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Ohne russisches Gas im Winter Bundesnetzagentur: Reserven reichen ein bis zwei Monate

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Gas über Wasser als Ersatz für Gas durch die Pipeline?

(Foto: picture alliance / Daniel Kubirski)

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Sollte Russland seine Gaslieferungen ganz kappen, würden die deutschen Reserven dem Chef der Bundesnetzagentur zufolge nicht lange reichen. Etwas Abhilfe könne vor allem Flüssiggas aus den USA schaffen, der Ausfall einer LNG-Fabrik in Texas nach einem Brand macht ihm allerdings Sorgen.

Deutschland würde mit seinen momentanen Gasreserven nach Einschätzung der Bundesnetzagentur nicht weit kommen. "Sollten wir kein russisches Gas mehr bekommen und einen durchschnittlich warmen Winter erleben, dann reichen die im Moment eingespeicherten Mengen - einschließlich unserer Verpflichtungen, Gas in andere europäische Länder weiterzuleiten - für vielleicht ein bis zwei Monate", sagte Agenturchef Müller den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Allerdings basierten solche Zahlen auf vielen Unsicherheiten, fügte er hinzu. Derzeit sind die deutschen Gasspeicher zu etwas mehr als 60 Prozent gefüllt.

Müller betonte, dass die europäischen Verpflichtungen auch im Fall größerer Engpässe eingehalten werden müssten. "In einer Gasnotlage wäre Deutschland verpflichtet, seine Nachbarn etwa in Frankreich, Österreich, Polen und Tschechien zu unterstützen. Dazu haben wir europäische Solidaritätsverpflichtungen unterschrieben", sagte er. "Umgekehrt gilt das aber auch: Wenn wir in Deutschland zu wenig Gas haben sollten, um unsere geschützten Kunden zu versorgen, können wir auf die Solidarität unserer Nachbarn bauen."

Kurzfristig sieht Müller wenig Alternativen zu russischem Gas. "Die Verhandlungen mit Ländern wie Katar sind auf die Zukunft gerichtet und eine Schiefergasförderung in Deutschland ist noch nicht einmal untersucht", sagte er. "Daher schauen wir auf die Länder, wo wir heute schon Flüssiggas einkaufen können. Und das sind ganz primär die USA."

Besorgt äußerte sich Müller über den Brand in der Flüssiggas-Anlage im texanischen Freeport. "Die Liefereinschränkungen wirken sich jetzt schon erheblich auf den Gaspreis aus und scheinen auch noch länger anzuhalten."

Der Präsident der Regulierungsbehörde betonte: "Der Fokus der Bundesnetzagentur richtet sich auf die nächsten drei bis sechs Monate. Ich konzentriere mich auf die Frage: Bleiben im kommenden Winter die Arbeitsplätze erhalten und die Wohnzimmer warm?"

(Dieser Artikel wurde am Montag, 04. Juli 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, mpe

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