Politik

Petersberger Klimadialog beginnt Corona-Wirtschaftsaufbau soll Klima nützen

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Klimakonferenz per Video: Umweltministerin Schulze.

(Foto: dpa)

Die Coronavirus-Pandemie stürzt die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise. Der Wiederaufbau sollte auch den Klimaschutz einbeziehen, fordern Politiker und Experten zu Beginn des Petersberger Klimadialogs. Die Volkswirtschaften sollten "moderner und widerstandsfähiger" werden, sagt Ministerin Schulze.

Mit Aufrufen, den Klimaschutz und den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Coronavirus-Pandemie zusammen zu denken, hat der internationale Petersberger Klimadialog begonnen. Die Beratungen von Klimaministern aus rund 30 Staaten, die normalerweise in Berlin stattfinden, werden diesmal wegen der Corona-Krise als Video-Konferenz abgehalten. Die Gestaltung der Wirtschaftsprogramme nach der Krise "wird darüber entscheiden, ob wir beim Klimaschutz wirklich vorankommen", sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze zum Auftakt.

Gerade angesichts der Erfahrungen der Corona-Krise sei es wichtig, "unsere Volkswirtschaften moderner und widerstandsfähiger zu machen", hob die SPD-Politikerin hervor. Statt die Nachfrage nach fossilen Verbrennungsmotoren anzukurbeln, müsse es jetzt beispielsweise darum gehen, "in emissionsfreie Mobilität zu investieren". Während gegen das Coronavirus noch nach einem Impfstoff gesucht werde, seien die notwendigen Mittel gegen die Klimakrise bekannt, "auf diese Investitionen sollten wir jetzt setzen", forderte die Ministerin.

Der Petersberger Klimadialog dient traditionell der Vorbereitung der nächsten UN-Klimakonferenz, die in diesem Fall allerdings wegen der Pandemie auf das kommende Jahr verschoben wurde. Am Dienstag wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und UN-Generalsekretär António Guterres auf dem zweitägigen Klimadialog sprechen.

Schulze betonte, gleichwohl müssten die Staaten aber gemäß dem Pariser Klimaschutzabkommen noch in diesem Jahr aktualisierte Emissionsziele vorlegen. "Der Klimaschutz darf nicht warten", sagte die Ministerin. Konkret pochte sie darauf, das EU-Emissionsziel für 2030 von bisher 40 Prozent weniger CO2-Ausstoß auf 50 bis 55 Prozent im Vergleich zu 1990 anzuheben. Dies entspricht auch Vorschlägen der EU-Kommission. "Ich finde wichtig, dass die EU in diesem Jahr ein klares Signal gibt", verlangte Schulze. Es müssten jetzt die Weichen gestellt werden, um wie vorgesehen bis Mitte des Jahrhunderts Treibhausgasneutralität zu erreichen.

"Nicht zurückgehen zur alten Welt"

Nach der Corona-Krise "sollten wir nicht wieder zurückgehen zur alten Welt", sagte auch der britische Klimaökonom Nicholas Stern bei einem gemeinsamen Auftritt mit Schulze. Er hob ebenfalls hervor, die Pandemie habe gezeigt, "wie empfindlich und verwundbar unsere Volkswirtschaften sind". Die Risiken durch den Klimawandel seien aber "noch größer als das, was wir in der Corona-Krise feststellen", denn "die Folgen der Erderwärmung werden nicht mehr umkehrbar sein".

Fast 70 deutsche Unternehmen riefen dazu auf, nach der Corona-Krise "mit einem Klima-Konjunkturprogramm unsere Wirtschaft krisenfester zu machen". Gerade jetzt gehe es darum, "bei der Klimapolitik auf dem Erreichten aufzubauen und die Ausgestaltung und Umsetzung klimapolitischer Maßnahmen konsequent weiterzuführen", heißt es in dem Appell. Initiiert wurde der Aufruf von der Stiftung 2 Grad. Beteiligt sind 68 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, darunter Thyssenkrupp, Allianz, Bayer, Eon, Puma, Otto und Telekom. Zusammen beschäftigen sie nach eigenen Angaben in Deutschland knapp eine Million und weltweit über 3 Millionen Menschen und stehen für einen globalen Umsatz von etwa einer Billion Euro.

Der Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Gerhard Adrian, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Es wäre schlimm, wenn der Klimaschutz über den Kampf gegen das Virus zurückgestellt würde." Der Klimawandel schreite voran, "egal, was sonst passiert - unabhängig von der Corona-Krise", mahnte Adrian, der auch Vorsitzender der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ist. CO2-, Methan- und Lachgasemissionen müssten reduziert werden. "Wenn sich das Wirtschaftssystem dafür umstellen muss, wären Konjunkturprogramme in der Corona-Krise natürlich eine Gelegenheit, beides zusammenzuführen."

Quelle: ntv.de, mli/AFP/dpa