, damit staatliche und zivile Stellen im Bedarfsfall abgestimmt und handlungsfähig reagieren könnten.
Neben der Bundeswehr beteiligen sich nach "Red Storm Alpha" (2024) und "Red Storm Bravo" (2025) an dieser dritten Resilienzstärkungs- und Verteidigungsübung Blaulichtorganisationen wie Polizei, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk. Auch dabei seien Landesbehörden, das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf und zivile Unternehmen wie Airbus, der Hafenlogistiker HHLA, die Hafenverwaltung HPA und Lebensmittel-Handelsketten. Unabhängig von der Bundeswehrübung hat die Handelskammer zudem zu "Red Storm Business" aufgerufen. Dabei wollen rund 250 Unternehmen die eigene Handlungsfähigkeit bei einem längeren Stromausfall prüfen.
Aus Protest gegen die Bundeswehrübung hat das Bündnis "Kein Nato Hafen" für Samstag unter dem Motto "NEIN zum Kriegsmanöver Red Storm Charlie - JA zu sozialem Fortschritt!" zu einer Demonstration aufgerufen. Der Protestmarsch führe von 14.00 Uhr an vom Jungfernstieg durch die Innenstadt zu den Landungsbrücken. Das Bündnis "Rheinmetall Entwaffnen" kündigte dezentrale Aktionen an, um das Manöver zu stören.

