Politik

Eklat bei den Republikanern Cruz wird von der Bühne gebuht

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Daumen hoch für Ted Cruz? Das sehen viele republikanische Delegierte nach seinem Auftritt in Cleveland anders.

(Foto: AP)

Die Republikaner wollen auf ihrem Nominierungsparteitag für Donald Trump ein Mindestmaß an Einigkeit demonstrieren. Ted Cruz hat auf Geschlossenheit allerdings keine Lust: Nach seiner Niederlage bei den Vorwahlen wirft er Trump Prinzipienlosigkeit vor.

Beim Nominierungsparteitag für Donald Trump in Cleveland haben die Republikaner eine unangenehme Regiepanne erlebt. Der in den Vorwahlen unterlegene Ted Cruz verweigerte dem Milliardär in seiner Rede demonstrativ die Unterstützung. Der Großteil des Saales reagierte mit wütenden Buhrufen. Erneut boten die Republikaner damit zum Auftakt der heißen Wahlkampfphase ein Bild der Zerrissenheit.

Cruz, texanischer Senator, nutzte seinen Auftritt in Cleveland für ein Loblied auf die Freiheit und auf konservative Prinzipien. Für Trump hatte er nur einen Glückwunsch zu dessen Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten übrig, mehr nicht. Ohne Trump beim Namen zu nennen, sagte Cruz: "Wir haben Führer verdient, die für Prinzipien stehen, die uns alle hinter gemeinsam geteilten Werten vereinen. Das ist der Standard, den wir von jedem erwarten können." Im Vorwahlkampf war Trump mit oft wechselnden Positionen aufgefallen.

Während Cruz sprach skandierten die Delegierten: "Endorse Trump!" Ein "endorsement" ist eine förmliche Unterstützungserklärung für einen Kandidaten. Cruz hat sich bislang geweigert, diese abzugeben, und tat das auch in seiner Rede nicht. Stattdessen hatte er eine Botschaft "an alle, die zuhören". Sie sollten im November nicht zu Hause bleiben, sondern "ihrem Gewissen" folgen. "Wählt für Kandidaten, denen ihr zutraut, eure Freiheit zu verteidigen und treu zur Verfassung zu stehen." Dieser Aufruf bezog sich offensichtlich auf zur Wiederwahl stehende Kongressmitglieder - ob damit auch Trump gemeint war, blieb offen.

Schielt Cruz schon auf 2020?

*Datenschutz

Trump reagierte auf den Affront betont gelassen. Auf Twitter schrieb er, er habe Cruz' Redetext zwei Stunden vorab gesehen und habe ihn trotzdem reden lassen. Das Ganze sei "keine große Sache". Noch während Cruz sprach, erschien Trump im Saal und winkte dem Publikum zu.

Der Auftritt von Cruz, den Trump im Vorwahlkampf stets als "Lügen-Ted" bezeichnet hatte, unterstreicht das tiefe Zerwürfnis der Republikaner. Die Delegierten hatten dennoch auf Zusammenhalt gesetzt: "Wir haben wirklich erwartet, dass er Geschlossenheit zeigt und sich hinter Trump stellt", sagte Mary Balkema, eine 49-jährige Delegierte aus dem Bundesstaat Michigan. Cruz habe sich "völlig blamiert", reagierte das 18-jährige Parteimitglied Byron Swartz aus Ohio.

Vermutet wird, dass Cruz sich mit seiner Rede bereits als möglicher Präsidentschaftskandidat der Republikaner für 2020 in Stellung bringen wollte. Sollte Trump die Wahl im Herbst verlieren, stünde Cruz als einer der wenigen Republikaner mit sauberer Weste da. Falls Trump gewinnt, würde er allerdings vermutlich in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Der dritte Tag des Konvents stand unter dem Motto "Make America First Again" und sollte sich um die Außenpolitik drehen. Stattdessen wurden aber im Wesentlichen die Angriffe auf Hillary Clinton wiederholt und Trump als Einziger beschrieben, der die USA retten könne.

Gewalt am Rande des Parteitags

Zudem ist Mike Pence nun offiziell Kandidat für das Amt des US-Vizepräsidenten. Der Gouverneur von Indiana nahm die Nominierung des Konvents an. Trump hatte den 57-jährigen Konservativen ausgesucht, um die sozialkonservativen und evangelikalen Flügel der Partei zufriedenzustellen.

Am Rande des Parteitags kam es auch am Mittwoch zu neuen Zwischenfällen. Bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Trump-Gegnern und der Polizei wurden zwei Beamte verletzt und 18 Menschen festgenommen. Auslöser der Gewalt war demnach ein Demonstrant, der versucht hatte, eine US-Fahne anzuzünden.

Der Konvent war auch in den Tagen zuvor durch Pannen und Proteste geprägt gewesen. So stellte sich heraus, dass Teile der Rede von Trumps Ehefrau Melania von der Präsidentengattin Michelle Obama stammten. Zudem sorgten innerparteiliche Trump-Gegner gleich zu Beginn des Parteitags für Aufregung.

Quelle: n-tv.de, chr/AFP/dpa

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