Politik

Wahlkampfabschluss in Bayern CSU und SPD hoffen auf Wählergnade

Für CSU und SPD sehen die Umfragen zur anstehenden Landtagswahl besonders düster aus. Ministerpräsident Söder warnt vor einer zersplitterten Demokratie, Herausforderin Kohnen vor der CSU. Prominente Hilfe soll die Lage auf den letzten Metern aufhellen.

Mit Großkundgebungen haben die seit Monaten in Umfragen kriselnde CSU und SPD nochmals um das Vertrauen der Bürger geworben. Anders als vor einem Jahr bei der Bundestagswahl verzichtete die CSU auch bei ihrer offiziellen Schlusskundgebung in München auf Hilfe von Kanzlerin Angela Merkel. Stattdessen hatten Söder und Seehofer den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nach München eingeladen. Zeitgleich warben in Schweinfurt SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen und die SPD-Chefin Andrea Nahles um Stimmen.

Beide Parteien sind kurz vor der Wahl am Sonntag massiv unter Druck. Umfragen sagen Christsozialen wie Sozialdemokraten seit Monaten massive Stimmverluste voraus. Die CSU von Ministerpräsident Markus Söder und Parteichef Horst Seehofer wird demnach ihre absolute Mehrheit verlieren und muss sich möglicherweise mehrere Koalitionspartner suchen.

be8353404fdf5cb93fca2adf5153e11b.jpg

Ministerpräsident Söder wird sich wohl einen Koalitionspartner für seine CSU suchen müssen. Generalsekretär Blume und Wirtschaftsministerin Aigner umrahmen den Amtsinhaber.

(Foto: dpa)

Seehofer sagte über die Chancen der CSU: "Ich bin ein ganzes Stück zuversichtlicher, als sich das in den Umfragen ausgedrückt hat. Deshalb glaube ich, dass wir ein Stück besser abschneiden werden, als das in den letzten Tagen prophezeit wurde." Söder äußerte sich ebenfalls kritisch: "Ich wundere mich, dass der Wahlkampf mehr von Umfragen geprägt wird als von Inhalten." Ein Wahlergebnis von 35 Prozent sei für die CSU zu wenig, im europäischen Kontext seien es noch immer gute Werte.

Merkel: Warte auf das Ergebnis

Österreichs Kanzler Kurz forderte seine "Freunde" von der CSU auf, sich nicht von den Umfragen entmutigen zu lassen: "Die nächsten Stunden sind entscheidend. Kämpft um jede Stimme." Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich indes nur ausweichend zur Frage nach möglichen Konsequenzen der bayerischen Landtagswahl auf die Stabilität ihrer großen Koalition. "Zu Sonntag kann ich nur sagen, dass ich mir natürlich ein gutes Ergebnis für die CSU wünsche", sagte sie in Berlin. "Ich weiß, dass wir in nicht ganz einfachen Zeiten leben. Und ansonsten warte ich auf das Ergebnis."

7ceb4d01bcb60cb32eba1082cb5ff1ea.jpg

Nahles (r.) und Kohnen(l.) wollen unbedingt eine weitere CSU-Regierung verhindern.

(Foto: dpa)

Söder sagte, bei der Wahl gehe es nun darum, eine völlig zersplitterte Demokratie zu verhindern. Er betonte zudem erneut, dass die Programmatik der Grünen für die CSU nicht koalitionstauglich sei. Das rechnerisch stabilste Bündnis bei einem Verlust der absoluten CSU-Mehrheit wäre aber den Umfragen zufolge dennoch eines mit den Grünen. Programmatisch am stabilsten dürfte aus CSU-Sicht dagegen ein Bündnis mit den Freien Wählern sein. Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze sagte dem Sender n-tv, das letzte Wort hätten jetzt die Bürger.

Nahles: Gradmesser Machogehabe

Kohnen sagte in Schweinfurt, die CSU sei ein "Herd der Instabilität" in Bayern und in Deutschland. Auch Nahles ging hart mit der CSU ins Gericht: "Die gesamte Regierung in Berlin leidet unter der CSU, und zwar massiv", sagte sie. Deshalb sei die Wahl nicht nur eine Landtagswahl, sondern auch Gradmesser dafür, ob "so ein breitbeiniges Machogehabe noch mal Bestätigung findet in Bayern".

Im "Münchner Merkur" hatte Kohnen zuvor bereits erklärt, dass die schlechten Umfragewerte der SPD in Bayern vor allem auf den Allgemeinzustand der Sozialdemokraten zurückzuführen seien. Bei der Landtagswahl 2013 hatte die CSU mit 47,7 Prozent der Stimmen noch die absolute Mehrheit geholt. Sie stellte 101 der 180 Abgeordneten im Landtag. Die SPD war mit 20,6 Prozent (42 Sitze) zweitstärkste Kraft geworden. Dahinter folgten die Freien Wähler mit 9,0 Prozent (19 Sitze) und die Grünen mit 8,6 Prozent und 18 Sitzen. Die FDP scheiterte ebenso an der Fünf-Prozent-Hürde wie die Linke.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa