Politik

Grünen-Co-Chef Habeck bei Lanz "Den Menschen keinen Scheiß erzählen"

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Habeck bei einem Wahlkampfauftritt in Husum.

(Foto: imago images/Willi Schewski)

Die Grünen haben ein Problem: ihre Kommunikation. Das haben sie mittlerweile erkannt. Am Mittwochabend nimmt Grünen-Co-Chef Robert Habeck bei Markus Lanz im ZDF dazu Stellung - und gelobt Besserung.

Leicht angeschlagen sitzt er im Studio, mit geschwollenem Auge. Nichts Schlimmes, eine Deichflieder-Allergie, lässt er durchblicken. Er wirkt geknickt, bedächtig, nachdenklich. Beredtes Schweigen herrscht vor, als Grünen-Co-Chef Robert Habeck am Mittwochabend im ZDF von Markus Lanz befragt wird. Es geht um das Buch von Annalena Baerbock mit dem Titel "Jetzt - Wie wir unser Land erneuern" und um die Plagiatsvorwürfe, denen sich Baerbock seit dessen Veröffentlichung ausgesetzt sieht.

Die Situation ist nicht geeignet für große Worte. Nach der Nominierung von Annalena Baerbock zur Grünen-Kanzlerkandidatin hat die Partei massiv an Zustimmung verloren. In der Zwischenzeit haben zahlreiche Umfragen ergeben: Die Bürger halten ihren Kollegen Robert Habeck für den besseren Kandidaten. Am Ende des Interviews wird er sagen, er wolle auch weiterhin politische Verantwortung übernehmen. Nur nicht jetzt. Aber: "Ich habe keine Ahnung, was in vier Jahren ist."

"Kommunikativ verrannt"

Er sei in der vergangenen Woche im Urlaub gewesen, beim Zelten. Da habe er nicht viel mitbekommen, sagt Habeck. Aber ihm ist klar: "Wir haben uns in der vergangenen Woche kommunikativ völlig verrannt und unangemessen reagiert." Ehrlichkeit sei das Prinzip der Grünen: "Unsere Arbeit besteht darin, den Menschen keinen Scheiß zu erzählen."

Es habe einen zentralen Fehler gegeben, und der lag im Umgang mit den Kritikern des Baerbock-Buchs, "wo wir nicht im Recht waren, politischen Mitbewerbern moralische Diskreditierung zu unterstellen".

"Schuss ging nach hinten los"

Er habe das Buch schon sehr früh gelesen, sagt Habeck. Als er dann von den ersten Fehlern gehört habe, dachte er noch: "Shit happens". Heute sieht er das anders. Das Buch sollte die "Antriebsfedern bei Politik und Engagement" von Annalena Baerbock erklären. "Das ist nach hinten losgegangen", resümiert Habeck.

Schwierig findet der Grünen-Co-Parteichef die Aussage, Autoren schrieben Bücher nie alleine. Der Politiker war früher Schriftsteller. Er erklärt, dass man viel lernen müsse, wenn man ein Buch schreiben wolle, und man müsse viel Zeit alleine am Schreibtisch verbringen. Nicht jedes Buch sei eine Glanzleistung. Bei dem Buch von Annalena Baerbock habe es sich um ein politisches Buch gehandelt, aber nicht um eine wissenschaftliche Arbeit. So etwas könne auch im Rahmen von Gesprächen entstehen. Doch Habeck ist klar: Hier wurde unsauber gearbeitet. In einer Neuauflage soll es ein Quellenverzeichnis geben, hat der Verlag angekündigt. In E-Books soll ein solches Verzeichnis so schnell wie möglich eingepflegt werden.

"Vertrauen aufbauen"

Die Wahlen will Habeck auf jeden Fall noch nicht verloren geben. "Wir müssen jetzt wieder Vertrauen aufbauen", sagt er. "Wir haben einen Vertrauensverlust erlitten. Aber den können wir wieder ausgleichen." Von einem Rücktritt Baerbocks von der Kanzlerkandidatur hält Habeck nichts. "Wir sollten versuchen, den Wahlkampf so erfolgreich zu finalisieren, wie es geht", sagt er.

Am Ende des Gesprächs hat sich eins bestätigt: Habeck ist ein Kommunikationstalent. Er hat perfekt gezeigt, dass man Kreide fressen kann, ohne sich daran zu verschlucken. Es ist ihm glaubwürdig gelungen, sich für die schlechte Arbeit der Grünen in den letzten Wochen zu entschuldigen, ohne es an Optimismus fehlen zu lassen. Der Weg, Vertrauen zurückzugewinnen, wird steinig. Habeck hat diesen Weg beschritten.

Quelle: ntv.de

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