Stadt und Land gegen KaufBundeswehr will wohl Rostocker Flughafen übernehmen und ausbauen

Immer weniger Menschen nutzen den Rostocker Flughafen für ihre Urlaubsreisen. Die Bundeswehr benötigt dort jedoch dringend mehr Kapazitäten. In Berlin arbeitet man einem Bericht zufolge deshalb bereits daran, den Airport zu übernehmen. Die Betreiber wissen noch nichts davon.
Das Bundesverteidigungsministerium überlegt eigenen Angaben zufolge, den Flughafen Rostock-Laage zu kaufen. Die Luftwaffe brauche mehr Platz für den Fliegerhorst des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 "Steinhoff", weshalb das Ministerium entschieden habe, "dass der Erwerb der direkt an den militärischen Flugplatz angrenzenden Grundstücksanteile und baulichen Anlagen/Einrichtungen geprüft wird", sagte eine Sprecherin aus dem von Boris Pistorius geführten Ressort der "Ostsee-Zeitung". Angrenzende Grundstücke und Einrichtungen meinten in diesem Sinne vor allem den zivilen Flughafen. Laage im Landkreis Rostock liegt gut 30 Kilometer südlich der Hansestadt.
Die Bundeswehr nutzt das Gelände in Laage, um neue Piloten für den Einsatz in Kampfjets vom Typ Eurofighter auszubilden. Zudem übernimmt das Geschwader mit einer Alarmrotte regelmäßig die Aufgabe der Sicherung des deutschen Luftraums. Immer wieder müssen die Flugzeuge aufsteigen und beispielsweise russische Aufklärer über der Ostsee begleiten.
Schon zuvor wurden Pläne für einen massiven Ausbau des Fliegerhorsts bekannt. Eine Milliarde Euro soll in den kommenden 15 Jahren investiert werden, teilte der Stützpunkt im Juni mit. Darüber hinaus sollen Start- und Landebahn saniert sowie Abwasseranlagen und Wärme- und Stromversorgung erneuert werden. Für den Munitions- und Verwaltungsbereich sollen neue Gebäude auf dem Gelände im Rostocker Süden errichtet werden, genauso sind neue Staffel- und Gefechtsstandgebäude sowie spezielle Schutzbauten für die Eurofighter geplant. Und das ist noch nicht alles. "Aufgrund der Analyse des gegenwärtigen Konfliktgeschehens wird sicherlich auch noch die ein oder andere zusätzliche Maßnahme ergriffen", erklärte Geschwaderchef Oberst Gerd Schnell zur Vorstellung der Pläne.
Heikel: Die Betreiber des Flughafens wissen bislang nichts von den Übernahme-Überlegungen. "Auf uns ist keiner zugekommen", sagte Geschäftsführerin Ira Lauth der Zeitung. Ihre Beteiligungsgesellschaft Crisp Partners übernahm den Airport erst im zurückliegenden Sommer. "Wir arbeiten gut mit der Luftwaffe zusammen, haben uns Ende 2025 beispielsweise zu einer gemeinsamen Investition in ein neues Instrumentenlandesystem bekannt. Und wir wollen helfen, Personal für den Tower zu stellen."
Jedoch liefen bereits an anderer Stelle die Gespräche des Verteidigungsministeriums. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und "die regionalen Beteiligten" hätten Ende Dezember ein Schreiben aus Berlin bekommen, in dem das Ministerium seine Kaufabsicht dargelegt hat, sagte die Ministeriumssprecherin. Schwesig leitete dieses an den Landesverkehrsminister Wolfgang Blank weiter.
Stadt und Land wollen an Zivilluftfahrt festhalten
"Die neue Gesellschafterin des zivilen Flughafens hat angekündigt, den zivilen Passagierflugverkehr aufrechtzuerhalten und das Flugangebot ausbauen zu wollen", sagte ein Sprecher aus Blanks Ministerium der "Ostsee-Zeitung". Und weiter: "Prinzipiell wäre eine Aufrechterhaltung des zivilen Flugbetriebes im Hinblick auf Urlaubs- und Geschäftsreisen der Bürger und Unternehmer aus Mecklenburg-Vorpommern zu begrüßen." Auch Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger sprach sich für einen Weiterbetrieb des kleinen Regionalflughafens aus. "Falls der Bund seine Prüfung mit einem anderen Ergebnis beendet, wäre ein Aus des zivilen Flugbetriebes ein Verlust für die Region Rostock", sagte Kröger.
Am Rostocker Flughafen wird derzeit lediglich eine Flugverbindung angeboten: Einmal wöchentlich fliegt die Airline Corendon ins türkische Antalya. Der Flughafenverband ADV zählte im vergangenen Jahr 35.784 Passagiere. Vor der Corona-Pandemie mit den damit verbundenen Reiseeinschränkungen wurden 148.164 Personen abgefertigt. Das entspricht einem Rückgang um gut 76 Prozent. Der Flughafen wird auch von vielen Privat- und Geschäftsreisenden angeflogen. Insgesamt zählte der ADV 10.867 Starts und Landungen in Laage. Damit dürfte nach einer Übernahme durch die Bundeswehr Schluss sein.