Politik

Schüsse, Explosionen, Angst Die Stunden der Belagerung von Saint-Denis

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Mitglieder einer französischen Spezialeinheit am Morgen des 18. November in Saint-Denis.

(Foto: REUTERS)

Mit einem Großeinsatz im Pariser Vorort Saint-Denis hat die französische Polizei möglicherweise einen weiteren Anschlag verhindert. Die Anwohner fühlten sich wie im Krieg.

Nachdem wir am frühen Mittwochmorgen über soziale Netzwerke von Schüssen in Saint-Denis erfahren hatten, rasten wir in die Kleinstadt nördlich von Paris. Als wir ankamen, patrouillierten bereits französischen Spezialeinheiten. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir den Platz, an dem die Operation stattfand, gut sehen.

Eine schwerbewaffnete Einheit bewegte sich auf der Straße – die Waffen in Richtung der oberen Geschosse eines Wohnhauses gerichtet. Drei Militärfahrzeuge kamen ebenfalls zur Unterstützung. Aus diesen stiegen Soldaten, die eine menschliche Mauer formten.

Wir hatten uns gerade eingerichtet, um live über die Vorfälle zu berichten, als mit Sturmhauben maskierte Männer eintrafen – die polizeilichen Ermittler, wie sich herausstellte. Sie begannen, uns Journalisten zu umzingeln und in unsere Gesichter zu blicken, als suchten sie nach einer bestimmten Person. Man sagte mir, dass das ein normales Vorgehen sei. In dieser Situation schien es allerdings weniger normal.

Plötzlich hörten wir die Explosionen. Erst eine, dann eine weitere und schließlich noch eine. Insgesamt zählte ich sechs oder sieben Explosionen. Die gesamte Operation lief sehr zügig ab, während die Anspannung anwuchs. Über uns kreiste ein Hubschrauber, der mit seinem Scheinwerfer die Gebäude ausleuchtete. Bewaffnete Polizeieinheiten bewegten sich auf der Straße auf und ab.

Die Operation begann etwa um 4.30 Uhr morgens. Mit dem Tageslicht begannen auch erste Informationen durchzusickern. Später wurde bekannt, dass es sich um acht Verdächtige handelte. Mindestens zwei weitere Terrorverdächtige kamen ums Leben, darunter eine Frau, die sich selbst in die Luft sprengte.

Zu diesem Zeitpunkt war allerdings unklar, ob die Polizei mit so vielen Verdächtigen rechnete. Die Beamten untersuchten auch die wartende Menge entlang der Straße. Vermutlich suchten sie nach weiteren Komplizen der Terrorverdächtigen. Außerdem bestand ja die Möglichkeit, dass sich weitere Sprengsätze in der Wohnung der mutmaßlichen Terroristen oder in der Nähe befanden.

Während der gesamten Zeit versuchten Anwohner, von ihren Balkonen zu lugen, um herauszufinden, was in ihrer Nachbarschaft passierte. Die Soldaten umzingelten den gesamten Platz, während einige Anwohner ihre Wohnungen verließen, um zur Arbeit zu gehen.

Einer der Anwohner, mit dem wir sprachen, berichtete, dass er abgewartet hatte, bis der Schusswechsel abflaute, um seine Wohnung zu verlassen. Plötzlich startete die Schießerei erneut und die Polizei wies ihn darauf hin, sofort zu verschwinden. Er zeigte auf seine Wohnung und sagte, dass sich dort noch seine dreijährige Tochter befinde. Die Polizisten erlaubten ihm daraufhin, zur Wohnung zurückzukehren, um sie zu holen.

In Saint-Denis befindet sich das Fußballstadion Stade de France, das am Freitag zu einem der Ziele der Attentäter geworden ist. Die Menschen, die hier wohnen, fühlen sich besonders bedroht – nicht nur, weil einer der Anschläge in ihrer unmittelbaren Nähe stattfand, sondern vor allem, weil sie nun auch wissen, dass die vermeintlichen Drahtzieher ihre Nachbarn waren.

Hier sehen Sie einen Bericht von Atika Shubert für CNN.

Quelle: n-tv.de

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