Politik

"Tiefes Unbehagen" CSU-Politiker aus Nürnberg gegen Söder

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Markus Söder will Kanzlerkandidat werden, muss sich auf dem Weg dahin aber mit Armin Laschet einigen.

(Foto: dpa)

Bislang steht die CSU geschlossen hinter Markus Söder. Ein ehemaliger Landtagsabgeordneter aus Nürnberg geht allerdings davon aus, dass viele CSU-Mitglieder ihren Vorsitzenden nicht für kanzlertauglich halten.

Ein CSU-Politiker aus Nürnberg, der Heimat von Markus Söder, hat sich gegen eine Kanzlerkandidatur des CSU-Vorsitzenden ausgesprochen. "Ich wünsche Herrn Söder sehr, dass er die Einsicht gewinnt, seine drängenden Ambitionen zurückzustellen - in Verantwortung für die ganze Union und in Rücksicht auf die persönliche Situation von Armin Laschet", sagte Hermann Imhof der "Süddeutschen Zeitung". "Das wäre ein echtes Zeichen von Demut und menschlicher Größe."

Imhof war von 2003 bis 2018 Abgeordneter im bayerischen Landtag. Söder ist sein Nachfolger als Direktkandidat der CSU im Stimmkreis Nürnberg-Ost. Von 2014 bis 2018 war Imhof Patientenbeauftragter der bayerischen Staatsregierung. 2016 hatte er sich schon im Streit zwischen Söder und dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer gegen Söder gestellt.

"Die Rücksichtslosigkeit des Machtstrebens hat schon jetzt viele Wunden gerissen", sagte Imhof der SZ. "Es geht nun darum, noch größeren Schaden zu verhindern." Ein Kanzlerkandidat brauche "die Fähigkeit zur Integration und die Kraft zur Versöhnung, beruhend auf Lebensreife und innerer Balance". Zur Führung einer Bundesregierung benötige man einen "integrativen Führungsstil sowie die Bereitschaft, andere leuchten zu lassen". Diese Eigenschaften habe Söder bislang nicht nachweisen können: "Und das Kanzleramt ist eine ganz andere Hausnummer als die Bayerische Staatskanzlei. Die Komplexität ist weit höher."

Imhof geht nach eigenen Angaben davon aus, dass viele CSU-Mitglieder seine Vorbehalte gegen Söder teilen: "Es gibt die wirklich Begeisterten, aber es gibt auch eine falsch verstandene Loyalität mit dem Parteivorsitzenden. Ich spüre, dass viele ein tiefes Unbehagen haben."

CDU-Vorsitzender Armin Laschet und Söder wollten sich eigentlich in dieser Woche verständigen, wer von ihnen die Kanzlerkandidatur der Union übernimmt. Bislang sieht es allerdings nicht danach aus, als werde es heute eine Entscheidung geben.

Quelle: ntv.de, hvo

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