Spanien spricht von AngriffBehörden in Ceuta: 60.000 Migranten angekommen - 25.000 kehren zurück

Es ist der größte Andrang von Migranten nach Ceuta seit 2021. In den vergangenen Stunden gelangen Zehntausende Menschen von Marokko in die spanische Exklave. Spaniens Regierungschef spricht von einem Angriff. Den plötzlichen Andrang führt er auf ein Gerücht der Schleusermafia zurück.
Rund 60.000 Migranten sind den örtlichen Behörden zufolge in den vergangenen Tagen aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika gekommen. Diese Anzahl entspreche 70 Prozent der Bevölkerung der Exklave, erklärte der Präsident von Ceuta, Juan Jesús Vivas. "Diese Zahl zeigt, dass es unmöglich ist, einen solchen Druck aufzufangen", fügte er hinzu. Es ist die größte Zahl von nach Ceuta gekommenen Migranten seit 2021. Bei dem Versuch, Ceuta zu erreichen, seien mindestens 34 Menschen ums Leben gekommen, teilte Vivas zudem mit. Zuvor war von 18 Todesopfern die Rede gewesen.
Das spanische Innenministerium teilte mit, dass 25.000 Migranten von Freitagmorgen bis Freitagmittag bereits wieder nach Marokko zurückgekehrt seien. Das seien "150 Menschen pro Minute", fügte das Ministerium hinzu. Das Innenministerium widersprach zudem den Angaben der Behörden in Ceuta und gab 50.000 angekommene Migranten an.
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez verurteilte den enormen Andrang auf das spanische Staatsgebiet. Er würde "das, was geschehen ist, als einen Angriff, eine Verletzung der territorialen Integrität Spaniens bezeichnen", sagte Sánchez bei seinem Besuch in Ceuta. "Die spanische Regierung steht an der Seite der Stadt Ceuta", fügte er hinzu.
Der plötzliche Ansturm auf Ceuta ist Sánchez zufolge auf Gerüchte zurückzuführen, die von der Schleusermafia infolge eines aktuellen Gerichtsurteils in Spanien zur Einwanderung verbreitet worden seien. "Aus unseren Gesprächen mit den marokkanischen Behörden geht hervor, dass die Schleusermafia ein für sie vorteilhaftes Verständnis eines Urteils des Obersten Gerichtshofs verbreitet hat", sagte er. Diese Auslegung habe sich "in den letzten Stunden wie ein Lauffeuer verbreitet".
Sánchez bezog sich auf ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs von Anfang dieses Monats, wonach die sofortige Rückführung von Migranten, die die Grenze illegal überqueren, nicht für diejenigen gilt, die auf dem Seeweg ankommen.
Die europäische Grenzschutzagentur (Frontex) ist nach eigenen Angaben in Ceuta präsent und unterstützt die spanischen Behörden bei Kontrollen im Seehafen. "Frontex-Beamte waren nicht direkt an den Vorfällen mit Migranten beteiligt, da sich diese an der Grenze abspielten, außerhalb des Tätigkeitsbereichs von Frontex", teilte ein Sprecher mit. "Die spanischen Behörden haben bislang keine zusätzliche Unterstützung angefragt." Man beobachte die Lage weiterhin.
Aufgrund der Lage forderte Bundeskanzler Friedrich Merz die Regierung in Madrid zu entschlossenem Handeln auf. Spanien müsse "die Situation in Ceuta schnellstmöglich wieder in den Griff bekommen", erklärte Merz. "Ich begrüße daher die spanische Absicht, die illegalen Migranten nicht auf den europäischen Kontinent zu lassen." Zugleich betonte er: "Von Marokko erwarten wir, dass sie die illegalen Migranten unverzüglich wieder zurücknehmen." Bereits am Donnerstag hatte Italiens rechtsgerichtete Regierungschefin Giorgia Meloni bereits den Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum gefordert. Der italienische Außenminister Antonio Tajani unterstützte diese Forderung.