Politik

"Ich bin introvertiert" Der etwas andere Bush

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Aktenstudium statt Charisma: Jeb Bush in Miami.

(Foto: dpa)

Sein Vater war Präsident, sein Bruder war Präsident, auch Jeb Bush will Präsident werden. Um gewählt zu werden, hält er Distanz zu seiner Familie - mit einer Ausnahme.

Jetzt ist es raus: Jeb Bush will Präsident der USA werden. Der Republikaner sagte den magischen Satz bei einer Veranstaltung in einem College in Miami, seiner Wahlheimat im US-Bundesstaat Florida. Damit hört für Bush die Zeit auf, in der er unbegrenzt Spendengelder einsammeln konnte - diesen Teil seines Wahlkampfes muss er künftig seinem Super-Pac überlassen, zu dem er keinerlei offizielle Kontakte unterhalten darf.

In seiner Bewerbungsrede präsentierte Bush sich als Politiker, der für vier Prozent Wirtschaftswachstum, 19 Millionen Jobs und einen möglichst schlanken Staat sorgen will. Zugleich strebt Bush "fiskalische Integrität" an, also einen ausgeglichenen Haushalt. Im außenpolitischen Teil seiner Rede warf Bush US-Präsident Barack Obama Versagen vor. Dessen angeblich risikoscheue Regierung habe die USA in Richtung des größten Risikos geführt: der militärischen Unterlegenheit.

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Jeb Bush gibt seiner Frau Columba einen Kuss, Mutter Barbara applaudiert.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Bush wäre der dritte Mann dieses Namens im Weißen Haus: Sein Vater war der 41. Präsident, sein Bruder war der 43. Präsident, er selbst wäre der 45. Präsident der USA. Beide nannte er in seiner Rede nicht namentlich. Allerdings sagte er, er habe den ersten Präsidenten in seinem Leben an dem Tag getroffen, an dem er auf die Welt kam, und den zweiten an dem Tag, an dem er aus dem Krankenhaus nach Hause kam. Namentlich erwähnte er nur seine - in den USA sehr beliebte - Mutter Barbara, die während der Rede in der ersten Reihe saß. Und natürlich sprach Bush auch von seiner Frau, einer Mexikanerin, die er 1971 kennenlernte.

"Jeb!" gegen "H"

Mit Bush haben bereits elf Republikaner ihre Bewerbung für die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei erklärt. Bush sagte, es gebe eine ganze Reihe guter Kandidaten. "Keiner von uns verdient den Job wegen seines Lebenslaufs, seiner Partei, seiner längeren Amtszeiten, seiner Familie oder seiner Familiengeschichte. Niemand ist automatisch dran." Dies erinnert an die demokratische Bewerberin Hillary Clinton. Beide, Jeb Bush und Hillary Clinton treten im Wahlkampf mit ihren Vornamen auf: Er firmiert als "Jeb!", ihr Logo ist ein "H".

Vor allem zu George W. hält Jeb im Wahlkampf Distanz. Statt gemeinsam mit ihm aufzutreten, betont er die Unterschiede. "Persönlich bin ich ein introvertierter Mensch", sagte er der "Washington Post" kurz vor seinem Auftritt in Miami. "Ich bin keiner dieser geselligen Typen, die die Energie der Menge brauchen, um sich erfüllt zu fühlen. Ich lese lieber 20-seitige Kurzdossiers."

Diesen Eindruck machte Jeb Bush auch bei seinem Auftritt in Berlin. George W. war laut und leutselig, Jeb wirkt eher leise und bescheiden, geradezu schüchtern. Nicht nur in Berlin beim CDU-Wirtschaftsrat, sogar in Miami versprach Bush sich ein paar Mal.

Konservativer mit freundlichem Anstrich

Politisch dagegen ist auch Bush ein klassischer Republikaner. Er selbst bezeichnete sich im Wahlkampf für den Posten des Gouverneurs von Florida 1994 als "head-banging conservative" - wobei "konservativ" aus europäischer Sicht eher mit "neoliberal" zu übersetzen ist. Auf die Frage, was er als Gouverneur für Schwarze tun würde, sagte er: "Wahrscheinlich nichts." Frauen, die auf Sozialhilfe angewiesen waren, empfahl er, "ihr Leben in den Griff zu kriegen und sich einen Ehemann zu suchen".

Diesen Wahlkampf verlor er, und er zog seine Konsequenzen daraus. Durch die Niederlage habe Bush gelernt, seine Politik "in den Kontext menschlicher Gesichter und persönlicher Geschichten" zu stellen, schreibt die "Washington Post". Man könnte das auch weniger freundlich ausdrücken: Bush gab seinen Positionen einen freundlichen Anstrich. In jedem Fall ging die Strategie auf: Die Gouverneurswahl von 1998 entschied er für sich, 2002 wurde er wiedergewählt.

Als Präsidentschaftskandidat muss er weniger mit einem Image kämpfen, das er selbst ruiniert hat, sondern eher mit den Hinterlassenschaften seines Bruders. Die erwartbare Frage, ob er wie der damalige Präsident George W. Bush im Jahr 2003 den Irak angegriffen hätte, parierte er im vergangenen Monat nicht mit einer durchdachten Antwort, sondern mit einer Reihe von Peinlichkeiten: Innerhalb einer Woche gab er fünf verschiedene Antworten.

In den Umfragen hat Bush zuletzt deutlich verloren. Im Moment steht er nach einer Meta-Erhebung von Real Clear Politics zwar vorn, aber lediglich bei 11,3 Prozent. Viele Republikaner wollen nicht "noch einen Bush", vor allem dem Tea-Party-Flügel ist er nicht konservativ genug. Auf der anderen Seite hat Bush schon über 100 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden eingesammelt, mehr als alle anderen republikanischen Bewerber.

Ein Nachteil im Wahlkampf könnte seine Introvertiertheit sein, mit der er so offensiv umgeht und die ihn so sehr von seinem Bruder unterscheidet. Bush setzt sich als Politiker ohne Charisma, aber mit Substanz in Szene. Ob er sich inhaltlich von seinem Bruder unterscheiden wird? In Miami sagte Jeb, er werde "unsere Streitkräfte wiederaufbauen". Das klang durchaus nach George W. Auf der anderen Seite wurde die Präsidentschaft seines Bruders vor allem von Neokonservativen wie Vizepräsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld geprägt - Figuren, die so heute nicht mehr existieren. Die erste seiner fünf Antworten auf die Irak-Frage lautete, auch er hätte die Invasion gebilligt. Am Ende jedoch überlegte er es sich: "Ich wäre nicht in den Irak gegangen."

Quelle: ntv.de

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