Politik

Oxfam: Ungleichheit wächst Corona bedroht Arme deutlich härter

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Mehr als 350 Millionen Menschen im asiatisch-pazifischen Raum leiden Hunger, da Covid-19 Arbeitsplätze vernichtet und die Lebensmittelpreise in die Höhe treibt.

(Foto: dpa)

In der Corona-Krise verfestigt sich die globale Ungleichheit und steigt weiter. In vielen Ländern sind es der Oxfam-Studie zufolge vor allem die Menschen mit Migrationshintergrund, die vom Lockdowns betroffen sind. Obendrein haben ärmere Länder einen erschwerten Zugang zu Impfstoffen. Fazit: Das Virus trifft nicht alle gleich.

Zeit zu handeln: Die Corona-Pandemie kostet nicht nur rund um den Globus Menschenleben - sie droht auch die soziale Ungleichheit in mehreren Ländern gleichzeitig zu verschärfen. "Wie unter einem Brennglas zeigen sich in der Pandemie die vielfältigen Formen der Unterdrückung und Marginalisierung, denen Menschen unter anderem aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Sexualität, ihres Alters, einer Behinderung sowie im Zuge von Rassismus und Klassismus ausgesetzt sind", heißt es in dem Bericht der der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam anlässlich des Beginns des Weltwirtschaftsforums. Für die Erhebung sind en Angaben zufolge unter anderem 295 Wirtschaftswissenschaftler aus 79 Ländern befragt worden.

"Das Virus trifft nicht alle gleich"

Eine Verschärfung der wirtschaftlichen Ungleichheit drohe in fast allen Ländern gleichzeitig - zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrhundert. Demnach erwarten beinahe neun von zehn befragten Wissenschaftler (87 Prozent), dass die Einkommensungleichheit in ihrem Land als Folge der Pandemie zunehmen oder stark zunehmen werden. Mehr als die Hälfte ist der Ansicht, dass die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich wachsen wird, und mehr als zwei Drittel gehen davon aus, dass die Ungleichheit zwischen Weißen und BIPoC (Black, Indigenous, People of Color) zunehmen wird. "Besonders alarmierend ist, dass zwei Drittel der Ökonom*innen meinen, ihre Regierung habe keine Strategie zur Bekämpfung der Ungleichheit", schreibt die Organisation.

Menschen in Armut seien dem Coronavirus am stärksten ausgesetzt, heißt es weiter. Sie lebten häufiger in beengten Verhältnissen, teilweise ohne Wasser und sanitäre Einrichtungen. Viele, insbesondere im informellen Sektor Tätige, könnten nicht von zu Hause aus arbeiten. In zahlreichen Ländern arbeiteten insbesondere Menschen mit Migrationsgeschichte häufig im Gastgewerbe, im Gesundheits- und Pflegewesen und in anderen Bereichen, in denen eine Ansteckung wahrscheinlicher ist. Diese Menschen litten auch häufiger unter Vorerkrankungen, die das Risiko schwerer Krankheitsverläufe erhöhen. "Das Virus trifft nicht alle gleich."

Untersuchungen aus Großbritannien zeigten zudem, dass die Todesrate von an Covid-19 erkrankten Menschen in einkommensschwachen Gegenden doppelt so hoch sei wie in wohlhabenden. Ähnliche Ergebnisse gebe es auch aus Frankreich, Spanien und Indien.

Faire Beiträge der Superreichen?

Die Hilfsorganisation befürchtet, dass sich die Ungleichheit auch besonders stark bei der weltweiten Bereitstellung von Corona-Impfstoffen zeigen wird. Eine kleine Gruppe reicher Nationen, die nur 14 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren, habe mehr als die Hälfte der Vorräte der führenden Covid-19-Impfstoffkandidaten aufgekauft. Sollte es keine Preisbegrenzungen geben, hätten insbesondere in Armut lebende Menschen keine Chance auf eine Impfung, während Pharmakonzerne weiter hohe Gewinne einführen.

Die Corona-Pandemie müsse ein Weckruf sein, "extreme Ungleichheit und Armut endlich bei der Wurzel zu packen", so Oxfam. Dazu brauche es unter anderem für jedermann zugängliche soziale Sicherungssysteme und mehr Gemeinwohlorientierung der Wirtschaft. "Konzerne und Superreiche müssen jetzt ihren fairen Beitrag leisten, um die Krise zu bewältigen", sagt Tobias Hauschild von Oxfam Deutschland.

Das Vermögen der zehn reichsten Menschen der Welt ist den Angaben nach seit Februar 2019 trotz der Pandemie um fast eine halbe Billion auf 1,12 Billionen US-Dollar gestiegen. "Dieser Gewinn wäre mehr als ausreichend, um die gesamte Weltbevölkerung gegen Covid-19 zu impfen und sicherzustellen, so dass niemand durch die Pandemie verarmt", betont Oxfam. Gleichzeitig erlebe die Welt die schlimmste Jobkrise seit mehr als 90 Jahren, in der Hunderte Millionen Menschen Einkommen oder Arbeit verloren hätten.

Frauen besonders stark betroffen

Frauen seien von der Jobkrise am stärksten betroffen. In den Branchen, in denen durch die Pandemie besonders große Einkommens- und Arbeitsplatzverluste drohen - wie etwa im Gastgewerbe oder im Büromanagement - seien 49 Prozent der berufstätigen Frauen beschäftigt, aber nur 40 Prozent der Männer. Frauen stellen zudem weltweit etwa 70 Prozent der Arbeitskräfte im Gesundheits- und Sozialwesen, in dem sie einem größeren Risiko ausgesetzt seien, an Covid-19 zu erkranken.

Untersuchungen aus Großbritannien zeigten zudem, dass die Todesrate von an Covid-19 erkrankten Menschen in einkommensschwachen Gegenden doppelt so hoch sei wie in wohlhabenden. Ähnliche Ergebnisse gebe es auch aus Frankreich, Spanien und Indien.

Quelle: ntv.de, soe/dpa