Politik

Schmutziger Wahlkampf in den USA Die Anti-Hillary-Kampagne ist längst fertig

Wenn Hillary Clinton an diesem Sonntag ihre Bewerbung für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten öffentlich macht, startet nicht nur ihr Wahlkampf. Auch die Gegenpropaganda der Republikaner wird volle Fahrt aufnehmen.

Das erste Video ist bereits seit zwei Tagen online. Es heißt einfach #StopHillary. Zu sehen ist die Silhouette von Hillary Clinton, wie sie aus dem Dunkel in Richtung Bühne geht. Das Publikum jubelt, man hört die Ansage: "Begrüßen Sie Hillary Rodham Clinton!" Parallel dazu läuft bedrohliche Musik. Dann folgen Ton-Schnipsel, die auf diverse Vorwürfe anspielen, die je gegen Clinton erhoben wurden: die E-Mail-Affäre, Spenden von ausländischen Geldgebern an die Clinton-Stiftung, selbst ihre sieben Jahre alte, falsche Behauptung, sie sei 1996 unter dem Feuer von Scharfschützen im bosnischen Tusla gelandet.

Reichlich unfair ist die Unterstellung in dem Video, Clinton wolle einen "Neustart" der Beziehungen zu Russland. Dieses Ziel verfolgte sie als Außenministerin im Jahr 2009, lange vor Beginn der Ukraine-Krise.

Dann ist Clinton selbst zu hören. Es sind Sätze, die sie im Januar 2013 als Außenministerin bei einer Anhörung vor einem Senatsausschuss von sich gab. Damals ging es um die Angriffe auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi, bei denen der amerikanische Botschafter und drei weitere US-Beamte ums Leben gekommen waren. Das eingespielte Zitat lautet: "Welchen Unterschied macht das zu diesem Zeitpunkt!?" Das klingt, als spreche Clinton über die vier toten Amerikaner. Tatsächlich reagierte sie mit diesem Satz auf die Frage eines republikanischen Senators, warum unmittelbar nach den Angriffen nicht ermittelt worden sei, ob es direkt vor dem Vorfall Proteste in Bengasi gegeben habe.

Das Video endet mit den Sätzen: "Genau das ist von den Clintons zu erwarten. Sie sind alle kleine Heimlichtuer."

"Hillary: The Movie 2" kommt im Frühjahr 2016

Und das ist nur der Anfang. In der kommenden Woche verschickt die republikanische Partei USB-Sticks an Journalisten mit Dokumenten über die E-Mail-Affäre. Ein konservativer Lobbyist schreibt an einem Buch mit dem Titel "Die Kriege der Clintons gegen Frauen", in dem es vor allem um Bill Clintons Privatleben gehen soll. Die konservative Organisation Citizens United arbeitet an der Fortsetzung ihrer Dokumentation "Hillary: The Movie", mit der Clinton schon 2008 attackiert worden war. Der Film soll im März oder April 2016 erscheinen - zum Höhepunkt der demokratischen Vorwahlen. Der republikanische Anwalt Bruce Fein plant eine Webseite mit der URL HillaryWatch.com, die Kritik an Clinton bündeln soll. Der Anti-Clinton-Super-Pac America Rising hat Mitarbeiter in allen Bundesstaaten platziert, in denen die ersten Vorwahlen stattfinden (und in denen Clinton in den nächsten Monaten deshalb vor allem auftreten wird), um möglichst jede öffentliche Bewegung der Politikerin zu filmen - in der Hoffnung, eine Szene zu erwischen, die gegen Clinton verwendet werden kann.

Laut "Washington Post" arbeitet die Spitze der republikanischen Partei seit mehr als einem Jahr an ihrer Anti-Hillary-Strategie. Die Kampagne soll so groß werden wie ein Präsidentschaftswahlkampf und so bald wie möglich starten - nicht erst zu den Vorwahlen, die im Januar 2016 beginnen. "Die demokratische Partei hat beschlossen, Clinton zu krönen, und wir haben uns voll auf sie konzentriert", sagte der Chefberater der Republikaner, Sean Spicer. Man schaue durchaus auch auf die anderen möglichen Kandidaten. "Aber es ist eine Frage der Mathematik. Man muss von einem anderen Planeten kommen, um zu glauben, dass (der ehemalige Gouverneur von Rhode Island, Anm.d.Red.) Lincoln Chafee ein aussichtsreicher Bewerber ist."

"Wir müssen aufpassen"

Clinton ist bislang die einzige demokratische Kandidatin, und aller Voraussicht nach wird sie bis zum Nominierungsparteitag im Juli 2016 die Favoritin bei dem Demokraten bleiben. Für die Republikaner ist dies ein Vorteil: Sie wissen jetzt schon, mit wem sie es zu tun haben; der republikanische Gegenkandidat wird erst in einem Jahr feststehen, nach den ersten Vorwahlen.

Ein klar identifizierbares Feindbild auf der Gegenseite ist auch aus innerparteilichen Gründen von Vorteil für die Republikaner. Bei ihnen läuft gerade der Vorwahlkampf an, in dem die Bewerber vor allem damit beschäftigt sind, sich untereinander zu bekämpfen. Clinton erlaubt es den Republikanern, trotz aller Differenzen - die es innerhalb der Konservativen zur Genüge gibt - einen halbwegs geschlossenen Eindruck zu vermitteln.

Für Clinton liegt in den republikanischen Angriffen allerdings eine Chance. Die Republikaner versuchen, das Image des gesamten Clinton-Clans als kalt und elitär wiederzubeleben. Clinton will darauf reagieren, indem sie einen bewusst bescheidenen Wahlkampfstart inszeniert, ohne große Reden in vollen Hallen, ohne ihren Mann Bill, stattdessen über die sozialen Netzwerke und den direkten Kontakt zu Wählern. Wenn es ihr gelingt, ein neues Image aufzubauen, dann läuft die republikanische Kampagne ins Leere. Dann wird der Eindruck entstehen, dass die Republikaner nur ihren alten Kampf gegen die Clintons führen - 14 Jahre nach dem Ende der Präsidentschaft von Bill Clinton, 16 Jahre nach dem erfolglosen Amtsenthebungsverfahren gegen ihn.

Republikanische Aktivisten warnen bereits, es mit den Angriffen nicht zu übertreiben. Clintons Alter und ihr Gesundheitszustand etwa dürften auf keinen Fall thematisiert werden, rät die republikanische Meinungsforscherin Kellyanne Conway. "Wenn wir nicht vorsichtig sind, motiviert das nur noch mehr Frauen, für sie zu stimmen", sagt auch Bruce Fein. "Das wäre verheerend."

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen