Politik

Hacker nutzte Kanal von Youtuber Datendieb soll private Clouds angezapft haben

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Private Daten von Hunderten Politikern und Prominenten gelangten durch den Hackerangriff an die Öffentlichkeit.

(Foto: imago/photothek)

Unbekannte veröffentlichen Daten von Hunderten Politikern und Künstlern online. Von einem gezielten Hackerangriff auf den Bundestag geht das Bundesamt für Sicherheit jedoch nicht aus. Zur Vorgehensweise der Drahtzieher gibt es verschiedene Theorien.

Die massenhafte Veröffentlichung persönlicher Daten von Politikern ist nach ersten Erkenntnissen nicht das Ergebnis eines Hackerangriffs auf den Bundestag. "Nach einer ersten Analyse deutet vieles darauf hin, dass Daten durch die missbräuchliche Nutzung von Zugangsdaten zu Clouddiensten, zu E-Mail-Accounts oder zu sozialen Netzwerken erlangt wurden", erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer. "Nach jetzigem Erkenntnisstand deuten keine Hinweise darauf, dass Systeme des Bundestages oder der Bundesregierung kompromittiert worden sind." Es werde "mit Hochdruck daran gearbeitet, den Urheber der Veröffentlichung ausfindig zu machen und den Zugriff auf die Daten schnellstmöglich zu unterbinden", teilte Seehofer mit.

Wie t-online.de berichtet, soll es sich um einen einzelnen Hacker handeln. Das Portal beruft sich auf den Videoblogger Tomasz Niemiec, der Kontakt mit dem Hacker gehabt haben soll. Dem Urheber des Hackerangriffs gehe es vor allem um Aufmerksamkeit. Über den Twitter-Kanal des bekannten Youtubers Simon Unge habe der Hacker seine Informationen anschließend verbreitet - der Account habe die "ideale Reichweite" mit zwei Millionen netzaffinen Followern. Diese Information hatte Unge bereits am Vortag in einem Youtube-Video veröffentlicht. Im Chat mit Niemiec habe der Hacker ebenfalls seine Vorgehensweise angedeutet. Er habe einen Fehler in der Zwei-Faktor-Authentifizierung der jeweiligen Accounts ausgenutzt, berichtet das Portal.

Lücken auf "Ilias"-Plattform

Der Social-Media-Analyst Luca Hammer vermutet, dass die aktuelle Veröffentlichung sensibler Daten von Politikern, Journalisten und Künstlern durch einen Hack auf die Lernplattform der Bundesregierung "Ilias" im Frühjahr 2018 ermöglicht worden ist. Im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte Hammer: "So konnten möglicherweise Usernamen und Passwörter abgegriffen werden und die Täter mussten sie nur bei verschiedenen Plattformen ausprobieren."

Die Informationen wurden auch über zwei namentlich bekannte Twitter-Accounts verbreitet, die mittlerweile gelöscht wurden. Bereits zuvor wurden tausende Tweets gelöscht, die Auskunft über die Täter hätten geben können. Hammer zufolge gab es Bezüge zur Gaming- und YouTube-Szene. "Es ist alles eher unpolitisch und uninteressant".

"Sehr aufwendige" Ermittlungen

Bei dem groß angelegten Hackerangriff sind dem BSI zufolge private Daten von Hunderten Politikern und Prominenten an die Öffentlichkeit geraten. Nach Informationen von einer mit dem Fall vertrauten Person, sind alle im Bundestag vertretenen Parteien außer der AfD betroffen. Unter den Opfern des Hackerangriffs auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Prominente wie die Moderatoren Jan Böhmermann und Christian Ehring seien. Ebenfalls betroffen seien Bands und Künstler wie der Deutsch-Rapper Materia und die Band K.I.Z. sowie Journalisten von ARD und ZDF.

Zusammen mit dem Bundeskriminalamt (BKA) hat die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren zum Datenklau eingeleitet. Laut einem Sprecher gehe die Behörde von "sehr aufwendigen" Ermittlungen aus. "Die Suche nach Tätern im Internet ist immer sehr schwierig", sagte er mit Blick auf die Arbeit der Ermittler. Eine Prognose, wann es erste Informationen zu dem Verfahren gebe, könne nicht gemacht werden.

Quelle: ntv.de, mba/AFP/dpa

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